„Menschen für den Job als Imker motivieren“

von Redaktion

Interview Honigkönigin Elena Eberl aus Albaching über ihre rund 600.000 tierischen Mitarbeiter

Albaching – Seit eineinhalb Jahren ist Elena Eberl vom Bienenzuchtverein Albaching Bayerische Honigkönigin. Wir haben mit ihr über den Verlauf ihrer bisherigen Amtszeit gesprochen.

Wie wird man Honigkönigin?

Hierzu findet ein Bewerbungsprozess über den Landesverband statt, es läuft im Prinzip wie bei einer Bewerbung um einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildungsstelle. Es sind die üblichen Unterlagen wie Lebenslauf vorzulegen. Im Auswahlverfahren werden die Bewerbungen von einem mehrköpfigen Ausschuss gesichtet, dabei ist es nicht zwingend notwendig, als Imker aktiv zu sein, dies ist jedoch letztendlich dann doch entscheidend bei der engeren Auswahl.

Wie lange ist die „Amtszeit“ einer Honigkönigin?

Ich wurde im September 2024 anlässlich des bayerischen Imkertages, der in Ansbach stattfand, zur Honigkönigin „gekürt“. Zu diesem Ereignis reisten wir seinerzeit mit einem Bus an. Ich wurde von zahlreichen Fans begleitet, die alle mit einem speziellen T-Shirt unterwegs waren. Die Honigkönigin ist zwei Jahre im Amt, das Auswahlverfahren für September 2026 läuft bereits.

Warum sind Sie leidenschaftliche Imkerin?

Ich hatte mit 19 Jahren die Leidenschaft für die Imkerei entdeckt, mich faszinierten von jeher die blühenden Wiesen in unserer Gegend. Ohne Einflussnahme meiner Eltern hatte ich mich damals an den Bienenzuchtverein Albaching gewandt, wurde dort hervorragend aufgenommen und startete zunächst mit zwei Bienenvölkern. Jetzt habe ich zehn, die auf drei Orte verteilt sind. Ein Bienenvolk hat etwa 60.000 Bienen, sodass ich rund 600.000 Mitarbeiter habe. Die Hauptsaison für uns Imker geht übrigens von März bis September, wobei auch in den anderen Monaten Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Säubern oder Neuanlegen der Wachsplatten, zu erledigen sind.

Wie kommt eine junge Frau zu solch einem „Hobby“?

Aus meiner schon erwähnten Naturverbundenheit heraus entstand der Wunsch, mich näher mit dem Thema zu befassen. Dies war auch schon lange vor dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Sehr hilfreich war hierzu aber auch mein Vater, der mir das Bienenhaus baute und so den Grundstock für meine Imkertätigkeit legte.

Welche repräsentativen Aufgaben hat eine Honigkönigin zu erfüllen?

In den letzten eineinhalb Jahren hatte ich rund 80 Auftritte bei Messen und Ausstellungen, Imkerjubiläen, dann auch eine Übergabe von Meisterbriefen in Veitshöchheim in Franken. Teilweise war ich auch im Ausland unterwegs, unter anderem in Tirol und Südtirol. In dieser Zeit habe ich rund 14.000 Kilometer zurückgelegt.

Ganz wichtig ist für mich die Kinder- und Jugendarbeit. So war ich heute in Forstern, um vor rund 100 Schülern zu erzählen, wie die Bienen Honig produzieren und warum ein gutes Glas Honig sieben Euro kostet, und das Billigprodukt im Supermarkt viel weniger.

Und wenn ich dabei nur einen Schüler oder eine Schülerin für die Imkerei motivieren konnte, war der Tag für mich erfolgreich.

Wer ist Elena Eberl?

Ich bin 28 Jahre alt, auf dem Hof und dem Haus meiner Eltern in Sinkenbach nahe Haag aufgewachsen und begann meine berufliche Laufbahn mit der Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Firma Alpma in Rott am Inn, aktuell bin ich stellvertretende Personalleiterin. Der Firma Alpma bin ich sehr dankbar für die tatkräftige Unterstützung, erforderliche Freistellungen für meine Tätigkeit als Honigkönigin werden unkompliziert ermöglicht, ebenso bekomme ich immer wieder einmal einen Firmenwagen gestellt. Eine weitere Ausbildung zur Hauswirtschafterin schloss ich im letzten Jahr ab. Aktuell habe ich meinen Hauptwohnsitz zusammen mit meinem Partner in Achenmühle am Samerberg.

Wie groß ist der Imkereiverband in Bayern?

In Bayern gibt es den Landesverband der bayerischen Imker sowie den Verband bayerischer Bienenzüchter, Letzterem gehören vorrangig oberbayerische Imker an.

Insgesamt sind in Bayern rund 42.000 Imker mit 280.000 Bienenvölkern aktiv, sodass sich daraus eine Gesamtzahl von knapp 17 Milliarden Bienen ergibt.

Wie sieht es im Verband mit dem Nachwuchs aus?

In der Tendenz sind es schon überwiegend ältere Mitglieder, weswegen versucht wird, anhand gezielter Aktionen, wie zum Beispiel einer Jungimkermeisterschaft, Nachwuchs zu generieren. Dies ist auch der Grund, weswegen ich sehr viel in die Nachwuchsarbeit investiere, wie auch schon heute in der Schule. Hierzu gibt es Unterstützung durch das Kultusministerium, das den Schulen klar vorgibt, in den Unterrichtsplänen das Thema „Bienen“ miteinzubringen.

Was macht Ihnen als Honigkönigin am meisten Spaß?

Es ist sehr schön, von vielen Menschen die Wertschätzung entgegengebracht zu bekommen, sei es bei Einladungen zu Veranstaltungen, bei Messen oder anderen Veranstaltungen. Einmal wurde mir sogar ein besonders ansprechend ausgestatteter „Sonderparkplatz – exklusiv für unsere Honigkönigin“ gebaut. Gleichzeitig erfüllt es mich mit Freude, wenn ich Menschen für den Job als Imker motivieren kann. Am Anfang hatte ich mich auf meine Auftritte penibel vorbereitet, jetzt geht es schon sehr routiniert, ich brauche keinen Spickzettel mehr.

Was ist für Sie als Honigkönigin eher anstrengend?

Es ist schon eine Herausforderung, rund um die Uhr alles unter einen Hut zu bringen. Fünf Tage in Vollzeit arbeiten plus Kümmern um die Bienenvölker plus Auftritte als Honigkönigin. Und dann soll ja auch noch ein bisschen Zeit für das Privatleben übrig bleiben. Allein das Kümmern um die Bienenvölker zieht einen Zeitaufwand von rund einer Stunde pro Volk und Woche nach sich. So ist es unter anderem erforderlich, eine Schwarmkontrolle durchzuführen, das heißt, es soll verhindert werden, dass sich Bienen eine neue Königin suchen und damit den bisherigen Schwarm schwächen.

Mit welchen Herausforderungen haben die Imker aktuell zu kämpfen?

Für mich als leidenschaftliche Imkerin ist es schon etwas ernüchternd, wenn ich sehe, wie der natürliche Prozess der Honiggewinnung durch eher unnatürliche Erfordernisse – Stichwort Varroa-Milbe – anhand des Ausbringens von Ameisen- oder Oxalsäure beeinträchtigt wird. Allerdings gibt es hierzu keine Alternative.

Große Sorgen bereitet uns Imkern die heranziehende Gefahr durch die asiatische Hornisse (Vespa velutina). Diese etwa zwei Zentimeter lange Hornisse kann sogar rückwärts fliegen, sie bekämpft Bienen durch Erdrosseln. Hier sind Überlegungen da, anhand spezieller Netze die Hornissen abzuhalten und den kleineren Bienen durch entsprechende Netzausgestaltungen Schutz zu bieten. Allerdings hat diese angedachte Methode auch Nachteile. Philipp Gießibl

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