Bruckmühl – Verena Aust wohnt gemeinsam mit ihrem Mann Olaf in der Bruckmühler Vagenerau. Seit einigen Jahren bekommen die beiden vor allem im Frühling sehr regen Besuch, hauptsächlich in der Nacht: Dachse, Igel, Füchse und Marder streifen in der Dunkelheit durch den Naturgarten des Rentnerehepaars, während die Nachbarskatzen auf Vogeljagd gehen und für Furore sorgen.
Damit die beiden auch wissen, was sich des Nachts in ihrem Garten abspielt, haben die Austs eine Wildtierkamera aufgestellt. Sie dokumentiert das bunte Treiben der kleinen und größeren Wildtiere dort.
Erst kürzlich stattete ihnen ein alter Bekannter einen Besuch ab: „Vor einigen Jahren wollte sich ein Dachs unter unserem Gartenhaus häuslich einrichten“, erinnert sich Verena Aust. Sie und ihr Mann freuen sich über jeden Besucher im Garten, aber sesshaft werden sollte er dort dann doch nicht. Außerdem könnte der Dachs den Igeln gefährlich werden, die im Aust‘schen Garten ebenfalls Zuflucht suchen. Groß war also der Schreck, als sich vor wenigen Wochen wieder ein Dachs im Garten umschaute.
Die beiden Tierfreunde haben sich deshalb Rat bei einem Jäger gesucht, um den Besucher wieder zu vertreiben: Mit Brettern haben sie ihm den Zugang unter das Gartenhäuschen verstellt, das er wohl mit einem Tunnel unterkellern wollte. Pfeffer und Chilipulver auf dem Boden sollten den ungebetenen Gast ebenfalls abschrecken, um von weiteren Baumaßnahmen abzulassen. Bei solch intensiven Gerüchen rümpft der Dachs sein feines Näschen und sucht sich lieber einen wohlriechenderen Platz zum Verweilen.
In fünf Schlaf- und zwei weiteren Futterboxen suchen die Igel in der Dunkelheit Schutz vor dem Dachs. Auf den Aufnahmen der Wildtierkamera beobachten die Austs, wie der Dachs die Fährte seiner Beute aufgenommen hat. Er umschnüffelt die Igelboxen und steckt die Nase so tief hinein, wie es ihm nur möglich ist. Währenddessen harren die Igel in ihrer kleinen Behausung aus, bis die Luft mit dem Morgengrauen wieder rein wird.
Noch sind die Igel relativ ruhig, aber das wird sich mit der bevorstehenden Paarungszeit bald ändern, befürchtet Verena Aust: „Da kann es schon mal passieren, dass man nachts von den lauten grunzenden Igel-Paarungsrufen aus dem Schlaf gerissen wird.“ Manche der kleinen, stacheligen „Bazis” raufen nachts im Garten und buhlen um die Gunst der Igeldamen.
Einer der Igel, die aktuell regelmäßig in Schlaf- und Futterboxen vorbeischauen, ist den Austs ebenfalls wohlbekannt: Im Herbst hat Igel-Flüsterin Verena Aust einen dreibeinigen, verwahrlosten und halb verhungerten Igel draußen aufgelesen und mit zu sich in die Vagenerau genommen. Über den Winter hat sie ihn hier aufgepäppelt, bis er sich in Richtung Wildnis davon gemacht hat. Zur großen Freude der Austs kam der Kleine vor ein paar Wochen allerdings wieder zurück und stattet dem Naturgarten seither wieder regelmäßig Besuche ab.
Im Garten der Austs befinden sich außerdem mehrere Wasserstellen für Wildtiere und Vögel, eine Kompoststelle, viele Beerensträucher und Stauden sowie ein Insektenhaus und insgesamt sechs Vogelhäuser.
Der Zaun zum Naturgarten ist unten geöffnet, sodass verschiedene Tiere kommen und gehen können, wie sie wollen. Ein Fuchs, wie er vor Kurzem von der Wildkamera aufgezeichnet wurde, kommt dennoch eher selten im Garten vorbei. Er darf aber gerne wiederkommen, finden die Austs. Schließlich verträgt er sich gut mit den Igeln, die hier Schutz suchen – anders als der Dachs.
Verena Aust hofft nun, dass die Dachs-Abwehrmaßnahmen Wirkung zeigen. Schließlich sind die Igel in den kommenden Wochen und Monaten besonders aktiv. Ob es bald kleinen stacheligen Nachwuchs im Aust’schen Garten gibt, darauf wird in der Vagenerau gespannt gewartet.