Grainau – Mit einer goldenen Abenddämmerung ging am Dienstag nicht nur ein schöner Herbsttag zu Ende. Nach 56 Jahren Standhaftigkeit auf 1470 Metern Höhe wird die „Stütze 2“ der alten Eibsee-Seilbahn, die bei Grainau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) auf die Zugspitze führte, keinen weiteren Sonnenaufgang mehr erleben. Techniker rückten dem 85 Meter hohen, 180 Tonnen schweren Stahlungetüm in Fachwerkbauweise mit Schneidbrennern und einer Winde zu Leibe – bis es schließlich wie an einem Scharnier talwärts kippte.
„Das kann man mit dem Fällen eines Baumes vergleichen“, erklärt Verena Lothes von der Bayerischen Zugspitzbahn die Aktion. Zunächst wurden die talseitigen Stützenfüße halb, dann die bergseitigen ganz durchtrennt. Ein zuvor oben an der Stütze befestigtes Stahlseil brachte das Trumm schließlich zu Fall – mittels einer Winde mit einer Zugkraft von bis zu 50 Tonnen.
Gestern fiel auf die gleiche Weise „Stütze 1“ – nur dass sie bergwärts stürzte. Sie war „nur“ 65 Meter hoch, wog 120 Tonnen und stand seit 1961 unterhalb ihrer großen Schwester auf 1190 Metern Höhe. Nun zerlegen Mitarbeiter der Firma Garaventa, die auch die neue Seilbahn auf Deutschlands höchsten Berg baut, die Stützen mit dem Schneidbrenner. Der Stahl wird mit dem Helikopter vom Berg geflogen und vom Schrotthändler eingeschmolzen.