Bad Aibling – Die Wiederbelebung des Bad Aiblinger Bahnhofsgebäudes, das die Stadt vor einigen Jahren erwarb, stand im vergangenen Kommunalwahlkampf nicht nur bei Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz ganz oben auf der Prioritätenliste. Der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete Sepp Ranner hat sich nun in einem Brief an die Bürgermeisterin dafür ausgesprochen, in dem Gebäude künftig eine Musikschule zu beheimaten. Unterstützung erhält er von Leonhard Eisner, Vorsitzender des Bezirks Inn-Chiemgau im Musikbund für Ober- und Niederbayern.
Ein „Armutszeugnis“
für das Mittelzentrum
In allen Nachbargemeinden der Kurstadt gibt es Musikschulen, auch in Bad Aibling besteht dringender Bedarf, argumentiert Ranner. „Die Stadt Kolbermoor investiert meines Wissens jährlich rund 300.000 Euro in die Musikschule. Wir sind ein Mittelzentrum und haben nicht einmal eine eigene Musikschule. Das ist ein Armutszeugnis“, sagt der ehemalige Abgeordnete.
Er hat es bei den eigenen Kindern und Enkeln bemerkt, welch großes Manko das Fehlen einer solchen Schule im Ort darstellt. Das ist in der heutigen Zeit nicht anders, ist Ranner überzeugt. „Wir haben Hunderte von talentierten Kindern. Denen können wir bisher keinen Hintergrund für die Förderung ihrer Musikbegabung bieten. Das muss anders werden“, so der langjährige Parlamentarier.
Kooperationsmodelle als
kostensparende Lösung
Leonhard Eisner bringt seine Rückendeckung für Ranners Vorstoß auf den Punkt. „Eine Musikschule im ehemaligen Bahnhofsgebäude wäre auf alle Fälle sinnvoll.“ Finanzielle Unterstützung des Musikbundes für das Projekt schließt er nicht zuletzt wegen der Zweckgebundenheit der Fördermittel aus. „Da würden dann alle Musikschulen kommen und um Unterstützung bitten. Das können wir nicht leisten“, so Eisner. „Helfend und beratend“ würde er der Stadt bei der Realisierung des Projekts jedoch zur Seite stehen, falls dies gewünscht wird.
Um Kosten zu sparen, bringt Eisner ein sogenanntes Kooperationsmodell ins Spiel. „Bad Feilnbach kooperiert beispielsweise mit der Musikschule Rosenheim. Auch in den Inntal-Gemeinden gibt es Kooperationen. Im Landkreis Miesbach existiert eine Musikschule in Hausham, die von Bayrischzell bis Irschenberg zuständig ist“, nennt der Bezirksvorsitzende einige Beispiele für eine funktionierende Zusammenarbeit.
Auch Eisner hält es für wichtig, die Räume im ehemaligen Bahnhofsgebäude mit neuem Leben zu erfüllen. Er stellt sich vor, dass eine künftige Musikschule in Bad Aibling gut mit der Einrichtung in Kolbermoor zusammenarbeiten kann. Viele Interessenten aus der Kurstadt, die ein Instrument lernen wollen, nehmen derzeit Musikunterricht in der Nachbarstadt.
Für diese Interessenten hätte eine eigene Musikschule in Bad Aibling ebenfalls einen Vorteil. Die Zusatzgebühren, die Auswärtige in Kolbermoor für die Unterrichtsstunden entrichten müssen, würden entfallen.
Kurzfristig kommt wohl keine Bewegung in die Angelegenheit. Auf schriftliche Anfrage des OVB betonte Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz, es gibt derzeit kein konkretes zeitliches Konzept für die Wiederbelebung des Gebäudes und auch keine konkreten Nutzungsüberlegungen. Haushaltsmittel stehen in diesem Jahr ebenfalls nicht zur Verfügung.
Geld für die Umsetzung von Maßnahmen in diesem Gebäude kann frühestens im Haushaltsplan für 2027 bereitgestellt werden. Die Bürgermeisterin spricht sich jedoch für die „ergebnisoffene Prüfung“ verschiedener Optionen aus, über die letztlich der Stadtrat entscheiden muss. „In jedem Fall sollte dabei dienstleistungsorientiert vorgegangen werden“, sagt Hieble-Fritz. Ob sie Sepp Ranners Vorstoß grundsätzlich befürwortet, geht aus der Antwort auf die Anfrage nicht hervor.
Sollte sie sich mit der Idee zur Errichtung einer Musikschule an dieser Stelle jedoch anfreunden können, steht sie einem Gedankenaustausch mit Leonhard Eisner offen gegenüber. „Expertenmeinungen sind immer wertvoll. Gespräche werden bei Bedarf von der Bürgermeisterin selbstverständlich geführt“, heißt es in der Erklärung der Stadt.