Tuntenhausen – Es ist ein sonniger Frühlingstag Ende April in der Burgstraße. Während draußen die Bäume im Biergarten ihre ersten grünen Blätter in den oberbayerischen Himmel strecken, herrscht im Inneren der „Biberger Alm“ Hochbetrieb. Wo vor wenigen Monaten noch beißender Brandrauch die Luft verpestete, klopfen nun Handwerker, surren Akkuschrauber und wird letzte Hand angelegt. Michael Wäsler sitzt vor seinem Lokal und lächelt. Hinter ihm, seiner Lebensgefährtin Margareta Pilger und dem Personal liegt ein anstrengendes halbes Jahr.
Vom Brandort
auf die Gastromesse
Der 31. Oktober 2025 markiert eine Zäsur in der Geschichte der beliebten Gaststätte. Es war ein Freitagnachmittag, kurz nach halb eins. Ein technischer Defekt – ein Kompressor an der Kuchentheke war in Flammen aufgegangen – löste einen verheerenden Brand aus. Das Feuer fraß sich durch den Schank- und Küchenbereich. Mutigen Anwohnern ist es zu verdanken, dass nicht das gesamte Gebäude den Flammen zum Opfer fiel. Nachbarskinder hatten den Rauch in der Wirtschaft zuvor zufällig gesehen und bei ihren Eltern Alarm geschlagen.
„Am Anfang war der Schock da, aber nicht realisierbar“, erinnert sich der Wirt an die ersten Tage. Schankanlage, Kaffeemaschine, Kassensystem – alles nur noch zerschmolzener Kunststoff und Metall. Doch Wäsler ist kein Typ für die Schockstarre. „Dann habe ich umgedacht und habe einfach geschaut, dass ich aus der ganzen Gaudi das Beste mache.“
Bereits kurz nach der Katastrophe schaltete Wäsler in den Angriffsmodus. Bald suchte er auf einer Gastromesse nach Ersatz für die beschädigten Utensilien. „Da habe ich schon gewusst: Ich benötige ein neues Kassensystem, eine neue Kaffeemaschine und einige verschiedene Edelstahlteile neu.“ Es ging nicht nur um Technik, sondern um jedes Detail: Tischdecken, Stoffe, Mikrowellen. Alles musste neu gedacht werden. „Da waren wir auf der Gastromesse und haben geschaut: Was gibt’s, was passt zu uns und was kann man verbessern und verschönern?“
Dass der Wiederaufbau gelang, verdankt er dem perfekten Zusammenspiel mit seiner Lebensgefährtin Margareta Pilger. Während er die Baustelle koordinierte, kämpfte sie sich durch die Flut an E-Mails und Versicherungsunterlagen. „Wir haben das Miteinander als Team geschafft. Da hatte jeder seinen Part und jeder hat das Beste daraus gemacht. Ich glaube, wir haben echt gut zusammengearbeitet“, resümiert der Wirt stolz.
Wer die Biberger Alm ab dem morgigen Donnerstag betritt, wird das vertraute Gefühl wiederfinden, aber in einem moderneren Gewand. Die urige Vertäfelung, die Eckbänke und der Kachelofen – die „Seele“ der Wirtschaft – blieben erhalten. Doch kombiniert wurde dies mit einer neuen Holzdecke und markantem Ziegelmauerwerk. Besonders stolz ist Wäsler auf die optimierten Abläufe für seine Angestellten: „Dass alles in der Nähe ist, dass keiner mehr irgendwo hinlaufen muss, wenn er noch etwas benötigt. Da muss man nur noch hinlangen und hat keine weiten Wege mehr.“ Zudem dürfen sich Bierkenner auf ein besonderes Highlight freuen: Ein neuer Gefrierschrank sorgt künftig für geeiste Bierkrüge für das Kellerbier.
Trotz verlockender Anfragen von außerhalb – Wäsler wurden diverse Angebote gemacht, ob er nicht woanders Wirtschaften übernehmen wolle – blieb Wäsler Biberg treu. „Ich habe gleich von Anfang an gesagt: Nein, ich werde wieder eröffnen und es wird Gas gegeben.“
Die Sehnsucht der Stammgäste ist groß. Dabei geht es auch um die Klassiker der Speisekarte. Ein paar Neuigkeiten werde es geben, aber keine großen Änderungen. „Denen geht es darum, wann es wieder Schlemmer-Schnitzel und Burger gibt“, schmunzelt Wäsler. An der Qualität werde nicht gerüttelt: „Wir haben Gäste, die für unser Essen kommen. Das wollen wir wie immer gleich machen: gleiche Portionen, gleiche Qualität.“
Was bleibt nach sechs Monaten Ausnahmezustand? Vor allem die Dankbarkeit über den Zusammenhalt im Team und in der Nachbarschaft. Dank einer Ausfallversicherung konnte Wäsler sein gesamtes Personal halten. „Meine Leute, die ich angestellt habe, habe ich alle behalten können, keiner ist abgesprungen.“
„Ohne meine Leute würde ich eh nichts schaffen“
Immer wenn er jemanden zum Saubermachen oder Herrichten brauchte, waren alle da. Nachbarn, Freunde, Stammgäste boten ihre Hilfe an. „Ohne meine Leute würde ich eh nichts schaffen.“ Auch Wirtin Margareta Pilger ist dankbar und blickt voller Vorfreude auf die Wiedereröffnung: „Ich bin sehr froh. Besonders stolz bin ich auf meine Angestellten, die schon in den Startlöchern stehen und immer für mich da sind.“
Wenn an Christi Himmelfahrt (Donnerstag, 14. Mai) ab 10 Uhr die Türen endlich wieder öffnen, ist die Botschaft klar: Die Biberger Alm ist zurück – stärker und durchdachter als zuvor. Michael Wäsler freut sich auf den ersten Ansturm: „Wenn die Gäste kommen, sollen sie spüren, dass wir wieder gern für sie da sind. Ich hoffe, sie bringen Hunger und Durst mit!“