Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Die Vorwürfe gegen die Regierung von Oberbayern wiegen schwer: Die Caritas, die für die Sozialbetreuung der Asylbewerber in der Gemeinschaftsunterkunft in Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Kreis München) zuständig ist, sagt, dass es seit längerem Ärger mit einem Bewohner gebe. Dieser schleuse regelmäßig Asylbewerber aus anderen Landkreisen in sein Zimmer, die als sogenannte „Fremdschläfer“ auch über Nacht im Haus blieben. Das widerspricht nicht nur der Hausordnung, sondern stört auch die anderen, rund 110 Bewohner im Haus, darunter viele Familien mit Kindern.
„Dass es ein Problem mit einem Bewohner gibt, haben wir der Regierung von Oberbayern immer wieder mitgeteilt, zuletzt bei unserem Quartalstreffen im Juli“, sagt die Caritas-Kreisgeschäftsführerin Gabriele Stark-Angermeier. „Wir wollten, dass er verlegt wird.“ Die Besuche sorgten für viel Unruhe im Haus. Doch lange Zeit geschah nichts.
Belegt ist: Der 27-jährige Afghane aus Großkarolinenfeld (Kreis Rosenheim), der sich am vergangenen Freitag an der 16-Jährigen verging, war schon vor einer Woche in Höhenkirchen auffällig geworden. Am 7. September griff ihn die Polizei in der Altlaufstraße wegen Sachbeschädigung auf. Da er sich auf der Dienststelle aggressiv verhielt, verbrachte er eine Nacht in Haft.
Höhenkirchens Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) hatte angesichts des schockierenden Vorfalls kritisiert, dass die Gemeinschaftsunterkunft in unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof nicht besser kontrolliert beziehungsweise bewacht wird. In der zweiten Flüchtlingsunterkunft an der Ottobrunner Straße in Höhenkirchen, einer Einrichtung des Landkreises München, gebe es einen Wachdienst.
Gestern nun teilte Mayer auf Nachfrage mit, dass die Regierung in einem Telefonat konkrete Schritte angekündigt hat: Es soll eine „anlassbezogene Prüfung für die Einrichtung eines Security-Dienstes geben“; die lange Zeit vakante oder nur intern vertretene Verwaltungsstelle (Hausmeisterstelle) wird neu besetzt. Und: „Der Unruhestifter im Haus“, auf den die Caritas-Sozialberatung mehrfach hingewiesen hat, „wird verlegt“.
Im Ort selbst ist die Fassungslosigkeit auch vier Tage nach der Tat groß. Ob mehr Security an einem Vorfall wie diesem etwas ändern könne, bezweifeln viele Bürger. Die örtliche Polizei zeigt verstärkt Präsenz und sucht das Gespräch.
Das Polizeipräsidium in München gab gestern einige zusätzliche Details bekannt. Bei dem 16-jährigen Opfer, das von zwei Afghanen (27, 17) vergewaltigt worden war, handelt es sich um eine Deutsch-Italienerin. Sie wurde am Freitag nach der Tat ihrer Mutter übergeben. Laut Polizei soll das Mädchen schon im Vorfeld Kontakt in die Gemeinschaftsunterkunft in Höhenkirchen gehabt haben.