Krähenplage bringt Lärm und Schmutz

von Redaktion

Bad Aibling kämpft wie jedes Jahr mit einer Saatkrähenplage. Lärm, Kot und Schäden, die sich vom Kurpark auf angrenzende Bereiche ausbreiten, sorgen für große Probleme. Die Stadt prüft verschiedene Maßnahmen, um der Situation Herr zu werden.

Bad Aibling – Vermutlich wird der stellvertretende Ministerpräsident einigen Aiblinger Anwohnern des Kurparkes aus der Seele gesprochen haben. „Die EU will Putin stoppen, sie schafft es aber nicht mal, die Krähen zu stoppen, wenn sie uns auf den Kopf scheißen.“ Besonders treffend, da Hubert Aiwanger diesen überspitzten Satz vor einigen Wochen bei einer Veranstaltung der Freien Wähler im Bad Aiblinger Kurhaus aussprach, direkt am Kurpark, wo das Krähen-Problem seit vielen Jahren in besonderem Maße um sich greift. Wie in der Vergangenheit mehren sich auch heuer die Beschwerden und der Ruf nach Maßnahmen wird lauter.

Kurdirektor Jahn:
„Unerträglicher Zustand“

Die Kurstadt, insbesondere der Kurpark, leidet, wie auch die Jahre zuvor, unter einer massiven Krähenpopulation, die von den Aiblingern meist als echte Plage empfunden wird. Etliche Saatkrähen sorgen dort für ein teils ohrenbetäubendes Balz-Geschrei samt massiver Kot-Verschmutzung. Anwohner und Besucher beklagen die Umstände an jenem Ort, der eigentlich als Ruheoase gedacht ist. Und nicht nur gefühlt spitzt sich die Lage immer mehr zu. So sei der aktuelle Stand beziehungsweise die Entwicklung in diesem Jahr „eine konsequente Fortführung der letzten Jahre“, erklärt Kurdirektor Thomas Jahn auf OVB-Anfrage. Auch heuer sei eine signifikante Zunahme an Vögeln im Kurpark zu verzeichnen. „Doch inzwischen geht den Tieren im Kurpark der Platz aus, sodass sich das Problem auf weitere, angrenzende Bereiche ausweitet“, sagt Jahn. Alle hohen Bäume zwischen Kurpark und Kriegerdenkmal seien mittlerweile mit Nestern besetzt, mit den daraus resultierenden Folgen: Zunahme an Verkotung der Straßen, Bürgersteige, Gebäude, Terrassen oder Fahrzeuge. „Der Lärm hat sich nochmals gesteigert und dauert ohne Pause von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang an“, beklagt der Kurdirektor. Für die Bewohner, aber auch für Menschen, die in diesem Areal arbeiten, sei das ein „unerträglicher Zustand“. Und laut Jahn gehe den Tieren zudem mittlerweile das „normale“ Nistmaterial aus, wodurch die Bäume, aber auch die Wiesen im Kurpark deutlich belastet werden. „Frische Zweige werden abgebrochen, Blätter abgerissen, Löcher in die Wiesen gerissen. Für unsere Besucher ist das weder ein schöner Anblick, noch können sie sich sicher sein, ohne ‚Kot-Treffer‘ durch den Kurpark und die anliegenden Bereiche laufen zu können.“ Auffallend ebenso: Während vor einigen Jahren noch zahlreiche Enten und andere Singvögel im Kurpark unterwegs waren, finden sich dort nun nahezu keine anderen Vögel mehr. Jahn: „Das, was sich hier abspielt, ist vollkommen falscher Natur- und Tierschutz.“ Hier werde eine Tierart unter Naturschutz gestellt und alle anderen Parteien, Mensch und Tier, litten darunter. An einer sinnvollen und vor allem dauerhaften Lösung ist die Stadt Bad Aibling logischerweise seit Langem interessiert. Schließlich gehen auch regelmäßig Beschwerden über Beeinträchtigungen bei der Stadt- und Kurverwaltung ein. „Die Stadt nimmt diese Rückmeldungen sehr ernst und arbeitet weiterhin intensiv an Lösungen“, teilte die Verwaltung kürzlich mit. Derzeit sei etwa das Kriegerdenkmal in der Irlachstraße noch „im Winterschlaf“, um es vor Verkotung der Krähen zu schützen, die darüber in den Bäumen nisten.

Auch den Verantwortlichen der Stadt sei bewusst, dass nicht nur der immense Geräuschpegel, sondern auch die massiven Verschmutzungen zu großer Verärgerung führen. „Die Mitarbeiter des Bauhofs sind sehr bemüht, die Verunreinigungen durch die Tiere – sei es in Grünanlagen, Brunnen und auf Sitzgelegenheiten – auf ein Minimum zu beschränken“, so die Stadt. Allerdings sei es oftmals ein „aussichtsloses Unterfangen“, denn täglich komme es zu neuen Verschmutzungen, insbesondere jetzt während der Mauser, dem Gefiederwechsel der Vögel. Wie schon Ordnungsamtsleiter Martin Haas in der Vergangenheit immer wieder gegenüber dem OVB betonte, beschäftigt sich die Stadtverwaltung bereits seit mehreren Jahren intensiv mit der Thematik und hat in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden wiederholt Maßnahmen geprüft und umgesetzt. „Aufgrund des besonderen Schutzstatus der Tiere sowie der komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen konnten die bisherigen Ansätze jedoch bedauerlicherweise bislang keine dauerhafte und ausreichende Entlastung bewirken“, teilt die Stadt nun mit. Umso wichtiger nehme man den kontinuierlichen Austausch mit den zuständigen Behörden und Fachstellen.

Wie die Stadt
das Problem lösen will

So erarbeite man parallel dazu weitere Maßnahmen und bereite neue Möglichkeiten vor. Eine besondere Hoffnung wird dabei auf ein bereits laufendes Pilotprojekt des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) gesetzt, in welches die Stadt Bad Aibling als Standort aufgenommen wurde. Von den daraus gewonnenen Erkenntnissen verspricht man sich wichtige Impulse für einen künftig wirksameren Umgang mit der Saatkrähenpopulation. Das Projekt erarbeitet ein „Konzept zum Umgang mit Saatkrähenkolonien in Bayern“, was ein friedliches Nebeneinander der geschützten Vögel mit den Menschen ermöglichen soll. Dabei sollen etwa wirklich wirksame Methoden der Vergrämung entstehen, wovon dann auch Bad Aibling profitieren könnte.

Darüber hinaus setzt Bad Aibling auch auf eigene Handlungsmöglichkeiten. Nach fachlicher Beratung absolvieren Mitarbeiter der Stadtverwaltung derzeit eine Ausbildung im Bereich der Falknerei, um eine dauerhafte Vergrämung der Saatkrähen sicherstellen zu können, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Auch der Dialog mit allen Beteiligten soll fortgeführt werden. Deshalb sei die erneute Durchführung eines runden Tisches mit Fachbehörden, Experten und weiteren Beteiligten bereits in Vorbereitung.

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