Alte Handys sind viel mehr als Schrott

von Redaktion

Der Weltladen Bad Aibling ist Sammelstelle für die „Handyaktion Bayern“. Die Initiative recycelt wertvolle Rohstoffe aus Altgeräten und unterstützt mit dem Erlös Umwelt- und Bildungsprojekte. 150 alte Handys wurden abgegeben. Kommt auch eine Sammelbox ins Rathaus?

Bad Aibling – Der Weltladen Bad Aibling ist seit Anfang des Jahres eine offizielle Sammelstelle der „Handyaktion Bayern“, bei der Handys abgegeben werden können, die nicht mehr gebraucht werden. Die Aktion geht auf eine Initiative von „Mission Eine Welt“ und des „Eine-Welt-Netzwerks Bayern“ zurück und wird unter anderem von der evangelischen Kirche gefördert.

Anlaufstelle mit hohen
Datenschutzstandards

Eine erste Zwischenbilanz von Andrea Höbel fällt positiv aus. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Fair Handeln in Bad Aibling“, unter dessen Trägerschaft der Weltladen steht. „Bisher wurden rund 150 ausgemusterte Mobiltelefone bei uns abgegeben“, berichtet Höbel und spricht von „einer sehr zufriedenstellenden Zwischenbilanz“.

Der Verein ist bereits seit über zehn Jahren im Bereich des Sammelns alter Handys aktiv. In Zusammenarbeit mit der Realschule wurden bereits mehrmals „sehr ergiebige Sammlungen“ durchgeführt. Höbel spricht von mehreren hundert Altgeräten, die auf diese Weise zusammenkamen. Brauchbare Teile der Geräte wurden wiederverwertet, der Rest wurde einer umweltgerechten Entsorgung zugeführt.

An diesem Prinzip ändert sich auch mit dem Weltladen als Sammelstelle nichts. „Für die Leute gibt es jetzt aber eine zentrale Anlaufstelle, wo sie ihre Mobiltelefone regelmäßig abgeben können“, nennt Höbel einen großen Vorteil dieses Sammelsystems. Auf ihrer Homepage versichert die „Handyaktion Bayern“, alle persönlichen Daten auf den abgegebenen Handys würden nach „höchsten Datenschutzstandards“ gelöscht. Soweit eine Wiederverwendung der Geräte oder von Einzelteilen möglich sei, werde diese Variante bevorzugt. Alles, was nicht mehr verwertbar sei, werde fachgerecht entsorgt, versichert die Initiative.

Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer, Platin und Palladium, die in den Altgeräten enthalten sind, werden auf jeden Fall wiederverwendet. Der Erlös aus der Aktion wird derzeit in Umwelt- und Bildungsprojekte in Liberia und El Salvador investiert. Auch Eine-Welt-Kindertagesstätten in Bayern profitieren von den Einnahmen.

Die Nachhaltigkeit der Aktion steht für Andrea Höbel außer Frage. Sie verweist auf Angaben der Deutschen Telekom, denen zufolge angeblich über 200 Millionen alte Handys in deutschen Haushalten vorhanden sind. „Allein mit dieser Menge könnte man bis zu 1.300 Tonnen Kupfer, 20 Tonnen Silber und drei Tonnen Gold wieder in den Wirtschaftskreislauf bringen“, rechnet Höbel vor.

Höbel wünscht sich, dass der Vergeudung wichtiger Rohstoffe, die in Handys enthalten sind, in Bad Aibling noch besser vorgebeugt wird. Sie plädiert deshalb dafür, zeitnah auch im Rathaus eine Sammelbox für gebrauchte Handys aufzustellen.

Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz zeigt sich nach Angaben der Stadt sehr aufgeschlossen für diese Idee und hat diesbezüglich bereits einen ersten Gedankenaustausch mit Höbel geführt. „Bevor eine Sammelbox im Rathaus installiert werden kann, sind noch einige praktische Fragen zu klären“, erläutert Pressesprecherin Franziska Pasternack von der Stadtverwaltung Bad Aibling. Unter anderem betrifft dies den Standort der Box im Rathaus sowie haftungsrechtliche Fragen.

Wiederverwertung
wertvoller Rohstoffe

Wie groß der Bedarf für mehr Abgabemöglichkeiten in der Kurstadt tatsächlich ist, lässt sich allerdings schwer einschätzen. Auf Anfrage des OVB konnte das Landratsamt Rosenheim nicht mit konkreten Daten zur Orientierung aufwarten. Man wisse nicht, wie viele ausgemusterte Handys im vergangenen Jahr im Bad Aiblinger Wertstoffhof oder im gesamten Landkreis abgegeben wurden, berichtet Pressesprecherin Sibylle Gaßner-Nickl.

Der Grund hierfür: Abgegebene Mobiltelefone werden nicht einzeln erfasst, sondern innerhalb der sechs Sammelgruppen aufgelistet, die das Elektro- und Elektronikgerätegesetz ausweist. Kleine Geräte aus dem Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik werden laut Gaßner-Nickl der Gruppe fünf zugeordnet, unter die auch noch andere Elektro-Kleingeräte fallen. „Erfasst werden jedoch nur die Gesamtmengen“, so die Pressesprecherin. Der Verwendungszweck spielt hierbei keine Rolle.

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