Nürnberg – Weil er bei einem gescheiterten Abschiebeversuch an einer Nürnberger Berufsschule Polizisten verletzt hat, ist ein 22-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht sprach den Angeklagten am Dienstag wegen Widerstands und tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung sowie versuchter Gefangenenbefreiung schuldig und verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Bei dem Polizeieinsatz sollte Ende Mai der junge Afghane Asef N. abgeschoben werden – die schließlich abgesagte Abschiebung aus der Schule machte Schlagzeilen. Schüler und Linksautonome wollten die Abschiebung mit einer spontanen Demo verhindern. Gegen knapp 20 Demonstranten laufen noch Ermittlungen. Der Angeklagte soll auf Polizisten gesprungen sein und diese verletzt haben. Bei einem Beamten splitterte ein Teil eines Zahns ab; er und ein weiterer Polizist litten zudem unter Rückenschmerzen. Schon bei früheren Demos – etwa gegen den G7-Gipfel in Garmisch oder gegen Pegida – hatte der 22-Jährige Polizisten beleidigt und Widerstand geleistet.
Richter Harald Kunze sagte dem 22-Jährigen, er solle seine Überzeugungen behalten, seine Verhaltensweisen aber für die Zukunft überdenken. „Sie treten das Demonstrationsrecht aller friedlichen Demonstrationsteilnehmer mit Füßen“, sagte Kunze. Neben der Strafe muss der 22-Jährige 450 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. Der Angeklagte bezeichnete sein Verhalten als falsch. „Ich möchte mich bei den Beamten entschuldigen, die verletzt wurden.“ Er habe in den fünf Monaten Untersuchungshaft viel Zeit zum Nachdenken gehabt. lby