München – Die SPD im absoluten Jammertal mit nur zwei Stimmen, die FDP im Stil einer Volkspartei, Grünen-Erfolge, eine Hochburg der Linken und viele für die AfD – wir geben einen Überblick über Tops und Flops der Parteien in Bayern.
Ihr schlechtestes Zweitstimmenergebnis erzielte die CSU im Wahlkreis Nürnberg-Nord (27,6 Prozent). Die meisten Zweitstimmen holte sie im Wahlkreis Traunstein (44,6 Prozent). Obwohl sie alle Direktmandate holte, verzeichnete die erfolgsverwöhnte Partei in keinem einzigen Wahlkreis einen Stimmenzuwachs. Anders dagegen die FDP: 27,5 Prozent in Grünwald (Kreis München) dürften bayernweit Rekord sein. Überhaupt erzielten die Liberalen im Wahlkreis München-Land ihr bestes Resultat – 15,8 Prozent bei den Zweitstimmen bedeutete Platz 2 hinter der CSU und noch vor SPD, Grünen und AfD. Auch nicht schlecht ist allerdings das Ergebnis der Liberalen in der Kreisstadt Starnberg (18,9 Prozent).
Die SPD verzeichnete im Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach ihr schlechtestes Ergebnis an Zweitstimmen mit 11,0 Prozent. Das mag auch am traditionell schmalen Ergebnis in Jachenau gelegen haben – 26 SPD-Wähler gibt es dort, das sind 4,7 Prozent. Noch schlechter lief es in Balderschwang – zwei Stimmen sind zwei Prozent in dem kleinen Ort. Ihr bestes Ergebnis holte sie im Wahlkreis Coburg mit 22,6 Prozent.
Die Grünen hatten ihr bestes Ergebnis im Wahlkreis München-West/Mitte mit 18,5 Prozent. Im Nachbar-Wahlkreis München-Ost war Margarete Bause angetreten, die über die Liste in den Bundestag einziehen darf. Der Nachrücker für die bisherige Landtagsabgeordnete ist ein alter Bekannter im Maximilianeum: Der Gröbenzeller Martin Runge war schon mal Fraktionschef der Grünen, ehe er 2013 rausflog. Jetzt kommt er für (zunächst) ein Jahr zurück – er werde „mit Volldampf“ bei der Sache sein, kündigte er an. Pech hatte hingegen der Grünen-Kandidat Karl Bär aus Holzkirchen, der bei der Nominierung der Landesliste zunächst stimmengleich mit dem Regensburger Stefan Schmidt auf Platz zehn gelandet war. Wegen der Stimmengleichheit entschied bei den Grünen das Losverfahren – Schmidt gewann, Bär kam auf Platz 12. Jetzt sind elf Grüne aus Bayern in den Bundestag gewählt worden. Bär ist nur Nachrücker.
Die AfD wirbelte die Parteienlandschaft durcheinander. Am besten schnitten sie in Niederbayern und speziell im Wahlkreis Deggendorf ab (siehe oben), doch auch in Oberbayern gibt es Hochburgen. So erreichte die Partei in Waldkraiburg (Kreis Mühldorf) 19,9 Prozent, in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) 14,3 Prozent. Überhaupt fällt auf, dass sie in Orten mit hohem Vertriebenen-Anteil erfolgreich war, so auch in Kaufbeuren mit dem Ortsteil Neugablonz (14,4 Prozent).
Mehrere Aktionen der Partei in der Endphase des Wahlkampfes könnten allerdings noch Folgen haben. So versucht die Bundespolizei, den Kollegen ausfindig zu machen, der nahe dem Flughafen München offenbar in Dienstkleidung ein AfD-Plakat an einem Laternenpfahl befestigte. „Wir prüfen einen möglichen Verstoß gegen die Beamtenpflichten“, erklärte ein Sprecher. In Freising hat die Partei wiederholt deutlich mehr Wahlplakate aufgehängt als erlaubt. Die Stadt hat sie zum Teil noch entfernen können – die Kosten muss die Partei tragen. Außerdem könnte noch ein Bußgeldverfahren auf sie zukommen.
Auch die Linke kann in Bayern jetzt jubeln – zum ersten Mal kam sie deutlich über fünf Prozent (6,1 Prozent). Das beste Zweitstimmenergebnis gab es in Nürnberg-Nord (11,7 Prozent). mm