Höhenkirchen – Mitten im Wald von Höhenkirchen (Landkreis München) spielen sich eigentümliche Szenen ab: Lastwagen nach Lastwagen biegt von der Staatsstraße bei Grasbrunn in ein kahl geschlagenes Gebiet ein, auf dem sich bereits rund 10 000 Festmeter geschlagener Baumstämme auftürmen. Sie werden aus großen Wasserfontänen besprengt. Das neue Nasslager der Bayerischen Staatsforsten ist eine innovative Maßnahme gegen holzwirtschaftliche Verluste aus dem massiven Borkenkäferbefall und den Sturmschäden in den Münchner und Schlierseer Wäldern.
An insgesamt sechs neuen Standorten in Südbayern testet der Staatsforstbetrieb, wie sich die Nasslagerung der von Borkenkäfern befallenen Hölzer auf die Entwicklung der Insekten auswirkt. „Die Hoffnung ist, dass der Käfer in allen seinen Lebensphasen verpilzt und abstirbt, sicher ist das aber nur für alle Stadien vor dem erwachsenen Käfer. Wir hoffen, dass sich das auch auf ihn auswirkt“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer. Das neue Nasslager soll dabei drei Ziele erfüllen:
-Das Waldschutzziel:
Das von Borkenkäfern befallene Holz soll möglichst schnell aus dem Wald herausgeholt werden können, um den Restbestand zu schützen.
-Der Qualitätserhalt:
Es gibt einen großen Unterschied zwischen „verblautem“, trocken gelagertem Holz und sogenanntem weißem, nass gelagertem Holz, bei dem die volle Qualität erhalten bleibt. Der Unterschied im Verkaufspreis liegt bei 80 Euro pro Festmeter für weißes und rund 50 Euro für verblautes Holz.
-Die Marktentlastung:
„Wir sind einer der größten Forstbetriebe Europas, da spielt es schon eine Rolle, wie wir uns verhalten“ sagt Wilhelm Seerieder, der Leiter des Staatsforstbetriebs München. „Die Märkte sind durch Kalamitäten wie die rasante Entwicklung der Borkenkäferpopulation und ein Sturmereignis übersättigt. Da sind die privaten Leute besser dran, wenn wir als großer Forstbetrieb unsere Hölzer erst mal konservieren. Das ist sinnvoller, als den Markt weiter zu torpedieren.“
Am neuen Standort Höhenkirchen, der ursprünglich für die Lagerung von Sturmholz geplant wurde, können ab sofort 22 000 Festmeter Holz nass gelagert werden. Bisher ist etwa die Hälfte des Platzes belegt, jeden Tag liefern rund 50 Lkw weitere 1000 Festmeter Holz aus dem gesamten Staatsforstbetrieb München und Schliersee an. Einzige Ausnahme: Die Baumstämme aus den westlich gelegenen Wäldern werden ins näher gelegene Lager in Landsberg gebracht.
Rund zwei Jahre hat es gedauert, alle Genehmigungen und Gutachten für das Nasslager Höhenkirchen erstellen zu lassen. Dabei bietet die Lage laut Seerieder neben der Logistik „optimale Voraussetzungen“, vor allem in Hinblick auf den Umweltschutz. Dieser war ein Kernthema bei der Genehmigung und Auswahl des Platzes, vor allem wegen der Besprengung mit Wasser: Zwischen 17 und sechs Uhr werden bei voll ausgelastetem Lager 90 Liter pro Sekunde versprengt, um das Holz nass zu halten. Es versickert und wird so wieder dem Grundwasser zugeführt. Dabei werden zwar Gerbstoffe ausgeschwemmt, aber die ca. 20 Meter dicke Schotterschicht, die sich unter dem Lager befindet, filtert sie heraus, so gelangt nichts ins Grundwasser. „Wichtig ist, dass sich der Grundwasserspiegel nicht wesentlich verändert“, erklärt Vorstand Martin Neumeyer.
Je nachdem, welche Erfahrungen die Staatsforsten mit den neuen Nasslagern für Borkenkäfer-Schadholz sammeln, beschreibt Neumeyer das Ganze als „ein Modell für die Zukunft“. Und das Lager Höhenkirchen wird dann nicht nur für den Freistaat Bayern interessant sein: „Die Einlagerung soll dann auch für Privatleute angeboten werden. Da gibt es bereits Gespräche.“