Irschenberg – Die offizielle Einweihungsfeier einer besonderen Wohngruppe im Caritas Kinderdorf Irschenberg ist bereits einige Wochen her. In Haus 6 entstand eine neue Gruppe für in Obhut genommene Babys ab der zweiten Lebenswoche und Kleinstkinder. Dazu waren im Haus in den vergangenen Monaten mit finanzieller Unterstützung des Vereins Sternstunden umfangreiche bauliche Maßnahmen vorgenommen worden.
Mittlerweile haben dort sieben Kinder ab einem Alter von vier Monaten Schutz und Geborgenheit gefunden und werden rund um die Uhr von einem multiprofessionellen Team aus Sozialpädagoginnen, Erziehern, Heilpädagoginnen, Kinderkrankenschwester, Heilerziehungspflegerin und einer Hauswirtschafterin betreut.
Das neue Inobhutnahme-Haus bietet Kindern einen Schutzraum, die aufgrund einer familiären Krise oder Kindeswohlgefährdung nicht in ihren bisherigen Familien verbleiben können, da die Eltern nicht in der Lage sind, die Kinder adäquat zu versorgen. Beispiele sind Alkohol- oder Drogenkonsum der Eltern, emotionale Vernachlässigung, aber auch sexueller Missbrauch.
Dorfleiterin Pia Klapos betont, wie wichtig ihr das „Herzensprojekt Sternstundenhaus“ ist. Sie gab einen Einblick in die Biografien der dort betreuten Babys und Kleinkinder – wie Leon (Name geändert), der nach der Geburt Entzugserscheinungen zeigte, nachdem ihn seine drogenabhängige Mutter ohne festen Wohnsitz im Krankenhaus entbunden hatte.
Sie machte deutlich, wie wichtig es ihr und dem gesamten Team ist, dass sich das Kinderdorf durch Haltungs- und Bindungsqualität auszeichnet: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, kein Kind mehr zu verlieren. Wir möchten gemeinsam Verantwortung übernehmen für alle Kinder, die uns anvertraut wurden. Als Einrichtung haben wir uns auf eine Reise gemacht, die nie zu Ende sein wird. Wir müssen uns jeden Tag erneut auf Kinder mit komplexem Hilfebedarf einstellen, um sie gut auf ihrem Lebensweg zu begleiten – von der Wiege bis ins Erwachsenenleben.“
Gabriele Stark-Angermeier, Vorständin des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising, wies auf die gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung hin und dass es sich hierbei um eine Investition handelt nicht nur in die Zukunft der Kinder, sondern auch unsere eigene. „Alle, die hier einen Weg ins Leben finden, werden eines Tages etwas an die Gemeinschaft zurückgeben“, so Stark-Angermeier.
Die Vorsitzende des Fördervereins Caritas Kinderdorf Irschenberg, Landtagspräsidentin Iles Aigner, hatte den Kontakt zu Sternstunden hergestellt. Sie schickte eine Videobotschaft, in der sie dem Verein Sternstunden für die Unterstützung für dieses Haus dankte. Der Wohngruppe mit all den Kindern, Betreuerinnen und Betreuer wünschte sie alles Gute und schloss mit den Worten: „Mögen immer gute Gedanken in diesem Haus sein.“
Nathalie Schmid von Sternstunden erinnerte daran, wie alles begann – an den Anruf von Ilse Aigner, den ersten Kontakt und den herzlichen Empfang im Kinderdorf im April 2025: „Wir schauen uns alle Projekte persönlich an und haben gespürt, dass das Caritas Kinderdorf mit seiner Harmonie und Gemeinschaft ein ganz besonderer Ort ist. Wenn alle zusammenhelfen, dann lassen sich Projekte wie dieses realisieren. Wir freuen uns, an ihrer Seite zu stehen und werden das auch zukünftig tun.“
Bei der Besichtigung des Inobhutnahme-Hauses nach seiner Sanierung konnten sich die Gäste einen Eindruck von der Wohnsituation verschaffen und die Zimmer mit Babywiege, Kinderbetten, Wickeltischen und Spielecken besichtigen, wie auch den Außenbereich. wo eine Holzterrasse und ein Zaun errichtet wurden. Hier sollen mit der Unterstützung durch Sternstunden noch ein Kleinstkinderspielplatz mit Spielgeräten, Sandkasten, Sonnensegel entstehen.
In der speziellen Kinderdorffamilie finden die Kleinsten der Kleinen Sicherheit und Verlässlichkeit. In einer liebevollen Atmosphäre werden sie in ihrer Entwicklung gefördert und das so lange, bis sie wieder zu den leiblichen Eltern zurückkehren können.
Sollte eine Rückführung nicht möglich sein, ziehen die Kinder später in eine therapeutische oder heilpädagogische Wohngruppe um, in welcher sie dann familienorientiert aufwachsen können und bestmöglich auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden. Auf diese Weise werden Bindungsabbrüche vermieden und die Kinder erleben das Kinderdorf weiterhin als ihr vertrautes Zuhause.