Musikschule in Bahnhof? Zuspruch und Skepsis

von Redaktion

Soll im leer stehenden Bahnhofsgebäude in Bad Aibling eine Musikschule entstehen? Der Vorschlag des ehemaligen CSU-Abgeordneten Sepp Ranner stößt bei den Stadtratsfraktionen auf ein geteiltes Echo. Die Meinungen reichen von „top“ bis „nicht realisierbar“.

Bad Aibling – Auf ein geteiltes Echo bei den Stadtratsfraktionen stößt der Vorschlag des ehemaligen CSU-Landtagsabgeordneten Sepp Ranner, im derzeit leer stehenden Bahnhofsgebäude künftig eine Musikschule unterzubringen.

Grundsätzliche
Zustimmung

Als „sehr, sehr positiv“ wertet Rudi Gebhart, Fraktionssprecher von FW/ÜWG, den Vorstoß. Der Bedarf für solch eine Einrichtung sei in der Stadt gegeben. Deshalb verdiene Ranners Initiative Unterstützung, sagt Gebhart. Es seien jedoch noch einige offene Fragen zu klären, und die Finanzierung des Projekts dürfte angesichts der schwierigen Haushaltslage der Stadt nicht einfach werden. Aus Gebharts Sicht könnte ein erster Schritt sein, alle Lehrer in die Diskussion einzubinden, die an Bad Aiblinger Schulen Musikunterricht erteilen. „Dieses Meinungsbild sollten wir einholen. Das ist wichtig“, meint der Fraktionssprecher.

CSU-Fraktionssprecher Christian Schönberger findet eine Musikschule an diesem Standort „top“, verweist aber ebenfalls auf viele offene Fragen. „Da geht es nicht nur um die Finanzierung“, sagt Schönberger, der selber Zither und Jagdhorn spielt. Die Vorteile des Bahnhofsgebäudes als Standort einer solchen Einrichtung liegen für ihn auf der Hand: „Da sind viele Schulen in der Nähe, außerdem gäbe es eine Zugverbindung quasi vor der Haustür.“

Schönberger liegt vor allem auch der Erhalt von Volksmusik und bayerischer Kultur am Herzen. „Da könnte eine Musikschule einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Verwirklichung geht aber sicher nicht von heute auf morgen“, sagt der Stadtrat.

Silvia Groß, Sprecherin der AfD-Fraktion, spricht von einer „sehr guten Idee“, die vor allem auch der Unterstützung der musikalischen Frühförderung diene. „Die Stadt sollte Geld in die Hand nehmen, um das Gebäude auf Vordermann zu bringen“, meint Groß. Sie setzt auch ein wenig auf den Solidargedanken innerhalb der Stadt. Wenn möglichst viele Ortsvereine einer Musikschule an diesem Standort aufgeschlossen gegenüberstehen, dann müsste die Verwirklichung des Projekts hinzubekommen sein, glaubt die AfD-Stadträtin.

Etwas zurückhaltender gibt sich Martina Thalmayr, Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen. „Da hat zwar jetzt jemand laut gebrüllt. Trotzdem ist das Projekt nicht realisierbar, weil kein Geld dafür da ist“, so ihr Urteil. Auch sie sieht die Notwendigkeit, das Bahnhofsgebäude mit neuem Leben zu erfüllen, verfolgte aber eher „die grundsätzliche Idee von einem Kulturzentrum und einer Herberge für Vereine“. Unabhängig von den knappen Haushaltsmitteln sieht Thalmayr keine Notwendigkeit, im ehemaligen Bahnhof eine eigene Musikschule zu errichten.

„Das wäre zu kurz gegriffen. Die Musikschule ist kein Heilsbringer.“ Eine gute Nutzung des Gebäudes wäre für sie, wenn möglichst viel abgedeckt würde. Ebenso wie dies bereits Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz betont hatte, verweist die Stadträtin darauf, dass es bisher kein Gesamtkonzept für die Nutzung des Gebäudes gebe. Was eine konkrete Planung betrifft, sieht sie für eine kurzfristige Lösung angesichts der Finanzlage der Stadt keine Chance. „Da sind wir noch lange nicht so weit. Ich denke, wir brauchen fünf bis zehn Jahre, bis überhaupt etwas möglich wird.“

Eine eher pessimistische Einschätzung in puncto Musikschule teilt Erwin Kühnel. Er ist amtierender Vorsitzender des Musikfördervereins Bad Aibling und gehörte bis zum Mai dieses Jahres selbst dem Stadtrat an. Der etwa 60 Mitglieder zählende Verein könne der Stadt jedenfalls keine Unterstützung bei der Umsetzung einer solchen Planung anbieten. „Wir sind finanziell gar nicht in der Lage, so etwas aufzubauen“, sagt Kühnel und verweist darauf, dass dies ein langwieriger Prozess wäre. „Die Musikschulen in Kolbermoor und Feldkirchen-Westerham haben auch lange gebraucht, bis sie ihre heutige Größe und Qualität erreicht haben“, so Kühnel.

„Sehe im Moment
null Chance“

Er erinnert zudem daran, dass der Verein im Zuge der Konsolidierung der städtischen Finanzen erst im vergangenen Jahr einen Probenraum zurückgegeben habe, der sich im Gebäude der Volkshochschule befunden habe. Sich wenig später für die Notwendigkeit einer Musikschule im Bahnhofsgebäude auszusprechen, wäre schwer erklärbar, betont er. Seine Prognose zur aktuellen Diskussion bringt Kühnel auf einen kurzen Nenner: „Ich sehe für ein solches Projekt in diesem Gebäude im Moment null Chance.“

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