Bad Aibling – Auch wenn sie in weiten Strecken augenscheinlich gemächlich dahinplätschert, so kann sie für Badende doch schnell zur tödlichen Gefahr werden: Die Mangfall hat in den vergangenen Jahren immer wieder Menschen das Leben gekostet. Grund genug für die Polizeiinspektion Bad Aibling, jetzt an die Bürger zu appellieren, den Fluss nicht zu unterschätzen. Auslöser des Appells: Eine unbedachte Aktion von Jugendlichen am Mittwochabend. Wie bereits gemeldet, hatte ein Passant gemeldet, dass mehrere Jugendliche von der Bad Aiblinger Mangfallbrücke in den Fluss springen wollten. Einsatzkräfte der Polizei trafen zwei Jugendliche im Alter von 17 Jahren noch auf der Brücke an, die sie über die Gefahren einer derartigen Aktion aufklärten, was nach Angaben von Manuel Schlosser von der Bad Aiblinger Polizei auf offene Ohren stieß. „Die waren schon einsichtig“, teilt Schlosser gegenüber dem OVB mit. Letztlich ist es nach Angaben von Schlosser wichtig, die Bürger für die Gefahren rund um die Mangfall zu sensibilisieren. So könne der Sprung von der Brücke ins Wasser schnell zu schweren Verletzungen führen, zumal die Mangfall derzeit nur wenig Wasser führe. Doch das sei noch nicht einmal das Gefährlichste. „Das größere Problem sind die Stromschnellen, die gerne mal unterschätzt werden“, sagt der Polizeibeamte, der explizit auf die Wasserwalzen verweist, die durch steile Abfälle im Fluss entstehen und einen lebensgefährlicher Sog entwickeln können. So geriet am Ostermontag 2019 eine damals 42-jährige Frau bei Bad Aibling in eine solche Walze, als sie versuchte, ihren Hund zu retten. Nur durch das beherzte Eingreifen einer Bruckmühlerin, die die Frau aus dem Wasser zog, konnte der 42-Jährigen, die reanimiert werden musste, das Leben gerettet werden.
Ein unglückliches Ende nahm hingegen ein Vorfall im Jahr 2009: Beim Versuch, zwei Jugendliche, die in der Mangfall in eine der gefährlichen Walzen geraten waren, zu retten, verlor ein Ehepaar, 40 und 33 Jahre alt, sein Leben. Die damals 13- und 14-jährigen Jugendlichen überlebten die Tragödie, an die gestorbenen Retter erinnert ein Gedenkkreuz bei Unterheufeld.
Unglücke, die auch die Wasserwacht Bad Aibling auf den Plan gerufen haben. Sie warnt seit Jahren mit einem Video vor den Gefahren der Wasserwalzen in der Mangfall. Warnungen, die Florian Reichmann von der Wasserwacht Bad Aibling nur gebetsmühlenartig wiederholen kann. „Es ist grundsätzlich nicht verboten, in der Mangfall zu baden“, stellt der Wasserwachtler auf OVB-Anfrage klar, aber: „Wichtig ist, wo man badet.“ So seien die Wasserwalzen sowie die Bereiche oberhalb und unterhalb der Walzen aufgrund des „großen Rückstrombereichs“ absolut tabu. „Da wird man schnell reingezogen“, berichtet Reichmann. „Dann rutscht man in die Walze rein und kommt nicht mehr heraus.“
Auch Sprünge von Brücken hält der Experte für absolut gefährlich. „Selbst bei hohem Wasserstand reicht die Wassertiefe auf keinen Fall aus, um den Sprung verletzungsfrei zu überstehen“, weiß der Wasserretter.
Und wie ist das richtige Vorgehen, wenn es doch zu einem Notfall kommt? „Das Wichtigste ist, sofort die 112 zu wählen, die dann die Rettungsorganisationen koordinieren“, so Reichmann. Wichtig seien genaue Ortsangaben zu machen: „An jeder Wasserwalze sowie grundsätzlich alle 200 Meter entlang der Mangfall ist auf weißen Schildern der jeweilige Flusskilometer angegeben.“ mw