Höfen – In einem Einfamilienhaus in Königsdorf-Höfen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) findet die Polizei am 26. Februar dieses Jahres drei Opfer eines brutalen Raubüberfalls. Die Täter erschlugen eine 76-jährige Frau und einen 81-jährigen Mann, die sich als Gäste in dem Anwesen aufhielten, und verletzten die 76-jährige Hauseigentümerin Luise S. lebensgefährlich. Schon drei Tage später ist der Fall Thema in der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“. Erste Hinweise führen die Soko Höfen zu einer aus Polen stammenden Frau, die als Pflegerin für den verstorbenen Ehemann von Luise S. tätig war. Eine am Tatort gefundene DNA-Spur kann deren Bruder Robert P. zugeordnet werden. Er wird in Stettin festgenommen, insgesamt warten vier Tatverdächtige, allesamt polnische Staatsangehörige, auf ihren Prozess. Der Soko-Chef Markus Deindl berichtet von seinem damaligen Auftritt in der Sendung.
-War Ihnen gleich klar, dass Sie im Fall Höfen ohne Fernsehfahndung nicht auskommen?
Zu dem Zeitpunkt, als Aktenzeichen auf uns zukam, hatte ich ehrlich gesagt an eine Fernsehfahndung überhaupt noch nicht gedacht. Tatentdeckung war in der Nacht von Samstag auf Sonntag, das Angebot der Redaktion kam am Montag, und schon am Mittwoch war die Sendung. Zum Zeitpunkt des Anrufs hatten wir noch keine Erkenntnisse zum Tathergang und zu möglichen Tätern und waren im Prinzip noch mit dem Aufbau der Soko beschäftigt. Wir haben das Angebot trotzdem nicht ausgeschlagen, sondern zugesagt, weil wir die Gelegenheit nutzen wollten, das Lebensumfeld des überlebenden Opfers, der Hausbesitzerin Luise S., auszuleuchten.
-In welche Richtung gingen die Zuschauerhinweise? Haben sie entscheidend zur Festnahme der Tatverdächtigen geführt?
Es kamen – wie erhofft – Hinweise, die das Lebensumfeld der Hausbesitzerin aufgehellt haben, der entscheidende Hinweis kam jedoch nicht von einem Zuschauer, sondern aus der näheren Nachbarschaft beziehungsweise war Ergebnis der Spurensicherung. Erst mit einer gesicherten DNA-Spur konnten wir die Tat mit einer Person hinterlegen und darauf weiter aufbauen.
-Wie haben Sie die Sendung empfunden? Waren Sie aufgeregt?
Dadurch, dass wir noch ganz am Anfang unserer Ermittlungen standen, die extrem arbeitsaufwendig waren, hatte ich gar nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, was da auf mich zukommt. Ich bin aus dem Soko-Betrieb heraus zusammen mit dem Pressesprecher des zuständigen Präsidiums ins Auto gestiegen und ins Studio gefahren. Dort ging es schnell in die Maske, es gab eine kurze Besprechung mit Rudi Cerne, und schon ging es los.
-Wie fanden Sie den Moderator?
Sehr professionell, sehr locker, sehr sympathisch, er hat die Hektik etwas rausgenommen aus der Sache, das war sehr angenehm.
Interview: Rudolf Ogiermann