Schönau – Das 300-jährige Bestehen der Pfarrkirche Schönau war für die Pfarrgemeinde ein guter Anlass, zurückzublicken – weit zurückzublicken. Eine kleine Ausstellung in der Mehrzweckhalle machte die lange Geschichte der Pfarrei mit Bildern, historischen Dokumenten und zahlreichen Informationen lebendig.
Mit Fotos und vielen Fakten aus geschichtlichen Nachweisen, aber auch mit Aufstellungen wie der Auflistung aller Pfarrer, die in Schönau aktiv waren, ließen sie die Vergangenheit noch einmal erleuchten. Auch die jüngere Vergangenheit nahm in der Ausstellung breiten Raum ein.
Kriegsfolgen
und neue Glocken
Der Ostermünchner Stefan Brumbauer steuerte zudem zahlreiche historische Postkarten aus seiner umfangreichen Sammlung bei. Dadurch konnten die Besucher viele Ansichten aus vergangenen Jahrzehnten wiederentdecken.
Dabei war nicht nur vom ersten Hinweis auf die Errichtung einer Pfarrei im Jahr 846 die Rede, sondern auch vieles aus dem vergangenen Jahrhundert, an das sich viele noch erinnern. So zogen im Ersten Weltkrieg 265 Schönauer aus der Pfarrei in den Krieg, 52 davon sind leider gefallen.
Auch die vier damaligen Glocken mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden. Das Gleiche geschah im Zweiten Weltkrieg wieder. Im Jahr 1953 wurden dann mit einer Sammlung von 18.800 Mark zwei Stahlglocken von der Glockengießerei Czudnochowsky in Erding gekauft. Die Inschrift der Sankt-Johannes-Glocke lautete: „Wenn ich ertöne – denkt Eurer Söhne – die Blut und Leben für Euch gegeben – Hl. Kirchenpatron beschütze deine Gemeinde – und führe heim die Vermissten und Gefangenen.“
Weiter ging es 1953 mit dem Bau des Leichenhauses und 1961 mit der Renovierung des Turms. In den Jahren 1972 und 1973 wurde eine Heizung eingebaut und 1975 die Kirche innen und außen renoviert.
Besonders interessant war auch die Auflistung der Geistlichen, die im Laufe der Jahrhunderte in Schönau tätig waren. Die Namen reichen bis ins Mittelalter zurück. Bereits um 1200 wird ein Pfarrer namens Gotpold genannt, gefolgt von Ulrich, der von 1244 bis 1250 wirkte, und Ott, dessen Amtszeit von 1335 bis 1362 dauerte. Aus den Jahren 1395 bis 1399 ist Seyfried Hegner als Pfarrer von Schönau überliefert. Nach seinem Tod wurde die Pfarrei dem Kloster Beyharting einverleibt. Sein Grabstein befindet sich noch heute in der Schönauer Pfarrkirche.
Im Wandel
der Jahrhunderte
Jeder erinnert sich gerne auch an die aktuellen Geistlichen der vergangenen Jahre: Ivan Dagelic (1993 bis 2004), Amith Sinha Roy (2004 bis 2020), Bruno Bibinger, Pfarrvikar (2017 bis 2020), Josef Hilger, Diakon (2004 bis 2026) und Richard Basta seit 2020. Wer aber kennt noch Ludwig Axenböck, der von 1933 bis 1948 Pfarrer war, oder Ignaz Ranner, der von 1954 bis 1961 in Schönau war?
Die Ausstellung zeigte damit eindrucksvoll, dass Kirchengeschichte weit mehr ist als eine Reihe von Jahreszahlen und Namen. Sie erzählt von Menschen, von Kriegszeiten und Neubeginn, von Veränderungen und vom Glauben über Generationen hinweg. So wurde die mehr als 1.100-jährige Geschichte der Pfarrei Schönau für die Besucher wieder ein Stück lebendig.