Bad Feilnbach – Gerade einmal 170 Jahre „jung“ wird in diesem Jahr die Musikkapelle Bad Feilnbach und will diesen stolzen Geburtstag am Freitag, 3. Juli, mit einer besonderen und bunten Jubiläumslichterserenade feiern. Dreh- und Angelpunkt ist der Kurpark in Bad Feilnbach, wo über 1.000 farbenfrohe Lichter und Fackeln während der vielseitigen Darbietungen des Kulturträgers unter dem Wendelstein für eine besonders anmutende Atmosphäre sorgen.
Die Anfänge
im Jahr 1856
Die Hauptrolle spielt ein großes Programm an erlesener Blasmusik aus verschiedenen Stilrichtungen, das Stefan Kirchberger, Leiter der Musikkapelle, zusammengestellt und mit seinen 45 Musikern einstudiert hat. Das Repertoire reicht von flotten böhmisch-mährischen Polkas bis zu stimmungsvollen Arrangements moderner Stücke. Durch das Programm führt Vitus Reger, Vorsitzender des Musikvereins.
Beginn ist um 18.30 Uhr mit Spezialitäten, etwa „Ochsenfetzen-Burger“ vom Grill mit Pommes. Den musikalischen Anfang ab 19 Uhr am Musikpavillon macht der Feilnbacher Nachwuchs, die „Biberl-Musi“, sowie die Gast-Jugendblaskapelle „JUMUS“ aus Winhöring.
Um 20.30 Uhr zieht die Musikkapelle, vorausmarschierend der Trommlerzug, vom Rathaus her in Richtung Musikpavillon ein und startet im Anschluss ihren konzertanten Reigen. Highlights modernerer Art präsentieren „Wastl & Band“. Ab 22.30 Uhr ist eine „After-Show-Party“ mit DJ Lutzenberger angesagt.
Im Jahr 1856 gründeten Johann Kohlbeck, sein Bruder Jakob, Lorenz und Josef Kotter, Johann Gernstl, Alois Moser, Georg Mail, Vinzenz Mair, Georg Grundner und Johann Rambold die Kapelle. Aufzeichnungen zufolge legten einige Musiker weite Wege für Proben und Auftritte zurück. Prägend für sie waren großer Idealismus und Begeisterung für die Musik. Von Vorteil in der Mitte des 19. Jahrhunderts war die steigende Nachfrage nach guter Musik im Lande, womöglich angeregt durch die rasche Verbreitung volkstümlicher Melodien von Wiener Komponisten. Die Feilnbacher Musiker verbrachten kostbare Zeit mit dem Schreiben von Noten. Nach 1870 wurden, als etwas Geld in der Kasse war, erste Partituren beschafft. Notenmaterial brachten auch entlassene Soldaten, die bei Musikkorps der Bayern-Armee gedient hatten, mit in die Heimat unter dem Wendelstein.
Die Musikkapelle, die in den darauffolgenden Jahren auch anspruchsvolle Kompositionen spielen konnte, gewann viele Freunde, Liebhaber und Hörer. Reichlich Lob ernteten die Musiker 1871 anlässlich der Einweihung des Bad Aiblinger Kriegerdenkmals. Beim Musikfest 1925 in Ruhpolding kehrten sie sogar mit einem Siegerpokal zurück und hatten die Ehre, unter anderem ab den 1950er-Jahren auch bei Großveranstaltungen in München aufzutreten.
Gute Dirigenten wie Franz-Xaver Lettenbichler, Johann Rambold, Josef Ficker und dessen Sohn Josef sowie Hans Schweiger aus Dettendorf trugen zum Erfolg der Musikkapelle bei. Ein besonderer Glücksfall war der Musiker Alois Schmidt, der als Heimatvertriebener aus Zuckmandl in das damalige Feilnbach gelangte. In seiner einstigen Heimat an der tschechisch-polnischen Grenze war er Berufsmusiker in der Stadtkapelle und wurde von dem Musiker Bertl Zehetmaier eines Tages zur Musikprobe mitgenommen. Im Jahr 1953 schlug Franz-Xaver Lettenbichler die große Musikpersönlichkeit für das Amt des Dirigenten vor.
Prägende Dirigenten
der Kapelle
In 23 Jahren als Dirigent hat er über 70 Kompositionen, darunter Konzerte, Walzer, Polkas sowie unzählige Märsche, der musikalischen Nachwelt hinterlassen. Seine Werke sind zeitlos und stehen auch bei der Jubiläumslichterserenade auf dem Programm. Ein Hörgenuss pur bei kirchlichen Anlässen, insbesondere Jahrtagen, ist seine „Feilnbacher Jubiläums-Messe“. Die Nachfolge nach seinem Tod am 4. März 1977 trat Hans Reger Senior an. Im Jahr 1994 übernahm sein Sohn Hans Junior den Taktstock vom Vater und leitete bis 2005 und nochmals von 2012 bis 2016 die Kapelle. Seit zehn Jahren zeichnet Stefan Kirchberger für die Qualität und das hohe Niveau der Feilnbacher Musik verantwortlich.