DISKUSSION UM SICHERHEITSWACHT

von Redaktion

München/Schongau – Manfred W. sieht die Diskussion um die Sicherheitswacht in Bayern relativ entspannt. Reizgas habe er bei seinen Streifengängen in Schongau noch nie benötigt, sagt der ehemalige Soldat, der das für acht Euro Aufwandsentschädigung pro Stunde macht. „Es ist eigentlich ruhig.“ Ab und zu mal ein Trinkgelage auf einem Spielplatz, das er zusammen mit seiner Kollegin Heidi S. unterbinden muss. Und einmal haben sie, in einer Tiefgarage, auch einen zur Fahndung ausgeschriebenen Straftäter gestellt. Gefährlich war das nicht, erzählt W. – der Mann lag im Vollrausch darnieder.

Schongau ist nur ein Beispiel – Sicherheitswachten gibt es derzeit in 131 der 2056 Gemeinden und Städten in Bayern. Nach Meinung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) könnten es ruhig einige mehr werden. Bis 2020 sollen die Zahl der Mitglieder von derzeit 870 auf 1500 erhöht werden, gab er als Zielmarke gestern im Innenministerium aus. Dort trafen sich knapp 200 der ehrenamtlichen Streifen zu einer Landeskonferenz und hörten viele warme Worte vom Innenminister. Ihr Engagement begegne einer „Unkultur des Wegschauens“, das sich in der Gesellschaft breitmache. Sie erhöhten das Sicherheitsgefühl und seien „weder Hilfspolizei noch Bürgerwehr“.

Alle Kommunen ermunterte der Innenminister, sich die Gründung einer Sicherheitswacht zu überlegen. Allerdings dürfte der Appell nicht überall fruchten. Viele Gemeinden lehnen die Wacht ab. In Geretsried beispielsweise hat der Stadtrat erst kürzlich gegen die Gründung einer Sicherheitswacht gestimmt. Die personelle Aufstockung der Polizei sei wichtiger, als solche „Hilfssheriffs“, hieß es. Im Nachbarort Wolfratshausen hingegen soll die Wacht kommen. In diesem Jahr sind zudem Wachten in Traunstein, Waldkraiburg und München-Sendling errichtet worden, sagte Herrmann. Er wies darauf hin, dass Bayern die Gründung von Wehren erleichtere. So ist das Höchstalter für den Streifendienst von 65 auf 67 heraufgesetzt worden. Die monatliche Mindesteinsatzzeit ist jetzt kürzer – fünf Stunden statt wie früher 15.

Diese Dienstzeit erreicht Manfred W. in der Regel schon an einem Wochenende. Klar, dass W. seine Tätigkeit sinnvoll findet. „Wir gehen in die Örtlichkeiten, für die die Polizei oft keine Zeit hat“, Tiefgaragen oder andere dunkle Ecken etwa. Allerdings gebe es bei der Schongauer Polizei auch Stimmen, die die Wacht negativ beurteilten. Das liege aber wohl an der Gewerkschaft.  dw

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