Bad Aibling – Zugegeben: Bei den tropischen Außentemperaturen der vergangenen Tage dürfte die Sehnsucht nach warmen Thermalbecken und heißen Sauna-Landschaften nicht allzu groß gewesen sein. Abgesehen von der jüngsten Hitzewelle gehört die Therme Bad Aibling aber zweifelsfrei zu den touristischen Zugpferden der Kurstadt und genießt weit über die Landkreisgrenzen hinaus große Beliebtheit. Doch genau dieses Image bröckelte zuletzt ein wenig. Schließlich sorgte ein neuer Tageskurbeitrag seit Beginn des Jahres für reichlich Wirbel.
Ein Minus
von elf Prozent
Denn was als Stärkung und Sicherung des Tourismusstandortes gedacht war, könnte negative Auswirkungen mit sich bringen. Wie berichtet erhebt Bad Aibling seit Januar einen Euro Tageskurbeitrag für Auswärtige – etwa beim Besuch der Therme. Auch für den Besuch der Sauna, der Eislaufhalle oder des Aiblinger Freibads müssen Nicht-Aiblinger zusätzlich zum Eintritt diese Gebühr entrichten. Seit Monaten sorgt diese neue Regelung für hitzige Diskussionen, da sich zahlreiche Besucher ungleich, viel mehr ungerecht, behandelt fühlen. Und vergangene Woche bestätigten dann auch noch die Verantwortlichen der Therme, dass die Besucherzahlen seit Einführung des Tageskurbeitrages spürbar zurückgehen.
Werkleiter Stefan Barber sprach von umfangreichen Beschwerden, deren Kern Unverständnis und Entsetzen über die Einführung der zusätzlichen Gebühr seien. Mit der Folge, dass viele bisherige Gäste nun die Therme meiden. So ist im Vergleich zum Vorjahr aktuell ein Minus von elf Prozent zu verzeichnen, was sich freilich auf die Einnahmen und somit auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt, wie Barber gegenüber dem OVB erklärt hatte.
Klar ist, dass die Problematik längst auf dem Schreibtisch der Stadtverwaltung gelandet ist. Dies hatte zuletzt auch Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz auf OVB-Anfrage bestätigt. Jedoch stehe noch nicht fest, inwiefern womöglich Änderungen der vom Stadtrat 2025 beschlossenen Neuregelung in Betracht gezogen werden. Sicher ist nun jedoch, dass sich der Stadtrat zeitnah mit der Frage beschäftigen muss, ob man die umstrittene Ein-Euro-Tagesgebühr für Auswärtige wirklich beibehalten will. Denn wie das OVB nun erfahren hat, hatte die SPD-Stadtratsfraktion bereits Anfang Juni einen „Antrag auf Abschaffung des Tageskurbeitrages“ eingereicht. Behandelt wurde dieser in der jüngsten Stadtratssitzung Ende Juni zwar noch nicht. Doch das Gremium muss sich in einer der kommenden Sitzungen damit beschäftigen.
Im Antrag spricht sich die SPD für eine „baldmögliche Abschaffung“ aus und begründet dies mit dem „erheblichen Besucherrückgang“ der Therme. Die SPD bezieht sich im Antrag auch auf den Werkleiter, der die Entwicklung als erfolgsgefährdend eingestuft habe. Laut SPD-Fraktion sind nicht nur in der Therme Umsatz- und Gewinnverluste zu verzeichnen. Auch die „Beautykuppel“, die Thermengastronomie sowie die Freibäder seien betroffen. „Insgesamt wird mit einem Verlust bis Ende des Jahres in Höhe von einer Million Euro gerechnet“, heißt es im Stadtratsantrag.
„Gereizte Stimmung“
bei den Besuchern
Darin sorgt man sich auch um mögliche Rückgänge beim Fremdenverkehr, da die Stadtwerke fremdenverkehrsbeitragspflichtig sind. Auch könne die „gereizte Stimmung“ der Thermenbesucher dazu führen, dass lokale Gastronomie und Einzelhandel unter den Folgen leiden. Überdies, so die SPD, könne die Erhebung von Tageskurbeiträgen durch Strandbäder an Ost- und Nordsee nicht mit Bad Aibling verglichen werden. Gerade weil Nachbarorte wie Bad Endorf, Prien und Bad Reichenhall mit einer vergleichbaren Erholungseinrichtung eben keinen Tageskurbeitrag erheben. Mit diesen und weiteren Punkten wird sich der Bad Aiblinger Stadtrat also zeitnah befassen und über die Zukunft der Ein-Euro-Gebühr in Bad Aibling entscheiden.