München – Mitten in der Diskussion um einen dritten Nationalpark in Bayern stellen die Bayerischen Staatsforsten eine Bestandsaufnahme über die eigenen Waldflächen vor. Die Mitarbeiter des Unternehmens, das die rund 800 000 Hektar des bayerischen Staatswaldes bewirtschaftet, haben sich auf die Suche nach sogenannten wilden Wäldern in ihrem Bestand gemacht. Das sind Wälder, die sich weitgehend unbeeinflusst vom Menschen natürlich entwickeln können. Das Ergebnis: 81 800 Hektar bleiben im Bayerischen Staatswald sich selbst überlassen. Das ist ein gutes Zehntel der Fläche.
„Damit liegen wir deutschlandweit in der Spitzengruppe“, sagt Staatsforsten-Chef Martin Neumeyer. Der geplante Nationalpark sei dabei noch gar nicht berücksichtigt. Zudem sollen die wilden Wälder weiter ausgebaut werden – allerdings gebunden an „fachliche Kriterien“.
Sind die wilden Wälder etwa ein neues Argument gegen zusätzliche Nationalparks? Hier lässt Neumeyer lieber Forstminister Helmut Brunner antworten. Und der windet sich: „Ich sehe wilde Wälder auch als Alternative.“ Es sei nicht immer sinnvoll, mehrere tausend Hektar Staatswald „blind der Nutzung zu entziehen“, sagt er mit Blick auf die Nationalparkdebatte.
Neben der Bestandsaufnahme stellten Brunner und Neumeyer am Freitag auch die jährliche Bilanz der Staatsforsten vor. Der Umsatz blieb mit 402 Millionen auf Vorjahresniveau – allerdings ging der Gewinn, den die Staatsforsten jährlich an das Finanzministerium überweisen, deutlich auf 54,1 Millionen Euro zurück. Zum Vergleich: Im vergangenen Wirtschaftsjahr waren es noch 71 Millionen. Brunner spricht trotzdem von einem „beachtlichen Ergebnis“, denn das Unternehmen habe mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen gehabt. Die Spätfolgen von Sturm Niklas, überdurchschnittliche Borkenkäferschäden und vor allem die Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsphase hätten das Finanzergebnis belastet. So stiegen etwa die Pensionsrückstellungen um 13 Millionen Euro. 18,3 Millionen Euro wurden etwa für Neukulturen, die Sanierung von Waldwegen oder Erholungseinrichtungen investiert. Auch in einen klimaresistenten Waldumbau werde kräftig investiert.
Der SPD-Landtagsfraktionsvize Horst Arnold erneuerte seine Forderung, alle Gewinne in den Waldumbau zu stecken, statt einen Großteil an das Finanzministerium zurückzuführen. Brunner betont aber, solange die Staatsforsten „ihre Hausaufgaben machen“, könne man von dem Gewinn ruhig etwas an den Freistaat zurückgeben. Allerdings kündigte er auch an, dass die Zeit der üppigen Gewinne wohl langsam vorübergehe. Denn neben der anhaltenden Zinsproblematik zeichnet sich auch im laufenden Geschäftsjahr eine hohe Borkenkäferbelastung ab – und auch Sturm „Kolle“ aus dem August wird sich in der Bilanz bemerkbar machen. Mehr Holz soll dennoch nicht geschlagen werden, sagt Brunner: „Nachhaltiges Wirtschaften ist das oberste Gebot.“ Dominik Göttler