Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Claudia Gudelius, 65, ist in Bad Tölz geboren und in der Jachenau im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen aufgewachsen. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder und arbeitet als Ärztin. Trotz ihrer vielen Reisen blieb sie der Jachenau, dem „Nabel der Welt“ wie sie sagt, immer treu.
-Frau Gudelius, was reizt Sie daran, in der Abgeschiedenheit fernab des Rummels zu leben?
Die Jachenau ist naturbelassen und touristisch sanft erschlossen. Bei uns gibt’s strenge Bauvorgaben und keine Hotels oder Schwimmbäder, die das Landschaftsbild zerstören. Hier lebt man von traditionellen Berufen wie der Holzarbeit oder der Landwirtschaft. Man braucht eine gewisse Sturheit, dass das so bleibt.
-Natur pur also.
Ja. Ich geh’ auch mit Taucherbrille ins Wasser und sehe die Forellen. Die kennen mich schon – liegt wohl am Geruch. Es sind dort auch schon große Schlangen über mich drüber.
-Was heißt denn groß?
Äskulapnattern, das sind die vom Apotheken-Zeichen, werden weit über 1,20 Meter. Man muss sich aber ein paar Minuten ganz still verhalten, damit sie rauskommen.
-Außer Tieren: Was muss man sonst in der Jachenau noch gesehen haben?
Es gibt eine kleine Kirche, in der mein Mann Jost Führungen macht. Bei seinen touristischen Dorfrunden kann man zum Beispiel auch Interessantes über die Höfe, deren Geschichte und Alter erfahren. Das allein zu erkunden, ist schon schwierig.
-Sie schwärmen von Ihrer Heimat. Stört Sie auch was an der Jachenau?
Die Verkehrsanbindung von Lenggries und Bad Tölz. Es gibt zwar einen Bus, der fährt aber gegen 18 Uhr das letzte Mal. Danach braucht man ein Taxi. Man muss es einsehen: Ohne Auto ist man hier am Ende der Welt. Ganz persönlich fehlt mir ein Dorfplatz um den Dorfladen herum, wo man Leute trifft und ratscht. Das wäre wunderbar.
-Wie hat sich die Jachenau in den vergangenen 10 bis 20 Jahren verändert?
Nur positiv. Man ist weltoffener geworden, ohne sich selbst aufzugeben. Eine schwierige Zeit war zum Beispiel, als das WLAN kam. Es wollten erst nicht alle verstehen, dass es ungefährlich ist. Dann hat man die Vorurteile ausgeräumt und gut.
-Nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“?
Der Jachenauer ist einfach eigenständig, hat seine eigene Meinung. Wir müssen keinen Trends folgen, die uns vorgegeben werden.
-Wie kann es sich ein Auswärtiger mit den Einheimischen verscherzen?
Wenn er unbedingt gscheider sein will, dann eckt er an. Oder wenn Radler und Wanderer meinen, dass Kühe die Kulisse und die Wiesen die Bühne sind, die um sie herum gestaltet wurden. Die Bauern ärgern sich, wenn man durch ihre hohen Wiesen geht und Zäune offen lässt. Bei uns ist Bescheidenheit angesagt. Wlmeir leben mit der Natur.
-Hört sich nach großer Heimatliebe an.
Absolut. Ich möchte nirgendwo anders hin. Wer herkommt, ist glücklich. Der Sternenhimmel. Die Luft… sie hat diese ganz besondere Frische und duftet nach Wald. Wer hier groß wird, ist versessen auf die Jachenau.
Interview: Manuela Schauer
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