Bad Feilnbach – Wenn jemand eine Reise unternimmt und sich dabei für Baukultur interessiert, kann er einem Sprichwort zufolge allerhand erzählen. Dazu gehört Bad Feilnbachs Geistlicher, Pfarrer Ernst Kögler, der mit Amtsbrüdern seinen Urlaub in Istanbul verbrachte und mit unvergesslichen Eindrücken in die Heimat unterm Wendelstein zurückkehrte.
„Baukultur
im Dialog“
Die fantastischen Bilder der Millionenmetropole am Bosporus mit der gigantischen Hagia Sophia als größtem Kirchenbauwerk aller Zeiten reizten den katholischen Leiter des Pfarrverbands Maria Morgenstern zu einem zweiteiligen Vortrag mit dem Titel „Istanbul, eine Weltstadt im Dialog“. Eingeladen im Rahmen der Informationsreihe „Baukultur im Dialog“ hatte Thomas Zink, Gemeinderat und Baukulturbeauftragter der Gemeinde Bad Feilnbach, der an zwei Abenden zahlreiche Zuhörer und Interessenten im Bad Feilnbacher Rathaussaal begrüßen konnte.
Wie Kögler zu Beginn seines Spaziergangs durch Geschichte und Kultur jener Weltstadt zwischen den Kontinenten Europa und Asien erklärte, findet Baukultur dort statt, wo sich Menschen wohlfühlen, ihr Umfeld entsprechend gestalten und den Ausdruck nach Schönheit suchen, die ihnen Gott der Schöpfer eingegeben hat. Mit gebührender Achtung und Respekt zu betrachten sind Lebensweisen, Bauwerke, Essen und Trinken sowie religiöse und andere Kulturen.
Byzanz, Konstantinopolis, Konstantinopel und Istanbul sind jene Namen, welche die große Stadt zwischen Orient und Okzident in ihrer 2.000-jährigen Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart kennt, und die Kögler in seinen Ausführungen detailliert und spannend beschrieb. Konstantinopolis sollte nach Ansicht seines Namensträgers, Kaiser Konstantin, ein „Neues Rom“ im Osten werden und keine bloße Residenz, sondern Ausdruck neuer Zustände in Staat, Religion und Leben sein.
Es wurden unter anderem wichtige christliche Kirchen von monumentalem Ausmaß, Obelisken, Foren und Landmauern gebaut, die teilweise trotz Erdbeben all die Jahrhunderte bis heute überdauerten. Kaiser Theodosius erklärte 380 nach Christus das Christentum zur Staatsreligion, und Konstantinopel entwickelte sich als reiche „Kaiserresidenzstadt“ auf sieben Hügeln.
In nur fünf
Jahren errichtet
Nach der Reichsteilung im fünften und sechsten Jahrhundert erlebte Konstantinopel unter den Kaisern Theodosius II., Romulus Augustus sowie Justinian I. (527 bis 565) und dessen Frau Theodora das erste goldene Zeitalter. Letztere Regenten verbanden die römische Reichsidee mit „christlichem Glauben und griechischer Kultur“. In diese Zeit fallen der Neubau der Hagia Irene als Kuppelbasilika, die grundlegende Erneuerung der Apostelkirche sowie der Bau des Kaiserpalastes, der Sergios- und Bakchos-Kirche und der beiden größten unterirdischen Zisternen zur Wasserversorgung. In einer Bauzeit von nur fünf Jahren und zehn Monaten (532 bis zur Weihe am Samstag, 27. Dezember) entstand die justinianische Hagia Sophia als unangefochten bedeutendstes Bauwerk der Welt, das Kögler auf seinem Spaziergang durch Istanbul besonders faszinierte und inspirierte.
Die beeindruckende „Heilige Weisheit“ oder Sophienkirche, als christliche und byzantinische Kirche, als Moschee und Museum genutzt, besticht durch ihre architektonische Einzigartigkeit ohne Vorbilder und Nachahmer.
Ein Wunderwerk
der Baukunst
Die Kuppel mit einer ursprünglichen Spannweite von 33 Metern ist die größte über nur vier Tragepunkten errichtete Ziegelkuppel und gilt bis heute als größtes architektonisches Kirchenkunstwerk in der Baugeschichte. Vom Fußboden bis zum Scheitelpunkt misst sie eine Höhe von 56 Metern, davon beträgt allein die Kuppelhöhe 13,8 Meter. Der Grundriss ähnelt einer Basilika, und die Raumwirkung ist einzigartig.
Das Kuppeldach ist vergoldet und steht für den Himmel und die Heilsgeschichte Gottes. Als würde die „Himmlische Herrlichkeit herabschweben“, besticht die Hagia Sophia durch Raum und Licht.
Die monumentale Kuppel, die Wucht ihrer tragenden Pfeiler sowie die gigantischen Mauern und die durch Tücher verdeckte Mutter Gottes überlebten Herrscher, Sultane, politische Machthaber der Neuzeit und Gegenwart, Pest, schwere Erdbeben und aktuell Millionen von Besuchern.