Stromaggregat in Hütte löste Katastrophe aus

Sechs tote Teenager: Anklage gegen Vater

von Redaktion

Arnstein – Vor sieben Monaten fand der Fuhr-Unternehmer Andreas P. im unterfränkischen Arnstein zwei seiner eigenen Kinder und vier ihrer Freunde tot in seiner Gartenhütte – und nun drohen dem 52-jährigen Vater deshalb auch noch bis zu fünf Jahre Haft.

P. hatte nach den Ermittlungen der Polizei ein benzinbetriebenes Notstromaggregat in einem Nebenraum der Hütte aufgestellt und selbst ans Stromnetz angeschlossen, als seine Tochter Rebecca am 28. Januar ihren 18. Geburtstag feiern wollte. Unbemerkt von den sechs Feiernden hatte sich das geruchslose Kohlenmonoxid im Laufe des Abends im ganzen Haus ausgebreitet und die Teenager vergiftet. „Über längere Zeit eingeatmet verhindert Kohlenmonoxid die Sauerstoffaufnahme im Blut und führt über eine eintretende Bewusstlosigkeit schleichend zum Tod“, sagt Polizeisprecher Michael Zimmer.

Andreas P. hatte sich am Sonntagmorgen gewundert, warum er von seinen Kindern nichts hörte und weder Rebecca noch Florian (19) ans Handy gingen. Als er nachsah, fand er sie tot in der Gartenhütte. Es war nicht die erste Tragödie in seinem Leben: Sein 7. Kind war 2005 tot zur Welt gekommen.

Zunächst hatte die Kripo vermutet, dass die jungen Leute durch einen Defekt am Holzofen umgekommen waren – in der Unglücksnacht herrschten Temperaturen um die elf Grad. Doch dann entdeckten die Beamten den Benzingenerator, der vom Hersteller ausdrücklich nicht für den Betrieb in geschlossenen Räumen zugelassen war.

In ähnlich tragischen Fällen, in denen Eltern durch Unachtsamkeit den Tod ihrer eigenen Kinder verursacht hatten, verzichteten Ankläger in der Vergangenheit auf eine Strafverfolgung. Die Begründung: Die Angehörigen seien gestraft genug. Dies kam im Fall Arnstein offenbar nicht in Betracht, auch wenn sich die Staatsanwaltschaft Würzburg die Entscheidung nach Informationen der „tz“ nicht leicht machte: Neben Andreas P.s eigenen Kindern kamen schließlich auch Rebeccas Freunde René (19), Felix (19), Michael (18) und Kevin (19) ums Leben. Ihre Familien lassen sich anwaltlich vertreten und fordern nun Aufklärung über die Umstände des Todes ihrer Kinder. Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen wirft P. vor, er hätte das Unglück vorhersehen und vermeiden können, hätte er die Herstellerhinweise zur Aufstellung des Generators beachtet. Der Vater muss sich nun wegen fahrlässiger Tötung in sechs Fällen vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Ein Termin für das Verfahren steht noch nicht fest.  mm/tz

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