Bad Aibling – Das Café Rott am Glonnufer ist seit knapp 60 Jahren ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Gäste. Seniorchef Hannes Rott, ein Bad Aiblinger Urgestein, feiert am heutigen Samstag seinen 85. Geburtstag. Wenngleich er den Betrieb schon längst an seinen Sohn übergeben hat, packt er zusammen mit seiner Frau Gabriele noch heute im Geschäft kräftig mit an. „Es wäre unmöglich, wenn in der Früh schon Feierabend wäre“, sind sich die Eheleute einig.
Vom Bäckerlehrling zum Konditormeister
Der berufliche Weg des Geburtstagskindes begann nach dem Besuch der Hauptschule in Bad Aibling und der Handelsschule in Kolbermoor bei der Bäckerei Schmid in Raubling, wo er das Bäckerhandwerk erlernte. Später folgte eine Konditorlehre in München, die er 1968 mit der Meisterprüfung abschloss. Im gleichen Jahr schloss er mit seiner Frau den Bund der Ehe, aus der eine Tochter und ein Sohn hervorgingen. Fünf Enkeltöchter sind heute der ganze Stolz des Opas.
Das Café mit rund 50 Plätzen wurde 1969 eröffnet. Hannes Rott baute dafür die 1928 von seinem Vater Peter gegründete Bäckerei um, die sich ursprünglich in dem Gebäude befand. Seinen Beruf übte er stets „mit großer Leidenschaft“ aus, wie er sagt. Die Zubereitung der Mokka-Baiser-Torte oder der Dampfnudeln, die es traditionell am Freitag gibt, bereitet ihm immer noch eine besondere Freude. „Hefeteig ist nicht jedermanns Sache. Damit muss man liebevoll umgehen“, sagt der Jubilar über die Dampfnudel-Produktion.
Neben der Leidenschaft für seinen Beruf entwickelte Hannes Rott bereits in jungen Jahren eine große Liebe zur Musik, dem Gesang und dem Bühnenleben. Da war es fast zwangsläufig, dass der Mann mit der kräftigen Tenorstimme rasch ein geschätztes Mitglied bei den Kirchenchören in Bad Aibling und Kolbermoor sowie dem Männergesangverein Ellmosen wurde. „Ich habe bei unzähligen Festgottesdiensten, Trauungen und Trauerfeiern gesungen. Natürlich auch bei vielen Konzerten“, erinnert er sich.
Rott lernte auch Klavierspielen und nahm drei Jahre Gesangsunterricht. Ein wichtiger Abschnitt für seine spätere Karriere als Solist war die Zeit, als er während seiner Berufstätigkeit in München nebenbei als Kulissenschieber am Gärtnerplatz-Theater arbeitete. „Da hat mich Professor Eberhard aus Oberaudorf dazu ermuntert, meine Stimme schulen zu lassen. Der Unterricht und die Tätigkeit am Theater haben meine Liebe zur Musik noch verstärkt“, berichtet er.
Mit einem Anruf von Gera Walter von der Bühne Feldkirchen begann seine Laufbahn auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Zusammen mit ihr trat Hannes Rott 1979 im Bad Aiblinger Sparkassensaal als „Bastien“ in Mozarts „Bastien und Bastienne“ auf. Es folgten zahlreiche Gesangspartien und ein 15-jähriges Engagement bei der damaligen Oberlandbühne in Miesbach, die heute als Freies Landestheater Bayern fungiert.
Unvergessen ist auch sein langjähriges Engagement für den Maxlrainer Kultursommer, dessen künstlerischer Leiter er 15 Jahre lang war. Für seine Verdienste ernannte ihn der Kulturförderverein Mangfalltal 2020 zu seinem Ehrenmitglied. Viele Aiblinger erinnern sich auch noch an die legendären „Glonn-Rennats“, die der Jubilar rund zehn Jahre lang im Rahmen des Bad Aiblinger Bürgerfestes ausrichtete. Dabei handelt es sich um einen Wettlauf, den die Teilnehmer barfuß im Flussbett absolvieren mussten.
Wenn er einen Ausgleich zu den beruflichen Herausforderungen des Alltags oder seinem Engagement für die Musik suchte, schnürte er vor allem in jüngeren Jahren gerne die Wanderschuhe. Über mehrere Jahre verteilt legte er beispielsweise alle Etappen des Jakobsweges zurück. Auch an Fußmärsche, die ihn von Bad Aibling nach Innsbruck oder zum Arlberg führten, erinnert er sich ebenso gerne wie an die Zeit, als der damalige Bolzplatz an der Thürhamer Straße für eine private Runde von Hobbyfußballern jeden Samstag zum Treffpunkt wurde. Hannes Rott, der wegen seiner Laufstärke und seines strammen Torschusses gefürchtet war, durfte da nicht fehlen.
Die Verwurzelung im christlichen Glauben war für das Geburtstagskind stets eine wichtige Säule im Leben. So trat er bereits in jungen Jahren der Bad Aiblinger Kolpingsfamilie bei, die ihn erst kürzlich für seine 65-jährige Mitgliedschaft ehrte. Als früher leidenschaftlicher Skifahrer ist er außerdem Mitglied beim Skiclub und gehört zudem noch dem Trachtenverein Edelweiß sowie dem Rauchclub an.
Wünsche für
die Zukunft
Auf der Bühne steht Hannes Rott schon lange nicht mehr. Wenn ihm danach ist, kommt ihm allerdings noch heute beispielsweise spontan der Beginn einer Arie über die Lippen. Eine Spontanität, die über viele Jahre hinweg nicht zuletzt die Besucher seines Cafés schätzten, wenn er sie bei passender Gelegenheit mal wieder mit einer Gesangseinlage überraschte. Wenn er heute seinen Ehrentag im Kreise der Familie und von Freunden feiert, wird er um einen solchen Auftritt wohl nicht umhinkommen.
Gesund zu bleiben, noch manches Lied singen und hinter der Kuchentheke des Ladens Gäste begrüßen zu dürfen, das sind die größten Wünsche des Geburtstagskindes. Und natürlich ein Ritual zu pflegen, das ihm wichtig ist: die tägliche Lektüre des Mangfall-Boten.