Soforthilfe für Niederbayern

100 Millionen Euro für Sturmopfer

von Redaktion

von Josef Ametsbichler

München/Passau/Freyung – Am Abend kam der Sturm, nach zwanzig Minuten war er wieder fort. Doch Windböen mit teils mehr als 200 km/h, Orkanstärke, warfen in der Nacht zum 19. August in Bayern mehr als zwei Millionen Festmeter Sturmholz. Im am stärksten betroffenen Landkreis Passau beschädigte das Unwetter mehr als zwei Drittel der Waldfläche. Auch der benachbarte Kreis Freyung-Grafenau ist schwer betroffen.

Für die niederbayerischen Forstbesitzer, die nun vor den geknickten und entwurzelten Resten ihrer Existenz stehen, hat die Staatsregierung in ihrer gestrigen Ministerratssitzung 100 Millionen Euro Soforthilfe beschlossen. „Unser Wald ist schwer verwundet“, sagte Forstminister Helmut Brunner (CSU). Es brauche ein „wuchtiges Förderprogramm“, um den Waldbesitzern und anderen Geschädigten schnell zu helfen. Teil dieses Programms sind Räumungszuschüsse von bis zu 6000 Euro pro Hektar, damit das Schadholz schnell aufgearbeitet und so die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers verhindert wird. Weiter sollen zinslose Kredite, steuerliche Vergünstigungen und bis zu 90 Prozent Zuschüsse für Wege- und Holzlagerbau die betroffenen Forstwirte entlasten. Auch für die geforderte Tonnage-Erhöhung für Lkw auf bis zu 44 Tonnen sowie die Aufhebung zeitlicher Fahrverbote gab das Kabinett grünes Licht. Für die Wiederaufforstung der Schadflächen sind im Nachtragshaushalt 2018 zusätzliche Mittel geplant.

Geschädigte Kommunen sollen über den kommunalen Finanzausgleich, betroffene Privathaushalte über den bestehenden Härtefonds Hilfe erhalten – letztere aber richtliniengemäß „nur bei Existenzgefährdung und in außergewöhnlichen Notlagen“, wie Staatsminister Marcel Huber (CSU) betonte. Für sturmgebeutelte Unternehmen kündigte der Ministerrat Sonderregelungen bei Krediten an.

Die Landräte aus Passau und Freyung-Grafenau, Franz Meyer und Sebastian Gruber (beide CSU), zeigten sich dankbar über den Beschluss der Staatsregierung. Sie habe „Wort gehalten“, an der Hilfe aus Steuergeldern zeige sich „die Solidarität des Staats“, so Meyer.

Damit die bayerischen Wälder künftig besser auf vergleichbare Unwetter und den Klimawandel eingestellt sind, kündigte Forstminister Brunner neben der Soforthilfe für Niederbayern eine „Offensive Waldumbau“ an: 20 Millionen Euro jährlich sowie 20 neue Planstellen in den staatlichen Forstbetrieben sollen die Umwandlung privater und öffentlicher Wälder von reinen Nadelholz- in stabile Mischwaldbestände vorantreiben – bis 2030 auf einer Fläche von 200 000 Hektar.

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