München/Bonn – „Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger, den politischen Weg unseres Landes aktiv mitzugestalten“, appellierten gestern der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in einem ökumenischen Aufruf zur Bundestagswahl.
Je höher die Wahlbeteiligung ausfalle, desto stabiler sei das Mandat der Abgeordneten. Sie stünden vor großen Aufgaben, schreiben die Bischöfe: „Es gilt, Freiheit und Frieden, Wohlstand, Zusammenhalt und Vielfalt zu bewahren und gleichzeitig der weltweiten Verantwortung unseres Landes gerecht zu werden.“ Die Bischöfe erinnern an die Flüchtlinge, die Deutschland „bunter und vielfältiger“ machten, aber auch Herausforderungen mit sich brächten. „Denn umso dringlicher stellt sich die Frage nach dem, was unsere Gesellschaft zusammenhält.“
Den Zusammenhalt zu stärken, bedeute auch, niemanden auszugrenzen. „Unser Land muss weltoffen bleiben und weiter Verantwortung übernehmen für die Schwächsten und Verwundbarsten“, betonen die Bischöfe. In den vergangenen Jahren habe man erlebt, wie um die Fragen von Globalisierung, Zuwanderung und Gerechtigkeit erbittert gestritten wurde. „Neue politische Kräfte haben sich etabliert. Manchmal stehen sich Standpunkte unversöhnlich gegenüber. Von den Hasskommentaren im Internet bis zur Ausübung von physischer Gewalt ist der Weg manchmal nicht weit“, warnen die Kirchenführer. Daher machen sie deutlich: „Wir fordern alle, die sich an politischen Debatten beteiligen, dazu auf, dies hörbereit und respektvoll, friedlich und gewaltfrei zu tun.“
Klar bekennen sie sich zur europäischen Einigung, die „als kostbares Gut bewahrt und mit neuer Dynamik fortgeführt werden müsse“. Man verkenne nicht die komplexen Herausforderungen in Europa – etwa in der Ausgestaltung der Währungsunion oder der fairen Lastenverteilung im Umgang mit den Flüchtlingen. Aber: Ein Rückfall in nationalen Egoismus sei keine Alternative. Durch die Teilnahme an der Wahl sollen die Bürger die Demokratie stärken. dpa/cm