Wie der Körper wieder den Schlaf erlernt

von Redaktion

Am Medical Park in Bad Feilnbach hilft Schlafmediziner Professor Dr. Peter Young mit seinem Team Menschen, die unter chronischen Ein- und Durchschlafstörungen leiden. Ziel ist es, den Patienten wieder zu einem erholsamen und gesunden Schlaf zu verhelfen und die schlaflosen Nächte zu überwinden.

Bad Feilnbach – 42 Prozent der Deutschen klagen laut einer Umfrage von 2025 über schlechten Schlaf. Als Gründe hierfür nennen sie vorwiegend Stress, Angstzustände oder Arbeit. Dicht gefolgt von Bildschirmzeit vor dem Schlafen, Haushalt oder weiteren gesundheitlichen Problemen.

Als Krankheit gilt eine hieraus entstandene Ein- oder Durchschlafstörung, auch Insomnie, „wenn sie mehr als dreimal in der Woche über einen längeren Zeitraum als drei Monate auftritt“, weiß Schlafmediziner Professor Dr. Peter Young. Young ist Chefarzt am Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark und überdies ausgewiesener Spezialist der Neurologie, darunter auch sein Steckenpferd: die Schlafmedizin.

Zerstückelter Schlaf
hält Insomniker wach

Bei der Insomnie handelt es sich folglich um eine chronische Ein- und Durchschlafstörung. Das bedeutet, der Schlaf des Insomnikers ist „zerstückelt“ in mehrere Schlaf- und Wachzeiten, die während der Nacht aufeinanderfolgen. So ist die Bettliegezeit des Patienten oft deutlich länger, als die reine Schlafzeit.

Ein gesunder Mensch ohne Schlafstörung oder -krankheit schläft im Durchschnitt sieben bis acht Stunden pro Nacht. Dabei durchläuft er rund fünf Schlafzyklen. Jeder Zyklus besteht aus Leicht-, Tief-, und REM-Schlafphase. Letztere wird auch Traumphase genannt. Insomniepatienten erleben die Schlafzyklen nicht in einem Durchgang, sondern wachen immer wieder zwischendurch auf.

Am häufigsten wachen Insomniker in der zweiten Nachthälfte auf, da der Anteil an Tiefschlaf abnimmt und die weniger tiefen Leicht- und REM-Schlafphasen länger werden. Die Zerstückelung der Schlafzeiten kann erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Insomnie-Patienten am Tag haben. Viele Insomniker klagen über extreme Erschöpfung, gleichzeitig können sie tagsüber aber auch nicht einschlafen.

Apnoiker hingegen klagen primär über Tagesschläfrigkeit, was bedeutet, sie schlafen tatsächlich tagsüber ein. Doch erleben sie diese Schlafepisoden nicht als erholsam.

Drei bis vier Wochen bleiben die Reha-Patienten durchschnittlich im Medical Park. Behandelt werden Sie hier mit der Kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie (Kurz: KVT-I). Während der ersten Woche führen sie ein Schlaftagebuch: Hier halten sie ihre nächtlichen Schlaf- und Wachzeiten fest.

Je nachdem, wie lange die Patienten tatsächlich nachts schlafen, werden ihre Bettliegezeiten an die tatsächlichen Schlafzeiten angepasst. Diese Methode wird im Fachjargon auch als Schlafrestriktion bezeichnet.

Lieber Langzeittherapie
statt Schlaftabletten

Angenommen, ein Patient liegt acht Stunden im Bett, ist davon jedoch drei Stunden wach: In diesem Fall wird die Zeit, die er im Bett verbringen darf, auf fünf Stunden verkürzt. „Der Schlafdruck des Patienten wird dadurch erhöht, dass er weniger Zeit im Bett verbringt“, erklärt Young die Therapiemethode. So lernt der Körper wieder, längere Zeit am Stück zu schlafen, ohne dazwischen aufzuwachen.

Im Bett sollen die Patienten ausschließlich schlafen. Sobald sie nachts aufwachen, sind sie angehalten, das Bett zu verlassen. Auch lesen oder fernsehen sollen sie nicht von dort aus.

„Erhöht werden soll der Schlafdruck der Insomniker außerdem durch viel Aktivität und Bewegung“, so Young weiter, sowohl alleine im Fitnessraum, als auch in therapeutischer Begleitung.

„Die KVT-I ist eine Therapieform, die erst nach einiger Zeit, dann jedoch langfristig Besserung verspricht“, weiß Young ebenfalls. Deshalb gibt es in der Schlafmedizin auch die Option zur Behandlung von Insomnie mit Medikamenten. „Aber es gibt aktuell kein Medikament, das für die Langzeiteinnahme zugelassen oder geeignet ist“, ergänzt der Spezialist.

Viele Schlafmedikamente machen überdies abhängig. In akuten Fällen können sie den Patienten kurzzeitig entlasten, aber für die langfristige Genesung plädiert der Schlafmediziner dringend für die nichtmedikamentöse KVT-I-Therapie. Young weiß allerdings auch, dass bei Weitem nicht jeder Patient mit Ein- und Durchschlafstörungen hinreichend ärztlich und medizinisch versorgt ist. Abhilfe schaffen können hier digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA).

Es handelt sich dabei um Gesundheitsapps, zu denen der Patient auf Rezept Zugang erhält. Im Bereich der Schlafmedizin gibt es aktuell drei verschiedene Apps, weiß Schlafmediziner Young. Eine dieser Apps ist „Somnio“: Die DiGA hilft dem Patienten, seine Schlafroutinen zu dokumentieren und sein Krankheitsbild besser zu verstehen. Sie gilt als geprüftes Gesundheitsprodukt und wird von der Krankenkasse auf Rezept übernommen.

„Anhaltend schlechter Schlaf lässt sich nicht ohne Grund als Krankheit klassifizieren“, weiß Schlafexperte Young. Er warnt davor, die Symptome nicht hinreichend ernst zu nehmen. Mit Schlafmangel gehen verschiedene Folgeerkrankungen, sowohl psychisch als auch physisch, einher. „Das ganze Ausmaß ist der Forschung derzeit noch gar nicht bekannt“, so Young weiter.

Zu wenig
Schlaf macht krank

Nicht zuletzt gilt Schlafentzug als menschenunwürdige Foltermethode und ist, wie jede Form der Folter, völkerrechtlich verboten. Schlafentzug oder anhaltend schlechter Schlaf können zu erhöhtem Blutdruck, Diabetes oder Alzheimer führen. Überdies befördert er Gedächtnislücken, Leistungsschwäche oder Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch schnelle Sinnesüberreizung – oder im Extremfall Halluzinationen.

Ob Schlafentzug tatsächlich auch zum Tod führen kann, ist bislang unerforscht. Den Rekord über die längste Zeit ohne Schlaf erreichte im Jahr 1964 der 17-jährige Randy Gardner mit insgesamt elf Tagen. Doch blieb das Experiment für Gardener nicht ohne Folgen. So klagte er in Interviews Jahrzehnte später noch über anhaltende schwere Schlafstörungen. Anders als in den 1960er-Jahren ist sich Prof. Dr. Young heute sicher: „Schlaf ist absolut lebensnotwendig, wie sonst hätte er sich über die gesamte Evolution bis heute bewährt?“

Was ist der REM-Schlaf?

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