München – Innen tagten die Umweltminister über ihre Alpenstrategie und die Schaffung eines „grenzüberschreitenden Lebensraumnetzwerkes“, draußen zeigten die Almbauern, was sie davon halten: nämlich nichts. Unterstützt von ihren Bauernverbänden, haben am Montag rund 250 Bergbauern vor dem Münchner Prinzregententheater gegen die sogenannte großen Beutegreifer demonstriert. Dazu zählt neben dem Wolf auch der Bär.
Der Wolf fehle völlig auf der Tagesordnung der Umweltministerkonferenz, kritisierte der Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbands, Günther Felßner. Der Ausbau des Netzwerks von Biotopen und Schutzgebieten, so wie es die Minister in ihrer EU-Alpenstrategie (EUSALP) verfolgen, werde im Gegenteil die Ausbreitung des Wolfes weiter beschleunigen. „Die Bauern im Alpenraum stellt diese Entwicklung vor massive Probleme. Auf den Weiden und Almen werden immer mehr Kühe oder Schafe vom Wolf getötet“, sagte Felßner. Die Weidehaltung in den Alpen sei gefährdet. „Doch was die Alpen lebens- und liebenswert macht, sind doch nicht Wolfsreviere, sondern unsere Weidetiere.“ Der Vorsitzende der Freien Wähler im Landtag, Hubert Aiwanger, ein vehementer Wolfs-Gegner, unterstützte dies. Wolf und Bergweide seien miteinander nicht vereinbar. „Wir müssen uns für eins von beiden entscheiden. Wir brauchen klare Regeln, dass Wölfe in Gebieten mit Bergweide bejagt werden dürfen.“
In einem neuen Positionspapier berufsständischer Organisationen der Land- und Forstwirtschaft wird der Schutz der Berglandwirtschaft vor Wolf und Bär gefordert. Die Ausbreitung des Wolfes schreite „rasant“ voran, heißt es. Während es im Bayerischen Wald gerade erste Zeichen für die Bildung des ersten Rudels gibt, ist die Gesamtzahl der Wölfe in Europa erstaunlich hoch: 15 000 bis 20 000 Wölfe gebe es, schätzt der Bauernverband. Gerade für Jungtiere wie Kälber, Lämmer und Jungziegen gebe es eine erhebliche Gefahr. Konkret fordern die Almbauern Regelungen zur Bestandsregulierung „bis hin zur vollständigen Entnahme“ des Raubtiers. Wörtlich heißt es: „Daneben muss die Schaffung von wolfsfreien Zonen über die wildökologische Raumplanung möglich werden.“ Einzäunung und der Einsatz von Herdenschutzhunden sei nur in wenigen Regionen sinnvoll. Wo das machbar sei, müsse der Staat die Kosten vollständig übernehmen. Außerdem halten die Bauern den Wolf auch für gefährlich. Sie fordern ausdrücklich, die Sicherheit der Menschen sowohl bei Arbeiten als auch bei Freizeitaktivitäten zu gewährleisten.
Während in Bayern bisher kaum Berichte über Wölfe, die Almvieh angriffen, vorliegen, ist das weiter südlich anders: In Südtirol mehren sich die Proteste über Wölfe, die Schafe und Ziegen reißen. Gejagt werden darf der Wolf aber auch dort nicht, da er europaweit geschützt ist. Allerdings soll in Südtirol eine Durchführungsbestimmung verabschiedet werden, die regelt, in welchen Fällen Wolf oder Bär „entnommen“ – das heißt in der Regel: getötet – werden kann. Soweit ist man in Bayern noch nicht.
Bei der Umweltministerkonferenz legten die Teilnehmer den Grundstein für ein Netzwerk „Grüne Infrastrukturen“. Als ersten Schritt brachten Vertreter aus München, Wien, Salzburg, Trient, Turin und Grenoble ein grünes Städtenetzwerk auf den Weg. Die Gastgeberin der Konferenz, Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU), kam zwar kurz bei den Bauern vorbei. Allerdings sprach sie sich trotz der Proteste für das Lebensraumnetzwerk aus. „Grüne Infrastrukturen sind ebenso unverzichtbar wie Verkehrs-, Energie- oder digitale Korridore“, sagte die Ministerin. dw/lby