Einbruchserie in Bruckmühl ist ein Tuschelthema

von Redaktion

Nach mehreren Einbrüchen im April in die ehemalige Wolldeckenfabrik in Bruckmühl äußern sich nun Gemeinde und Polizei zu den Vorfällen. Im Fokus stehen die späte Kommunikation und die Verunsicherung der Mitarbeiter, die sich an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr sicher fühlen.

Bruckmühl – Leere Kaffeekassen und die ein oder andere demolierte Tür sorgten in der ehemaligen Wolldeckenfabrik Bruckmühl in den Tagen nach Ostern für Aufregung. Alles deutete darauf hin, dass sich eine Gruppe Kleinkrimineller Zutritt zum Gebäudekomplex verschafft hatte. Bewusst hatte sich jedoch die Polizei bislang bedeckt gehalten und nicht öffentlich über die Sache gesprochen.

Schlechte
Zusperrmöglichkeit

Grund dafür war laut Polizeiinspektion Bad Aibling die „schlechte Zusperrmöglichkeit des Gesamtgebäudes“. Neben der Gemeinde sind im ehemaligen Fabrikgelände außerdem mehrere Geschäftstreibende eingemietet. Auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten herrscht hier deshalb reges Kommen und Gehen. Der Haupteingang lässt sich deshalb nicht einfach ab 17 Uhr abschließen. Diese Problematik nicht nach außen zu tragen, sollte verhindern, dass Nachahmer auf dumme Gedanken kämen und sich noch weitere Einbrüche ereigneten, so die zuständigen Beamten.

Die „fehlende öffentliche Kommunikation“ wurde an anderer Stelle jedoch kritisiert: Evelyn Janßen, die einen Friseursalon im Gebäude betreibt, in den ebenfalls eingebrochen wurde, hätte sich seitens der Ermittler mehr Transparenz gewünscht. Vor allem wenn sie am späten Nachmittag oder abends noch alleine im Salon war, begleitete sie in den vergangenen Wochen stetiges Unbehagen.

Ansässige Friseurin fühlt
sich nicht mehr sicher

„Zu Hause wartet erst einmal niemand auf mich, da kann es schon bis zum nächsten Morgen dauern, bis ein Verschwinden von mir auffällt“, so nur eine der vielen Sorgen, die Janßen aktuell durch den Kopf schwirren. „Wenn ich das Gebäude verlasse, telefoniere ich jetzt immer mit Freunden, damit ich nicht völlig alleine bin, wenn doch etwas passieren sollte“, so die Friseurin weiter. Den entstandenen Schaden könne sie verschmerzen, doch solange keine Gewissheit darüber besteht, wer der Täter ist, fühlt sie sich nicht sicher.

Es war ein Leichtes für die Täter, sich Zutritt zum Eingangsbereich im Gebäude 13 zu verschaffen. Im April waren „vermehrt am Wochenende unbefugte Personen im Gebäudekomplex“, berichtete die Polizei.

Am Osterwochenende sind die Einbrecher schließlich bis in das Gebäude 17, in dem sich auch die Gemeindeverwaltung befindet, vorgedrungen. Bei ihrem Streifzug haben die Gauner die Kaffeekassen der Gemeinde geplündert und die Büroregale und Schubläden der Mitarbeitenden nach kleineren Wertgegenständen durchforstet.

„Die Einbrecher haben versucht, mit so wenig Aufwand wie nötig so weit wie möglich ins Gebäude vorzudringen.“ Das bedeutet, der entstandene Sachschaden hielt sich in Grenzen: Ein paar Türen wurden eingetreten – oder es wurde zumindest versucht, sie einzutreten – ansonsten hätten die Einbrecher den Tatort jedoch „ordentlich hinterlassen“, weiß Bürgermeister Richard Richter.

Noch laufen die Ermittlungen. Vermutet wird seitens der Polizei, dass es sich bei den Einbrechern um eine Gruppe Jugendlicher aus der Marktgemeinde handelt. Die zuständige Jugendbeamtin der PI Bad Aibling ist ihnen bereits auf den Fersen.

Viele der Jugendlichen, die als Täter infrage kommen, kennt sie aus ihren regelmäßigen Besuchen der ansässigen Schulen. Gestützt werden die Ermittlungen außerdem vom Videomaterial der Überwachungskameras, die die Einbrüche dokumentierten. Ohne Konsequenzen kommt die Einbrecherbande also nicht davon, auch wenn sie sich in den vergangenen Wochen in Sicherheit wähnte.

Janßen zufolge seien auf Videoaufnahmen aus dem Gebäude drei Personen zwischen 25 und 35 Jahren zu sehen gewesen, allem Anschein nach zwei Männer und eine Frau, die sich an den verschlossenen Türen im Gebäude zu schaffen gemacht haben.

Einen Zusammenhang zwischen der Einbruchsserie in Bruckmühl und den jüngsten Ereignissen am Gewerbepark in Bad Aibling kann das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf OVB-Nachfrage allerdings nicht bestätigen. Seitens der Marktgemeinde Bruckmühl wurde eine entsprechende Vermutung geäußert. Schließlich hätten die Täter in beiden Fällen versucht, mit möglichst wenig Aufsehen und Aufwand in den jeweiligen Gebäudekomplex einzudringen.

Grundsätzlich gelte laut Polizeipräsidium: „Wenn Parallelen zwischen einzelnen Fällen festgestellt werden, werden diese stets eingehend von den Ermittlern geprüft.“ Konkrete Angaben machten die Beamten jedoch nicht.

Größere, gesicherte Wertgegenstände oder auch die Kasse in der Kämmerei blieben unangetastet. Auch was den Datenschutz betrifft, müssen sich die Bruckmühler Bürger keine Sorgen machen, weiß Bürgermeister Richard Richter: „Alle sensiblen Dokumente werden sicher aufbewahrt und sind unzugänglich für Unbefugte.“

Stattdessen suchten die Einbrecher nach „Schlupflöchern“, die ihnen ein weiteres Vordringen in den Gebäudekomplex ermöglichten, und versuchten, unverschlossene Türen oder Schubladen zu öffnen. So drangen sie schlussendlich bis in den Keller des Rathauses vor.

Viel ist in den unterirdischen Gängen jedoch nicht zu holen, findet Richter, wenn er sich dort umsieht. Vielmehr scheint es sich bei den Einbrüchen um eine Art jugendlich-leichtsinnige Mutprobe gehandelt zu haben. Damit in Zukunft allerdings niemand mehr ohne Befugnis Zugang zu diesen Gängen erlangt, sind sie nun mit Schloss und Kette abgeriegelt.

Auch das Putzpersonal beginnt mittlerweile früher mit der Arbeit, damit niemand mehr zu später Stunde in den Büroräumen der Gemeinde um seine Sicherheit fürchten muss. Im Anschluss werden alle Türen zur Verwaltung abgeriegelt und erst wieder zu den regulären Bürozeiten aufgeschlossen.

Die Marktgemeinde Bruckmühl quittiert die Einbrüche als Ärgernis, nicht jedoch als ernsthaftes Sicherheitsrisiko für Gemeindemitarbeiter oder weitere Geschäftstreibende im Gebäudekomplex der ehemaligen Wolldeckenfabrik. „Wer aktiv nach Schlupflöchern sucht, findet sie“, weiß Bürgermeister Richter.

Eher Mutprobe
als Sicherheitsrisiko

Auf ähnliche Weise hätten sich in der Vergangenheit auch Personen Zugang zur Kulturmühle verschafft. Doch was Kassen, Wertgegenstände oder sensible Dokumente betrifft, die in der Gemeinde aufbewahrt werden, existieren keine Sicherheitslücken. Hier sind sich Gemeinde und Polizei einig. Aber auf die Kaffeekasse wird in Zukunft besser aufgepasst, erklärt der Rathauschef einsichtig schmunzelnd.

Evelyn Janßen hingegen ist nicht zum Schmunzeln zumute. Stattdessen appelliert sie an alle Bruckmühler, wachsamer zu sein und die Türen geschlossen zu halten, solange die Täter nicht gefasst sind.

Artikel 1 von 11