Klinik-Schließung trübt Aussichten

von Redaktion

Die Gäste- und Übernachtungszahlen in Bad Aibling sind 2025 deutlich gestiegen. Während der freie Tourismus boomt, bereitet die Schließung der Rheumaklinik Sorgen für die Zukunft der Kurstadt.

Bad Aibling – Von einem „deutlichen Sprung nach vorne“ sprach Kurdirektor Thomas Jahn, als er in der jüngsten Sitzung des Bad Aiblinger Stadtrates die Entwicklung der Gäste- und Übernachtungszahlen im Jahr 2025 in der Kurstadt präsentierte. 80.692 Besucher, die einen Kurbeitrag bezahlten, wurden 2025 registriert. Im Jahr 2024 waren es 74.203.

Als Zugpferd erwies sich vor allem der freie Tourismus, der Gäste umfasst, die nicht in einer der Kliniken in der Stadt untergebracht sind. Wurden 2024 auf diesem Sektor 69.327 Ankünfte registriert, stieg deren Zahl 2025 auf 75.462. Zum Vergleich: 2018 lag die Zahl der Gäste, die nach Bad Aibling kamen, lediglich bei 36.564. Ein absoluter Minusrekord bei den Ankünften wurde mit 31.696 Gästen im Corona-Jahr 2020 verzeichnet. 3636 davon wurden in der Rheumaklinik der Deutschen Rentenversicherung oder der Wendelstein-Klinik behandelt. „Die Schön-Klinik oder die Fachklinik für Suchtkrankheiten in unserer Stadt fließen in diese Statistik nicht ein“, erläuterte der Kurdirektor dem Gremium.

Gedämpfter Ausblick
und politische Reaktionen

Während die Kurverwaltung auf dem freien Markt eine positive Entwicklung registriert und die Folgen von Corona laut Statistik überwunden sind, gibt der Kliniksektor ein anderes Bild ab. Jahn sprach zwar in diesem Bereich „von einem starken Zeichen in die richtige Richtung“, räumte aber gleichzeitig ein, die Corona-Delle zeige noch Nachwirkungen. Wurden in den Kliniken beispielsweise 2019, dem Jahr vor dem Ausbruch der Pandemie, noch 6.427 Patienten behandelt, lag deren Zahl 2025 erst wieder bei 5.230. „Es geht aufwärts, aber die Statistik weist noch Luft nach oben auf“, sagte der Kurdirektor.

Die von ihm ebenfalls aufgelistete Entwicklung bei den Übernachtungszahlen entspricht einem Spiegelbild der Gästeankünfte. Bei den Übernachtungen zeigt sich ein Aufwärtstrend von 266.401 (2024) auf 288.411 im Jahr 2025.

Wenngleich Jahn auch für das Jahr 2026 von „einer Superentwicklung bis Ende April“ sprach, dämpfte der Kurdirektor allzu großen Optimismus. „Das wird sich ändern“, prophezeite er mit Blick auf die kürzlich erfolgte Schließung der Rheumaklinik in der Ghersburgstraße. „Das trifft uns hart“, sagte Jahn. Nur ein Teil der dort behandelten Patienten könne von der Wendelstein-Klinik aufgefangen werden.

Sorgen bereitet ihm auch die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. „Viele der Menschen, die gerade ihren Job verlieren, sind unser Klientel“, stellte der Kurdirektor fest. Etwas Hoffnung gebe ihm allerdings die Tatsache, dass alle Studien davon ausgingen, dass sich der Tourismus in Deutschland in diesem Jahr positiv entwickeln werde.

Vizebürgermeister Michael Krimplstötter (CSU) nannte die Schließung der Rheumaklinik bedauerlich und bat darum, die Entwicklung der Gästezahlen genau im Auge zu behalten und bei Bedarf mit geeigneten Gegenmaßnahmen zu reagieren. „Es darf bei aller Freude über Erfolge nicht den Bach runtergehen“, meinte Krimplstötter. Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz (FW/ÜWG) konnte ihren Stellvertreter sogleich beruhigen. „Keine Sorge, wir wirken entgegen.“

Für Jahn bedeutet das, am Kurs der Aib-Kur festzuhalten und weiter um Gäste zu werben, „die Ruhe, Erholung und Gesundheit in den Mittelpunkt ihres Urlaubs stellen“. Die erweiterte Produktpalette, die beispielsweise auch „Moor-Kick“ umfasse, habe sich als Erfolgsmodell erwiesen. „Moor-Kick“ kombiniert die traditionelle Aiblinger Moorkur mit moderner Entspannung in der Therme.

„Wir legen unseren besonderen Fokus künftig klar auf den Selbstzahler, nachdem die Kassenleistungen weniger geworden sind. Den müssen wir aktivieren“, zeigte Jahn dem Gremium seine Marschrichtung auf. Alle Bemühungen im Bereich Marketing und Vertrieb seien koordiniert mit Maßnahmen des Bayerischen Heilbäderverbandes. „Dies ist und bleibt unser wichtigster Partner“, bekräftigte der Chef der Aib-Kur GmbH.

Zukünftige Strategie:
Fokus auf Selbstzahler

Eine Erkenntnis bestärkt ihn in der Fokussierung auf Selbstzahler. „Ein Gast, der das Thema Gesundheit als primäres Interesse für seinen Aufenthalt in Bad Aibling angibt, bleibt in der Regel deutlich länger als ein normaler Urlaubsgast“, sagt Jahn. Habe der Aufenthalt Wirkung gezeigt, kämen die Gäste gerne wieder. „Auf diese Art schaffen wir eine starke Stammkunden-Bindung und gleichzeitig eine gute Empfehlungsquote“, so der Kurdirektor.

Der Stadtrat nahm den Bericht zur Kenntnis. Eine Abstimmung war nicht vorgesehen.

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