Der Glaube zwischen Tradition auf Moderne

von Redaktion

Beim Pfingstfestival in Au wird am Wochenende der „Geburtstag der Kirche“ gefeiert. Die Veranstaltung bietet Jung und Alt Gelegenheit, die katholische Kirche neu für sich zu entdecken und zeigt, warum sich junge Menschen für das Christentum begeistern.

Bad Feilnbach/Au – Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten der dritthöchste Feiertag in der katholischen Kirche. Gefeiert wird über das gesamte verlängerte Wochenende hinweg der „Geburtstag der Kirche“ – und der Heilige Geist. Doch was hat es damit eigentlich auf sich?

Neben dem Vater (Gott) und dem Sohn (Jesus) macht der Heilige Geist die Trinität beziehungsweise die Dreieinigkeit gemäß Christentum komplett. Gott grenzt sich zunächst als Schöpfer von der Welt ab und schickt Jesus als seinen Gesandten oder eine Art „Sprachrohr“ in diese Welt hinein. Verbunden sind beide, genau wie jedes weitere Wesen auf der Welt, über den Heiligen Geist.

Inniges Gefühl
der Verbundenheit

Bei Letzterem handelt es sich also um eine Kraft, Energie oder ein Gefühl, das alle Menschen spüren können. Dieses Gefühl soll ihnen bewusst machen, dass sie alle miteinander verbunden sind. Der Glaube an Gott ist das Ergebnis dieser Verbindung. Genauso wie die Gemeinschaft, die die Kirche stiftet.

Nicht nur in der Religion, sondern auch in der westlichen Philosophie der vergangenen Jahrhunderte insgesamt, wird – etwa von Schopenhauer, Kant, Nietzsche oder auch in Goethes Faust – immer wieder nach der einen „Urkraft“ gesucht, die „die Welt im Innersten zusammenhält“. Manche Philosophen nennen sie den Willen, andere Freiheit oder Vernunft. Die katholische Religion bezeichnet sie als den Heiligen Geist. Mit Pfingsten begeht die katholische Kirche dieses Wochenende das Fest des Heiligen Geistes und das Fest zum Beginn der Gemeinschaft, die die Kirche bis heute ist.

Kirche – damit soll nicht die Vielzahl an katholischen Amtsträgern von Priestern über Bischöfe bis hin zum Papst bezeichnet sein, weiß Pfarrer Ernst Kögler. Vielmehr handelt es sich bei der Kirche um die Gemeinschaft all derjenigen Personen, die denselben Gott-Glauben teilen.

Sie alle sind zum Pfingstfestival in Au herzlich eingeladen, wissen die Organisatoren. Wichtig ist ihnen, dass es sich nicht um ein reines Jugendfestival handelt. „Wir freuen uns über alle Besucher, egal, ob Jung oder Alt.“

Mit dem Pfingstfestival wollen sie für alle einen Rahmen schaffen, sich intensiv mit dem eigenen Glauben zu befassen und teilen „was in allen unseren Herzen liegt“. Zusammen mit 70 weiteren Helfern, „viel Enthusiasmus und großer Freude“ haben sie in den vergangenen Wochen und Monaten ein breites Festivalprogramm auf die Beine gestellt.

Vor fünf Jahren begann die Geschichte des Pfingstfestivals in Au: Die Idee kam Organisator Marinus Gasteiger, weil er eigentlich zum großen Pfingstfestival nach Salzburg fahren wollte. Die Stadt ist seit Jahren bekannt für das bunte Treiben während des langen Pfingstwochenendes und lockt zu Pfingsten viele Jugendliche aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an.

Doch machte ihm die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Großveranstaltungen waren auf einmal undenkbar. So entstand die Idee, aus einem großen Festival einfach viele kleinere Festivals von Südtirol über Österreich und Schweiz bis nach Deutschland zu organisieren. Also brachten ein paar motivierte junge Erwachsene das Festival auch ins oberbayerische Alpenvorland nach Au.

Sieht er die Begeisterung so vieler junger Menschen, die aus eigener Motivation Einsatz für den katholischen Glauben zeigen, weckt das auch in Pfarrer Ernst Kögler pure Freude. Auf das Festival am Wochenende freut er sich ebenfalls – aber in diesem Fall als Zuschauer. Was die Organisation betrifft, darf er sich ausnahmsweise entspannt zurücklehnen.

Ernsthafte Gedanken über seinen eigenen Bezug zum christlichen Glauben machte sich Organisator Johannes Pauls als Jugendlicher. „Wenn Gott unsichtbar ist und ich ihn nicht einfach wahrnehmen kann – wie darf ich dann darauf vertrauen, dass es ihn tatsächlich gibt?“ – so die Kernfrage, die sich der 22-Jährige damals stellte. „Dann habe ich erlebt, wie ich bei einigen Schlüsselereignissen von Gott an die Hand genommen wurde“, erinnert er sich. „Ich weiß, man könnte auch sagen – das war einfach Zufall“, räumt Pauls ein. „Ich denke, das muss jeder für sich selbst abwägen. Aber für mich waren diese Situationen Beweise dafür, dass es einen Gott gibt, an den es sich zu glauben lohnt.“

Genau wie Pauls ist auch der 24-jährige Marinus Gasteiger mit der katholischen Kirche aufgewachsen: Der sonntägliche Gottesdienst war ein fester Termin im Wochenkalender der Familie. „Als Kind läuft man da einfach mit, aber irgendwann hatte ich das Gefühl: jetzt wird eine Entscheidung von mir gefordert.“ Also ein bewusstes An-Gott-Glauben oder eben nicht.

Um diese Entscheidung treffen zu können, ließ er sich von Freunden überreden, an der ein oder anderen Veranstaltung der Pfarrgemeinde teilzunehmen: „Was macht ihr denn alle hier?“, fragte er sich erstaunt, als er zum ersten Mal einen Gebetsabend besuchte und sah, wie viele junge Menschen sich dafür im Raum versammelt hatten. Mit diesem Abend war schließlich sein Interesse am Christentum geweckt. Er begann sich aktiv damit auseinanderzusetzen, warum Menschen den katholischen Glauben aktiv praktizieren. Mehr und mehr fand er dadurch selbst Gefallen an der Religion und der Gemeinschaft, die sie stiftet.

Als Beispiel für diese „grundkatholischen Traditionen“ nennt Pfarrer Kögler die Beichte. Beim Pfingstfestival haben alle Besucher die Gelegenheit, zur Beichte zu gehen. Pauls und Gasteiger erinnern sich, wie manche Teilnehmer in den vergangenen Jahren zu ihnen gekommen seien und sich für diese Chance überschwänglich bedankt hätten: „Es gibt Leute, die gehen hier das erste Mal seit 30 Jahren zur Beichte und fühlen sich danach, als sei ihnen eine unglaubliche Last abgenommen worden.“

Einzigartige
Glaubenserfahrung

Über diese Erfahrungsberichte freuen sich die Organisatoren besonders. „Es geht uns nicht um Quantität, sondern um die Qualität der Erlebnisse“, findet Pauls. Das Pfingst-Team ist äußerst detailversessen: Der Veranstaltungsablauf ist minutiös geplant, der Social-Media-Auftritt wird mit Hingabe gepflegt und die Location mit viel Liebe zum Detail geschmückt. Jeder, der kommt, soll um eine einzigartige Glaubenserfahrung bereichert, nach Hause gehen. Doch wie viele Menschen am Ende nach Au kommen, daran wollen Pauls und Gasteiger den Erfolg des Pfingstfestivals nicht messen.

Nicht zuletzt heißt es auch im Matthäus-Evangelium: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Der Glaube bedarf keiner riesigen Menschenmenge. Eine kleine Gruppe, die sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam an Gott und seinen Einfluss glaubt, reicht völlig aus.

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