Straubing

von Redaktion

von Susanne Sasse, Ute Wessels und M. Endlicher

Straubing – Nach dem Brand eines frisch renovierten Verwaltungsgebäudes in Straubing in der Nacht zum Samstag geht die Polizei von mindestens fünf Millionen Euro Schaden aus. „Das Gebäude ist bis auf die Außenmauern niedergebrannt“, sagte ein Polizeisprecher. Das ehemalige Jugendzentrum war als Erweiterungsbau des Straubinger Wissenschaftszentrums mit Büros und einem Hörsaal ausgestattet worden.

„Der Dachstuhl ist komplett ausgebrannt“, sagte Stadtbrandrat Stephan Bachl (50), der seit Jahresbeginn Feuerwehrkommandant ist. Erdgeschoss und erster Stock des historischen Gebäudes seien vom Löschwasser und Rauch beschädigt. „Es ist ein 300 Jahre altes und sehr schönes Gebäude. Ich hoffe, dass man die Räume retten kann“, sagte Bachl. Rund um den Unglücksort lag auch am Samstag Brandgeruch in der Luft. Die Dachbalken waren verkohlt, Ziegel heruntergefallen. 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

„Das ist bitter“, sagte Oberbürgermeister Markus Pannermayer (CSU) sichtlich betroffen. „Nicht nur wegen des historischen Gebäudes, sondern auch weil wir dringend die Flächen brauchen.“ Vier Millionen Euro habe der Freistaat in die Renovierung des einstigen Jugendzentrums gesteckt. In wenigen Wochen hätte das Gebäude übergeben werden sollen. „Das wirft uns jetzt um Jahre zurück.“

Seit dem Frühjahr entsteht in Straubing ein 40 Millionen Euro teurer Neubau, in dem auf 8000 Quadratmetern Fläche Labors sowie ein Hörsaal untergebracht werden sollen. Drei neue Studiengänge sollen vom 1. Oktober an das bisher dort bestehende Lehrangebot im Bereich nachwachsender Rohstoffe erweitern. Das Areal, auf dem das Feuer ausgebrochen war, ist Teil des „Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit“. Es liegt rund 500 Meter vom Stadtplatz der niederbayerischen Stadt entfernt, direkt angrenzende Gebäude gibt es nicht.

Zur Brandursache machte die Polizei gestern keine Angaben. Das Feuer war nach ersten Erkenntnissen im Dachstuhl ausgebrochen. Brandermittler der Kripo Straubing und des Landeskriminalamts sind im Einsatz. Alarmiert wurde die Feuerwehr um 23.13 Uhr. Gegen 1.45 Uhr war es weitgehend gelöscht. „Wir mussten dennoch bis zum Morgen Brandwache leisten“, sagt Bachl.

Eine weitere anstrengende Nacht für die Freiwillige Feuerwehr. Die 243 Aktiven sind heuer mehr denn je gefordert. „Wir haben jeden Monat einen Großbrand, werden pro Tag zwei Mal alarmiert“, sagt Bachl. Zwar gebe es keinen Zusammenhang oder Anzeichen für Brandstiftung. Ursache sei, dass die Feuerwehr immer mehr Aufgaben übernehmen muss. „Meine Leute sind motiviert, aber auch am Limit“, sagt Bachl. So eine Häufung habe er nie erlebt – und das, obwohl er seit seinem 15 Lebensjahr bei der Feuerwehr ist.

Erst im November vergangenen Jahres waren in Straubing Teile das historischen Rathauses abgebrannt. Das Feuer hatte den Dachstuhl und den Saal des mehr als 600 Jahre alten Gebäudes getroffen. Der Schaden belief sich auf rund zwei Millionen Euro. Die Brandursache wird wohl nicht mehr aufgeklärt, zu groß war der Grad der Zerstörung. Die Versicherung erklärte, für sämtliche Schäden aufkommen zu wollen.

Artikel 7 von 11