-Vier Landrats-Posten stehen zur Wahl. Während im Landkreis Regen ein Nachfolger für Michael Adam gesucht wird (siehe unten), hofft im oberfränkischen Lichtenfels der frühere CSU-Landtagsabgeordnete Christian Meißner auf eine zweite Amtszeit. Gegen ihn treten ein SPD-Mann und eine AfD-Kandidatin an. Im Kreis Roth ist Amtsinhaber Herbert Eckstein (SPD) einziger Landratskandidat, ebenso im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen Landrat Gerhard Wägemann (CSU). Eckstein ist seit 24 Jahren im Amt, Wägmann seit sechs Jahren. Für beide wäre es aufgrund des Alters – Eckstein ist 61, Wägmann 64 – die letzte Amtsperiode.
-In 16 zumeist kleinen Gemeinden gibt es am Sonntag Bürgermeisterwahlen, vier davon finden in Oberbayern statt. In Erdweg (Kreis Dachau) treten drei Kandidaten an, die die Nachfolge des überraschend verstorbenen Rathauschefs Georg Osterauer antreten wollen. Neben Christian Blatt (CSU) und Rolf Blaas (Freie Wähler) rechnet sich auch der gebürtige Kameruner Joseph Ndogmo als Kandidat einer parteifreien Gruppierung Chancen aus. Er ist Gemeinderat und Akademischer Oberrat für Metallbau an der TU München und lebt seit fünf Jahren in Erdweg.
In Höslwang (Kreis Rosenheim) war vor Kurzem der Bürgermeister Josef Eisner verstorben. Einziger offizieller Kandidat und einstimmig nominiert wurde Matthias Maier von der Einheitsliste „CSU/Parteifreie Bürger“. Dann aber rebellierte der Landwirt Josef Heinrichsberger – er will nun ebenfalls Bürgermeister werden und wirbt offensiv für sich. Damit ist er nicht ganz chancenlos. Die 1007 Wahlberechtigten finden ihn zwar nicht auf dem Stimmzettel, sie können ihn aber handschriftlich wählen, wenn sie Vor- und Zuname und den Beruf richtig dazuschreiben. Das ist nach Paragraph 77 der „Wahlordnung für die Gemeinde- und die Landkreiswahlen“ erlaubt.
Gewählt wird unter anderem auch in Feichten a.d. Alz und Winhöring (beide Kreis Altötting). Gewisse überörtliche Beachtung verdient die Wahl in Neumarkt/Oberpfalz, wo es der seit zwölf Jahren amtierende Oberbürgermeister Thomas Thumann (Freie Wähler) mit zwei Gegenkandidaten zu tun hat.
-24 Kommunen nutzen die Chance, um am Tag der Bundestagswahl gleichzeitig über kommunale Streitpunkte abzustimmen – so ist für die Ratsbegehren und Bürgerentscheide eine hohe Wahlbeteiligung garantiert. In Landshut steht am Sonntag die seit Jahrzehnten umstrittene Westanbindung zur Abstimmung, in Wilhermsdorf (Kreis Fürth) der Erhalt des Hallenbads und im Markt Großheubach in Unterfranken der Bau von Windkraftanlagen, über die im Ort mit harten Bandagen gestritten wird. Die Mehrheit im Gemeinderat ist gegen die Anlagen – „Lassen Sie nicht zu, dass unser Landschaftsbild von Windgiganten geprägt wird, die höher sind als der Kölner Dom“, hieß es im Wahlaufruf.
In Anzing (Kreis Ebersberg) zum Beispiel geht es um Ausweisung von Gewerbeflächen – unter anderem will ein Lidl-Discounter auf eine landwirtschaftliche Fläche umsiedeln. Ein ähnliches Thema – die Ansiedlung eines Supermarktes – bewegt auch die Bürger in Rottenbuch (Kreis Weilheim-Schongau). In Bischofswiesen (Kreis Berchtesgadener Land) stimmen die Bürger über den Abriss ihres Rathauses und den Bau eines neuen Bürgerzentrums ab. In Rudelzhausen am Nordrand des Landkreises Freising geht es um Pro oder contra einer Ortsumfahrung – die bisherige B 301 führt mitten durch den Ort.
In Farchant (Kreis Garmisch-Partenkirchen) ist wie schon 2009 die Ansiedlung eines großen Sporthotels unweit der Kuhfluchtwasserfälle Streitpunkt eines Bürgerentscheids. 2009 scheiterte der Hotel-Plan, jetzt gibt es einen neuen Anlauf. Die Initiatoren halten den Bau des Explorer-Hotels für nicht verträglich mit der Entwicklung des Dorfes. Übrigens dürfen beim Bürgerentscheid mehr Einwohner mitmachen als bei der Bundestagswahl – stimmberechtigt bei Ortsangelegenheiten sind nämlich auch EU-Bürger.
In Kirchheim (Kreis München) geht’s gleich um einen ganzen Ortsteil und exemplarisch um die hochaktuelle Frage, wie viel Wachstum eine ursprünglich ländliche Gemeinde im Speckgürtel von München verträgt: „Kirchheim 2030“ nennt sich das Strukturkonzept, über das am Sonntag abgestimmt wird. Wohnungen, Gymnasium, Rathaus, ein Park – all das soll neu entstehen, wenn es nach Bürgermeister Maximilian Böltl geht. Kritiker befürchten indes, dass im Ort dann bald 20 000 statt wie bisher 13 000 Einwohner leben würden. Der Ausgang der Abstimmung gilt als offen. Klar ist, dass das neue Gymnasium auch dann kommt, wenn „2030“ scheitert – nur eben später, sagt der Bürgermeister.
Mehr eine Geschmacksfrage ist der Bürgerentscheid im Kurort Bad Kohlgrub (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Dort soll das Haus des Gastes eine Fassade mit Holzschindeln bekommen, wogegen eine Gruppe junger Einwohner zu Felde zieht. Ihr Argument: Schindeln „werden irgendwann grau“ – daher wird abgestimmt. dirk walter