München – Keine Maßnahme ohne mehr oder weniger zündenden Titel: Masterplan Bayern Digital II nennt sich das Vorhaben, an Bayerns Schulen eine Digitalisierungsoffensive zu starten. Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich (CSU), der hier die Federführung übernommen hat, sprach von einem „echten Investitionsschwerpunkt“. Ziel ist es, ein mehrjähriges Förderprogramm zu starten – Kommunen sollen feste Zuschüsse bekommen, wenn sie ihre Schulen mit IT-Geräten ausstatten. Zuschüsse zum sogenannten Sachaufwand – Tafeln, Stühle, Bücher – gab es bisher nie, insofern betritt das Ministerium Neuland. Wohl ab Februar 2018 sind 40 Millionen Euro vorgesehen, für die Jahre danach 122,5 Millionen. Auch noch höhere Summen seien denkbar. Derzeit werden mit den kommunalen Spitzenverbänden „partnerschaftlich“ (Eisenreich) Richtlinien erarbeitet. Denkbar ist nach Informationen unserer Zeitung ein einheitlicher Fördersatz von 35 Prozent, für finanzschwache Kommunen könnte es Zuschläge von bis zu 65 Prozent geben.
Das Förderprogramm sei notwendig, sagte der Präsident des Bayerischen Gemeindetags, Uwe Brandl. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die IT-Ausstattung in Bayern zu unterschiedlich gehandhabt werde.
Eisenreich kündigte an, Lehrer verstärkt auf Fortbildungen zur Digitalisierung zu schicken. Er ließ sich aber nicht zu einer Definition hinreißen, was unter einem digitalen Klassenzimmer zu verstehen ist. Nur so viel: Es gehe nicht darum, „das Klassenzimmer von der Decke bis zum Boden mit Technik vollzustopfen“. Es sei auch nicht notwendig, dass jeder Schüler ein Tablet erhalte. Die Kommunen sollten selbst entscheiden, was sie brauchen. Jede Schule ist angewiesen, einen Medienplan zu erstellen. Es müssten auch nicht immer Whiteboards sein, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Die würden hier und dort eh „schon wieder rausgerissen“.
Dass die Digitalisierung kostspielig ist, weiß jeder Kämmerer eines Landkreises. Im Landkreis Fürstenfeldbruck zum Beispiel sind in diesem Jahr 700 000 Euro für IT-Einzelbeschaffungen eingeplant – PC, Server, Tablets und Whiteboards. Inklusive Dokumentenkamera kostet ein Whiteboard etwa 7500 Euro, die Installation nicht eingerechnet. Berücksichtigt man noch EDV-Dienstleistungen (200 000 Euro) und Wartungsverträge (120 000 Euro) sowie die Personalkosten für eine fest angestellte IT-Fachkraft, so kommt man auf weit über eine Million Euro. Anderes Beispiel: Der Landkreis Erding hat 2013 alle neun weiterführenden Schulen auf einen Schlag mit Whiteboards ausgestattet – für 3,5 Millionen Euro. An einzelnen Schulen gelten diese schon wieder als veraltet – sie haben auf Multitouch-Monitore umgerüstet. Ein Gerät kostet rund 10 000 Euro. Eine rückwirkende Förderung des Gerätekaufs wird es übrigens nicht geben.
Der Masterplan ist Teil eines größeren „Bildungspakets“, das 2000 Stellen für Lehrer umfasst. 1000 sind gestaffelt über mehrere Jahre für das G9 reserviert, 100 für die Inklusion, sagte Kultusminister Spaenle, weitere 250 für Förderlehrer. Die Unterrichtung lernschwacher Kinder sei ein weiterer Schwerpunkt. Dafür wird es an der Uni Regensburg auch einen neuen (dritten) Ausbildungs-Standort mit drei Lehrstühlen für Sonderpädagogik geben. Es dürfe nicht der Fehler von Nordrhein-Westfalen wiederholt werden, wo die Förderschulen „ausgeblutet“ seien.
Die Landtags-Opposition begrüßte die Digitalisierungsoffensive, hatte aber auch Kritik am Breitbandausbau. „Was nutzen modernste Gerätschaften, wenn die Schule im Funkloch liegt“, ätzte SPD-Bildungsexperte Martin Güll.