NEUERSCHEINUNG

Markus Wasmeier schreibt über „Dahoam“

von Redaktion

Schliersee – Markus Wasmeier, das ist der berühmte Skifahrer, der Gaudibursch aus TV und Werbung. Doch der immer lachende, immer vergnügte Skistar von einst hat auch nachdenkliche Seiten. „Dahoam“, heißt der (leider leicht abgenutzte) Titel seines Buches. Es ist ein bisschen Biografie, ein bisschen plakatives Bekenntnis zum Schliersee und zur Heimat – für Wasmeier ein rundum positiv besetzter Begriff. Da ist er, wie er schreibt, konservativ.

Das Buch beginnt jedoch mit Wasmeiers größter Lebenskrise. Es war nicht einer seiner vielen Skiunfälle, sondern die Krebserkrankung seiner Ehefrau Gitti, die 2012 diagnostiziert worden war. Die Monate, in denen er täglich in ein Krankenhaus nach München pendelte, als er mit Ärzten um die beste Therapie stritt – das bleibt, anders als vielleicht ein Ski-Weltcup-Sieg, unvergesslich. „Es kam so weit, dass sich Gitti innerlich von den Buben verabschiedet hatte“, schreibt Wasmeier. Seit der Überwindung der Krankheit sei der Zusammenhalt noch stärker geworden. „Jedes Frühstück ist ein wichtiger Tagesbeginn“ – da bleibt das Radio aus.

Wasmeier hat seine Karriere mit zwei künstlichen Hüftgelenken, x-fach schweren Verletzungen und einer gebrochenen Wirbelsäule bezahlt. Gebrochen als Mensch ist der Wasi aber nicht.

Wasmeier schreibt viel über seine Jugend in den 1970er-Jahren, als er mit seinem Bonanza-Radl die Gegend unsicher machte. Wasmeier schreibt über seine Klettertouren im Wilden Kaiser, über seine drei Burschen (Söhne) Markus, Lukas, Kilian. Wenn er allerdings schreibt, es gebe nichts Schöneres, als abends auf einem Gipfel zu sitzen und den Sonnenuntergang zu betrachten, fragt man sich, wie er dann wieder runterkommt. Es ist also manchmal auch etwas dick aufgetragen. Sei’s drum. Man erfährt nebenbei so einiges, was den Wasi aufregt – oder eben nicht. Wasmeier also hat viel Verständnis für die Flüchtlinge. Er ist gegen Massentierhaltung und gegen das Pressspan-Glump von Ikea, für die Ehe für alle und das Adoptionsrecht. Er ist auch für den Wolf und den Bären – da werden einige aus seiner bäuerlichen Nachbarschaft jetzt sauer sein. Aber am Schliersee ist er eh nicht „Everybody’s Darling“, es gibt Neider – und Gegner seines kleinen Freilichtmuseums, das er (das muss man sagen) mit Erfolg betreibt.

Auch wer für den alljährlichen Ski-Zirkus nichts übrig hat, der kennt den Markus Wasmeier nach Lektüre von „Dahoam“ ein bisschen besser. Und weiß vielleicht zu schätzen, dass er anders als andere betuchte Sport-Promis nicht aus Steuergründen nach Österreich gezogen ist.  dw

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