Bruckmühl – An der Staatlichen Realschule Bruckmühl hätte eigentlich nach dem erfolgreichen Start 2025 vor Kurzem die nächste Auflage der „Future Voices“-Messe stattfinden sollen. „Alle damals Anwesenden haben im letzten Jahr zugesagt, in diesem Jahr wiederzukommen“, erklärte die verantwortliche Lehrkraft Sabine Anna-Maria Bagi gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Leider kam heuer nur von einer politischen Partei eine Zusage. Daher wurde die „Future Voices“-Messe 2026 abgesagt.
Wirtschaft reicht
nicht für Zufriedenheit
Die Absage bedauerte auch Schülerin Leni vom Moderatoren-Trio, die in Anwesenheit von Rektorin Andrea Ranner eingangs feststellte: „Weil wir und die Demokratie aber unserem Herrn Bürgermeister am Herzen liegen, hat er uns zu einem kommunalpolitischen Spaziergang durch Bruckmühl eingeladen. Bevor es aber raus geht, wollen wir euch noch kurz ein paar Gedanken zu dem Thema mit auf den Weg geben.“
Zu dem Impulsreferat mit dem Titel „Was macht gute Lebensqualität aus?“ stellte Schülerin Hannah fest: „Lebensqualität hat viele Bausteine. Unser Ziel ist: Wir zeigen euch, welche Faktoren Lebensqualität ausmachen.“ Früher habe das Bruttoinlandsprodukt fast als einziger Maßstab für Wohlstand gegolten. Aber: Ein Land könne ein hohes BIP haben und trotzdem unzufriedene Menschen.
Denn das BIP sage nichts direkt über Gesundheit, Bildung, Umwelt, Sicherheit, Freizeit oder gerechte Chancenverteilung. Schüler Jonas fügte hinzu: „Lebenszufriedenheit hängt ab von materiellen und von immateriellen Faktoren.“ Materielle Faktoren sind beispielsweise, Einkommen und Arbeit, also gute und faire Jobs und bezahlbarer Wohnraum. Immaterielle Faktoren sind Dinge wie Gesundheit, Bildung, Sicherheit, Umwelt/saubere Luft, Grünflächen, Bürgerbeteiligung und Demokratie. Lebensqualität bedeute Bildung und diese öffne Türen für Jobs und für Beteiligung in der Gesellschaft. Dazu wurde Nelson Mandela zitiert mit: „Bildung ist die mächtigste Waffe, mit der du die Welt verändern kannst.“
Lebensqualität bedeute aber auch soziale Sicherheit, ein funktionierendes Gesundheitssystem und Natur – und daher Mitbestimmung. Aus Schülersicht wurden drei Ideen genannt: Bildung vor Ort stärken (Lernorte am Nachmittag schaffen zum gemeinsamen Lernen), Treffpunkte vor Ort schaffen (außerhalb von Vereinen), Jugend mitreden lassen (zum Beispiel im Jugendrat).
Bürgermeister Richard Richter zollte den Zehntklässlern „Riesenrespekt, dass sie sich in ihrem zarten Alter für diese Themen interessieren“. Er schilderte Aktivitäten der Marktgemeinde in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Wohnen und Freizeit und stellte hinsichtlich der Mitbestimmung die Frage: „Wie muss das Format sein, dass sich die Jugend mit einbringt?“
Als Treffpunkte wies er auf das von der Awo betriebene Jugendzentrum und auf mögliche Jugendtreffs in der Kulturmühle hin. Dorthin begaben sich dann die rund 60 Teilnehmer der Unterrichtsstunde. Der Rathaus-Chef führte durch die Räumlichkeiten und im Sitzungssaal erläuterte er die Einnahmen und Ausgaben der Kommune. Er fragte die Jugendlichen, in welcher Form Informationen und eine Beteiligung gewünscht werde. Dabei favorisierten die Schüler vor allem Instagram.
Jugendarbeit kann
als Schnittstelle dienen
Carina Appel (zuständig für Jugendarbeit an der Schule), brachte die Jugendarbeit des Landkreises als Schnittstelle für eine Vernetzung ins Spiel. Am Ende spendeten die Gäste dem Bürgermeister viel Applaus für seine Ausführungen.
Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen erklärte er: „Meistens wird auf das geschaut, was nicht funktioniert. Die Führung sollte zeigen, wie so etwas im Kleinen funktioniert.“
Das positive Fazit von Sabine Anna-Maria Bagi lautete: „Unser Anspruch war, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wofür eine Gemeinde da ist. Und sie sollen sehen, dass sie die Steuergelder sinnvoll einsetzt.“