München – Für diesen freudigen Anlass hat Eric Toft seine Lederhosen ausgepackt. Der US-Amerikaner lebt seit 1987 in Deutschland – und seit 19 Jahren ist er Braumeister bei der Landbrauerei Schönram im Kreis Traunstein. Gestern wurde seine Brauerei bei der Verleihung des European Beer Star auf der Drinktec-Messe für ihre herausragenden Biere ausgezeichnet.
In insgesamt 60 Kategorien vom „South German Style Hefeweizen-Hell“ bis zum „Belgian-Style Fruit Sour Beer“ vergab der Verband der Privaten Brauereien je einen Medaillensatz. Und auch, wenn die eingereichten Biere immer internationaler werden – die deutschen Brauer stehen mit 67 Medaillen im Spiegel noch immer ganz oben. Mit dreimal Gold und einmal Bronze haben Eric Toft und die Landbrauerei Schönram die meisten Einzelmedaillen abgestaubt.
Als „Hopfenfetischist“ bezeichnet sich der 52-Jährige, weil er auf der Suche nach dem besonderen Aroma so viel Zeit in den Hopfengärten verbringt. Dabei hat er eigentlich in Colorado Geophysik studiert. Aber als er bemerkte, dass es dafür hauptsächlich Jobs in großen Ölkonzernen im Nahen Osten gab, sattelte er um und machte sein Hobby zum Beruf. Sein Ziel: Eine eigene Brauerei. Aber wo lernt man das Brauen? „Natürlich in Bayern, wo sonst?“
Also zog er nach Deutschland, landete erst in Ulm, dann in Weihenstephan und schließlich als Braumeister in Schönram. „Eigentlich wollte ich nur Erfahrungen sammeln, bevor ich zurück in die USA gehe“, sagt er mit erkennbar bairischer Sprachfärbung. Nach 19 Jahren sammelt er also immer noch.
Als besonders gelungen empfanden die 133 Blindverkoster der Jury zum Beispiel das Schönramer Hell. Der frische Duft mit einem Hauch von Hopfen schmeichle der Nase, jubilierte ein Schweizer Juror. Aber auch andere Brauereien aus der Region konnten überzeugen. Riegele aus Augsburg holte mit einem hellen Doppelbock Gold. Genau wie die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan mit ihrem „Vitus“, einem hellen Weizenbock. Und die Brauerei Aying gewann nicht nur Gold in der Kategorie bernsteinfarbene Weißbiere, sondern punktete auch bei den Messebesuchern, die im „Place to Beer“ (ja, der heißt wirklich so) unter den Siegerbieren noch einmal einen Publikumssieger küren durften.
Eric Toft fährt zufrieden zurück in den Chiemgau. Und auch, wenn aus dem Traum von der eigenen Brauerei in den Staaten noch nichts geworden ist, hat er die amerikanische Brauerszene fest im Blick. Nach den Experimenten der US-Brauer mit exotischen Biersorten stellt er fest, dass viele jetzt eine andere Richtung einschlagen. „Auf einmal wollen alle wissen, wie man ein gutes Helles braut.“ Da müssen sie nur ihren Landsmann fragen. DOminik Göttler