Niederländer stirbt in Lawine

Tourist stürzt vor den Augen der Eltern in den Tod

von Redaktion

Von Sabine Dobel

Berchtesgaden – Vor den Augen seiner Familie ist ein junger Mann im Berchtesgadener Land von einer Lawine in den Tod gerissen worden. Der 24 Jahre alte Niederländer war mit seinen Eltern und seinem Bruder unterwegs, als sich am Donnerstagnachmittag Schneemassen lösten und ihn in die Tiefe rissen. Der Mann stürzte in felsigem Gelände ab und war sofort tot.

Seine Angehörigen konnten erst rund zwei Stunden später – so gegen 18 Uhr – einen Notruf absetzen, da sie keinen Empfang hatten. Sie wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut. „Es ist ein Riesenunglücksfall“, sagte Jörg Fegg, Bergführer und Polizeibeamter bei der Polizei-Inspektion Berchtesgaden.

Die vierköpfige Familie aus den Niederlanden hatte Urlaub im Chiemgau gemacht. Sie wanderte am Nachmittag auf etwa 1650 Metern Höhe im deutsch-österreichischen Grenzgebiet, als sich oberhalb Schnee löste, etwa dreißig Meter abrutschte und den 24-Jährigen erfasste (wir berichteten in einem Teil unserer Zeitung). Die Eltern und der 25 Jahre alte Bruder stiegen zu ihm ab, konnten aber nichts mehr für ihn tun. „Der Schnee ist wie Beton“, sagte Fegg. Wer hineingerät, hat kaum eine Chance.

Die schwer zugängliche Unglücksstelle liegt im Landtal. Die Polizei konnte das Gelände hinter dem Königssee nur per Helikopter erreichen. Mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Sie holten auch die leicht unterkühlten und unter Schock stehenden Angehörigen aus dem Gelände.

In den Berchtesgadener Alpen war zuletzt bis zu einem halben Meter Schnee gefallen. Schneefälle sind in den Bergen zu dieser Zeit nichts Außergewöhnliches. „Ende September muss man mit Schnee rechnen“, sagte Fegg.

Der neue Schnee ist nicht mit dem Boden verbunden und rutscht auf dem Gras leicht ab. Durch die Sonneneinstrahlung und den Temperturanstieg am Nachmittag war es im gesamten Gebiet der Gotzenalm zu zahlreichen Nassschnee-Rutschen gekommen, wobei der schwere Schnee auf dem steilen Grasuntergrund ohne Haftung abglitt. „Der Schnee entwickelt aufgrund seiner Masse eine unbändige Kraft“, sagt Polizeisprecher Fabian Bernhardt vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. „Wanderungen sollten mit Bedacht und Vorsicht angegangen werden.“ Der Lawinenwarndienst hatte am Vortag eine Mitteilung herausgegeben und insbesondere fürs Berchtesgadener Land gewarnt.

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