München – Wie eine SPD-Anfrage ergab, haben viele Polizisten in Bayern einen Zweitjob. Von den 42 000 Beschäftigten bei der bayerischen Polizei – darunter rund 32 500 Polizeibeamte, der Rest sind sonstige sogenannte Tarifkräfte – verdienen sich in etwa 6300 noch etwas dazu.
Besonders häufig ist das bei Polizisten, die in den großen Städten eingesetzt sind, der Fall. Allein 1233 der Polizisten mit Nebenjobs gehören dem Polizeipräsidium München an. „Das verdeutlicht, dass die Gehälter bei der Polizei in keinem Bezug mehr zu den Lebenshaltungskosten in Ballungsräumen stehen“, sagt der Sicherheitsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Peter Paul Gantzer. „Allein in München haben fast ein Fünftel der Polizeikräfte einen Nebenjob.“
Vor allem in den unteren Besoldungsgruppen A8 (2390 Euro bis 3080 Euro brutto monatlich) und A9 (2510 Euro bis 3251 Euro brutto monatlich) ist die Zahl der Nebenjobber nach Angaben des Innenministeriums groß. Polizisten, die in großen Städten eingesetzt werden, bekommen zusätzlich eine Ballungsraumzulage von rund 80 Euro, für jedes Kind gibt es zusätzlich 21 Euro. Nach Ansicht von Peter Paul Gantzer ist eine Erhöhung der Zulage seit Jahren überfällig.
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kennt das Problem. „Vom Grundsatz her könnten die Beamten mit ihrem Gehalt auskommen“, sagt der Landesvorsitzende Peter Schall. „Aber gerade, wenn man in München wohnt und vielleicht noch nach Hause pendelt, ist die Motivation für einen Nebenjob logischerweise da.“ Schall geht daher davon aus, dass inzwischen mehr Polizisten einen Nebenjob machen als noch vor einigen Jahren. „Die Kollegen übernehmen gerne Kurierfahrten oder Fahrzeugüberführungen, manche sind auch handwerklich begabt und arbeiten in diesem Bereichen“, sagt er. So kenne er zwei Kollegen, die auf ihrer Dienststelle nebenher den Hausmeisterdienst übernehmen.
Nicht genehmigt werden dagegen Tätigkeiten bei Sicherheitsdiensten oder Jobs in Gaststätten, da es hier zu Gewissenskonflikten mit dem Hauptberuf kommen könnte. „Wenn jemand Selbstverteidigungskurse geben möchte, wird das in der Regel auch nicht genehmigt“, erklärt Peter Schall.
Das Innenministerium betonte, dass es sich bei den Zahlen nur um genehmigte Nebentätigkeiten handele. Ob diese überhaupt ausgeübt werden, sei nicht bekannt. Zu den genehmigten Nebentätigkeiten würden im Übrigen auch Tätigkeiten wie Ehrenämter, Jugendarbeit oder Betreuung von Angehörigen gehören, bei denen meistens das soziale Engagement und nicht Geld im Vordergrund stehe. lby