Bad Aibling – Das Planverfahren für das Quartier an der Therme Bad Aibling mit Hotel und Wohnbebauung ist weiter in vollem Gange. Doch auch wenn der Stadtrat kürzlich, wie berichtet, den Billigungsbeschluss für die zweite öffentliche Auslegung der Bebauungspläne „Hotel an der Therme“ und „Quartier an der Therme“ mit einer großen Mehrheit gefasst hat, bietet das Großprojekt auch im Rathaus weiter reichlich Diskussionsbedarf. Im Stadtratsgremium reicht dies mitunter so weit, dass vereinzelt sogar der Bau des Hotels oder der Bedarf an Wohnraum gänzlich infrage gestellt wird.
„Auf der Zielgeraden
des Bauleitplanverfahrens“
Doch klar ist: Der jüngste Beschluss kann durchaus als ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Stadtquartiers mit Hotel an der Therme und Wohnbebauung gesehen werden. Das Projekt der Max von Bredow Baukultur GmbH wird seit mehr als zwei Jahren in Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft, der Stadtverwaltung sowie den Stadtwerken Bad Aibling entwickelt. „Wir freuen uns sehr über diesen Schritt“, sagte nun Bauherr Dr. Max von Bredow dem OVB im Nachgang der Stadtratssitzung. Die nun vorliegenden Bebauungspläne – der Stadtrat hatte zur Sicherung der städtischen Interessen für die Aufteilung in zwei Bebauungspläne gestimmt – seien das Ergebnis einer langen und konstruktiven Planungsarbeit, in die zahlreiche Beteiligte eingebunden waren.
„Der intensive Abstimmungsprozess hat zu einem Entwurf geführt, der sowohl städtebaulich als auch inhaltlich überzeugt“, freut sich von Bredow. Man sei stolz darauf, wie sehr der Entwurf die Wünsche der Bad Aiblinger und Bürger widerspiegle. Und laut Michael Sandbichler, Geschäftsführer der Max von Bredow Baukultur GmbH, befände man sich mit dem Billigungsbeschluss nun „auf der Zielgeraden des Bauleitplanverfahrens“. Doch auch wenn das Großprojekt im Stadtrat die nächste Hürde genommen hat, herrschte, neben Beschwerden von direkten Nachbarn, im Gremium in mehreren Punkten weiter Diskussionsbedarf.
Florian Weber (Bayernpartei) etwa kritisierte erneut die „Massivität“ des geplanten Wohngebietes und sorgte sich um den Betrieb der Bad Aiblinger Therme während der Bauzeit des angrenzenden Hotels. „Deshalb war es uns wichtig, dass die Stadtwerke bei allen Gesprächen dabei sind“, entgegnete der scheidende Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) in seiner damals letzten Sitzung, wohlwissend, dass es eine „schwierige Zeit“ für die Therme werde. Auf lange Sicht soll jedoch die Therme durch den Bau des Hotels gestärkt werden.
Beim Thema Parkplätze verwies SPD-Stadtrat Josef Glaser, für den es wie für Bürgermeister Schlier und weitere Stadträte die letzte Sitzung im Amt war, auf die Einhaltung der Stellplatzsatzung. Laut Schlier halte man diese auch ein, mit einer abweichenden Besonderheit im „Segment der Alterswohnungen“. Hier werde etwa bei älteren Menschen aufgrund geringerer Mobilität ein geringerer Stellplatzbedarf angenommen – in diesem Fall 0,5 Stellplätze pro Wohnung. Eine Regelung, die in den Augen Richard Lechners (SPD) „lebensfremd“ sei. So seien etwa 65-Jährige oft noch nicht einmal im Rentenalter. Auch angesichts öffentlich debattierter Anhebungen von Altersgrenzen forderte Lechner, den Passus ersatzlos zu streichen. Ihm leuchtete nicht ein, warum besagte Bürger womöglich kein eigenes Fahrzeug mehr brauchen sollen. Allerdings erhielt er im Gremium keine Mehrheit für seinen Änderungsantrag.
Doch auch die Frage nach dem grundsätzlichen Bedarf am Thermenhotel wurde diskutiert. AfD-Stadtrat Andreas Winhart sprach gar vom „Tod unserer Innenstadt“, sollten sich künftig Thermengäste im angrenzenden Hotel „einigeln“, anstatt in die Innenstadt zu kommen. „Es wäre mehr als befriedend, hier mehr Wohnraum zu schaffen, als ein Hotel hinzusetzen“, betonte Winhart. Stadtrat Dieter Bräunlich (FW-ÜWG) glaubt hingegen an eine Bereicherung durch das Thermenhotel und sieht darin keinen Nachteil für andere Hotels. Allerdings erreichten ihn aus der Bevölkerung mehr und mehr Meinungen, wonach die Zustimmung für die Wohnbebauung „äußerst gering“ sei. „Ich werde gefragt, warum dort 260 Wohnungen und fünfstöckige Gebäude gebaut werden“, berichtet Bräunlich. Dabei verweist er auf zahlreiche andere genehmigte Wohngebiete, in denen Wohnungen jedoch keinen Abnehmer fänden.
„Warum sollten wir uns das also antun, wenn der Bedarf gar nicht da ist?“, fragte Bräunlich und verwies auf einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, dessen Lösung er im neuen Quartier jedoch nicht erwarte. Schlier bat in diesem Zusammenhang um Differenzierung und sprach von einem „riesigen Bedarf an Wohnraum“. In diesem Fall sei der Bau von Wohnungen an den Bau des Hotels geknüpft. Und wenn der Vorhabenträger des Projektes sich nicht sicher wäre, ob Bedarf bestehe, würde er das Verfahren auch nicht vorantreiben, war sich Schlier sicher.
Überrascht über die Diskussion, insbesondere die „subjektive Meinung“ Dieter Bräunlichs, zeigte sich Stadtrat Dr. Thomas Geppert (CSU). „Man darf hier jetzt nicht alles vermischen“, betonte er und bezog sich damit etwa auf von Bräunlich angesprochene noch leerstehende Wohnungen im Lichtspielhaus.
AfD fürchtet
„Tod unserer Innenstadt“
„Das ist etwas völlig anderes. Es geht hier beispielsweise auch um Wohnraum für Fachkräfte, die nicht ins Penthouse am Marienplatz ziehen“, so Geppert. Ihm zufolge sei die „objektive Zustimmung“ für das Projekt an der Therme groß, was auch mit der „einzigartigen umfassenden Bürgerbeteiligung“ zu tun habe. Im Übrigen, so der CSU-Stadtrat, sei das geplante Hotel keine Konkurrenz für die Aiblinger Gastronomie und die Pläne seien angesichts der Haushaltslage eine wichtige Stütze des Tourismusstandortes.