Abschied von Odilo Lechner

Dank an den Abt mit dem weiten Herzen

von Redaktion

Von Claudia Möllers

München – Sein liebenswertes, verschmitztes Lächeln erreicht noch einmal alle Herzen. Das Foto von Abt Odilo Lechner, das beim Requiem aus Anlass seines Todes im Altarraum des Liebfrauen-Doms in München steht, zeigt ihn so, wie man ihn so oft angetroffen hatte: heiter, lächelnd, sympathisch und mit einem Schalk im Nacken. Alle Bankreihen in der Frauenkirche sind besetzt, auch in den Seitenschiffen und hinten im Chor stehen die Menschen, um dem beliebten Benediktiner, der am 3. November im Alter von 86 Jahren gestorben war, die letzte Ehre zu erweisen.

Als das Requiem, das der Münchner Kardinal Reinhard Marx zelebriert, am frühen Nachmittag beginnt, hatte die Gemeinschaft der Benediktiner den Altabt bereits in der Krypta von St. Bonifaz beigesetzt. „In dieser Stunde des Abschieds ist unser Herz schwer“, sagt Lechners Nachfolger Abt Johannes Eckert. Jeder Einzelne der Benediktinergemeinschaft von St. Bonifaz und Kloster Andechs sei geprägt von dem weiten Herzen Odilos. Vor genau 65 Jahren war Lechner in den Orden eingetreten. Damals, als 21-Jähriger, habe er in seinem Aufnahmegesuch geschrieben, er möchte ein wenig dazu beitragen, „dass meine Heimat ein benediktinisches Bayern und damit ein gesegnetes Land bleibt“. Diesem Auftrag habe Abt Odilo sein ganzes Leben verschrieben.

Für Kardinal Marx war Abt Odilo ein „wirklicher Zeuge der Menschenfreundlichkeit Gottes“. Über seinen Tod hinaus wirke sein Lebenszeugnis. Im Tiefsten heiter und gelassen, voller Hoffnung – so habe er den Benediktiner immer erlebt. Marx würdigt ausdrücklich Lechners Einsatz für die Obdachlosen. Er habe das getan, was Papst Franziskus immer fordere: An die Ränder zu gehen. „Die Arbeit von St. Bonifaz mit den Obdachlosen, mit denen, die am Rand sind: welch ein wunderbares Zeugnis mitten in dieser reichen Stadt“, sagt der Kardinal. Odilo rufe dazu auf, eine „inklusive Pastoral“ zu pflegen.

Die Himmelsleiter, von der Jakob im Alten Testament träumt, von der die Engel auf- und absteigen, die die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisiert, ist das Leitmotiv im Requiem. In der Lesung, auf dem Sterbebild, in der Predigt taucht sie auf. Marx erinnert an das letzte Buch des Verstorbenen mit dem Titel „Engel an meiner Seite“, in dem Abt Odilo genau über dieses Motiv meditiert habe. „Die Engel nehmen ihn bei der Hand und führen ihn hinauf“, sagt Marx. Begleitet wird Abt Odilo von viel Weihrauch, der im Liebfrauendom aufsteigt, als Kardinal Marx zusammen mit Abt Eckert, Kardinal Friedrich Wetter, Abtpräses Barnabas Bögle (Ettal) und Abt Theodor Hausmann (Augsburg St. Stephan) die Messe zelebriert. Hinten in der Kirche wacht ein Obdachloser über seine blaue Tüte mit leeren Plastikflaschen und Bechern. Immer wieder faltet er aber andächtig die Hände. Gebete für den Verstorbenen auf der Himmelsleiter. Und sicher auch Dank an den Abt mit dem weiten Herzen.

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