„Schlaf entsteht im Gehirn“

von Redaktion

Schlafwandeln, böse Träume und Paralysen zählen zu den sogenannten Schlaf-Parasomnien. Beinahe jeder Mensch erlebt in seinem Leben eine oder mehrere derart unruhige Nächte. Der Bad Feilnbacher Schlafmediziner Prof. Dr. Peter Young erklärt, wann sich Betroffene ärztlichen Rat holen sollten.

Bad Feilnbach – Stellen Sie sich vor, Sie wachen mitten in der Nacht auf und wollen sich bewegen. Doch Ihr Körper gehorcht Ihnen nicht. Er liegt stocksteif da. Wie sehr Sie sich auch anstrengen, Sie schaffen es nicht, auch nur Ihren Finger um einen Millimeter zu krümmen: Schlafparalyse heißt dieses Phänomen.

Es handelt sich dabei um eine seltene Schlafkrankheit. Zwar gilt sie als harmlos, wie Schlafmediziner Prof. Dr. Peter Young erklärt, doch das Erlebnis ist für die Betroffenen umso beängstigender.

„Der Schlaf entsteht im Gehirn“, weiß Experte Young. Es handelt sich dabei um ein komplexes Zusammenspiel neuronaler Schaltkreise. „Deshalb ist der Schlaf aus neurologischer Sicht besonders spannend, aber zugleich in weiten Teilen unerforscht.“

Schlaf ist keineswegs
ein passives Phänomen

Als bewiesen gilt jedoch, dass es sich beim Schlaf keineswegs um ein passives Phänomen handelt: Im Schlaf regenerieren sich Nervenzellen, das Gehirn nutzt die körperliche Ruhephase, um Informationen zu verarbeiten und Stoffwechselabfälle abzusondern. Außerdem dient der Schlaf der Gedächtnisbildung: Indem Verbindungen zwischen Nervenzellen gestärkt werden, lässt sich neu Gelerntes besser im Gehirn abspeichern.

Wenig erholsam für Körper und Geist ist der Schlaf jedoch, wenn Parasomnien wie Schlafparalyse, Albträume, Reden im Schlaf (Somniloquie) oder Schlafwandeln die Ruhephase regelmäßig stören.

Eine Schlafparalyse tritt meist morgens in der letzten REM-Schlafphase auf. Der Schlafende befindet sich in einem leichten Schlafstadium, kurz vor dem Aufwachen. „Viele Menschen erleben den Zustand der Schlafparalyse ein oder zweimal in ihrem Leben“, weiß Schlafmediziner Young. Regelmäßige Paralysen sind hingegen „ein sehr seltenes Phänomen“.

Ein wacher Geist im
gelähmten Körper

Während die Muskeln im gesamten Körper noch völlig entspannt und schlaff liegen, befindet sich der Betroffene bereits in einem geistigen Wachzustand. Das bedeutet, sein Gehirn ist bereits aktiv. „Dieser Zustand kann ein bis zwei Minuten dauern“, so Young weiter.

Laut deutscher Hirnstiftung gilt die Schlafparalyse, sofern sie bei einem ansonsten gesunden Menschen auftritt, nicht als Krankheit. Sie hat keine Auswirkungen auf die weitere körperliche Gesundheit des Betroffenen.

Möglich ist jedoch ein Zusammenhang zwischen Schlafparalyse und psychischer Gesundheit: Panikstörung oder posttraumatische Belastungsstörung etwa können Paralysen auslösen. In diesem Fall empfiehlt sich eine psychologische Behandlung des Patienten.

Hängt die Paralyse zusammen mit weiteren Schlafkrankheiten wie Apnoe oder Insomnie, sollten zunächst diese schlafmedizinisch aufgearbeitet und therapiert werden. Damit einher geht in der Regel auch ein Rückgang der Schlafparalysen, weiß auch Schlafmediziner Young.

Schlafwandeln
liegt in der Familie

Anders als die Schlafparalyse, beginnt die aktive Zeit beim traumunabhängigen Schlafwandeln (Somnambulismus) in der ersten Hälfte der Nacht, während der intensiveren Tiefschlafphasen. Zwischen 15 und 30 Prozent aller Kinder schlafwandeln, am häufigsten in einem Alter zwischen zehn und zwölf Jahren. Bei vielen Kindern handelt es sich um ein einmaliges Phänomen. Bei den meisten verschwinden die Symptome mit Beginn der Pubertät. Sind Leistungs- oder Konzentrationsfähigkeit des Kindes tagsüber jedoch merklich eingeschränkt, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

„Festgestellt wurden außerdem familiäre Häufungen des Phänomens“, weiß Professor Young. Das bedeutet, diese Form des Schlafwandelns lässt sich teils genetisch begründen. Die Bewegungen und Handlungen, die die Schlafwandler dabei ausführen, erfolgen automatisiert, unbewusst und ohne Traumzusammenhang.

„Beim Traumschlafwandeln hingegen träumt der Schlafwandler während der REM-Schlafphase zugleich von den Aktivitäten, die er währenddessen ausführt“, erklärt Professor Young. „Das Phänomen tritt vorwiegend bei Patienten mit neurodegenerativen Krankheiten auf.“ Dabei handelt es sich um fortschreitende, häufig nicht heilbare Krankheiten, die durch das Absterben von Nervenzellen im zentralen Nervensystem entstehen: etwa Parkinson oder Alzheimer-Demenz. Häufig erinnert sich der Schlafwandler anschließend an den Traum, den er im Schlaf ausgelebt hat.

Grundsätzlich lassen sich Schlafbeschwerden mit einer angemessenen Schlafhygiene vorbeugen. Dazu zählen: konstante Abendroutinen, regelmäßige Schlafzeiten oder die Vermeidung langer Bildschirmzeiten oder schwerer Mahlzeiten am Abend. Aber auch psychische Belastung kann sich auf den Schlaf auswirken, weiß der Experte. Anhaltender Stress oder Depressionen fördern beispielsweise Albträume. In diesen Fällen ist eine psychotherapeutische Behandlung ratsam.

Das ist Parasomnie

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