Weibersbrunn – Als die Einsatzkräfte im Morgengrauen an der Unfallstelle auf der A 3 ankommen, stehen sie vor einem Trümmerfeld. Ein Lkw steht quer über der Mittelleitplanke. Ein Kieslaster liegt umgekippt auf der Fahrbahn, die Ladung hat sich überall verteilt. Von einem Kleintransporter ist kaum noch etwas zu erkennen. Drei Menschen sind bei dem schweren Unfall bei Weibersbrunn (Kreis Aschaffenburg) ums Leben gekommen.
Ein 54-Jähriger war kurz nach 4 Uhr früh mit seinem Kieslaster bei einer Baustelle ins Schlingern und auf den Grünstreifen geraten. Der Lkw schaukelte sich auf und kippte. Ein nachfolgender Laster, der Briefe und Pakete geladen hatte, versuchte auszuweichen, krachte dabei über die Mittelleitplanke und stieß auf der Gegenfahrbahn mit einem Kleintransporter zusammen. Ein dritter Lkw konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte auf den verunglückten Kiestransporter. Der Kieslasterfahrer überlebte das nicht. Auch Fahrer und Beifahrer des Posttransporters kamen ums Leben. Der Fahrer des Kleintransporters kam mit leichten Verletzungen davon. Ein weiterer Lastwagenfahrer wurde leicht verletzt.
„Kies, Pakete und Briefe haben sich auf der gesamten Fahrbahn verteilt“, berichtete Michael Zimmer, Sprecher der Polizei in Unterfranken. „Das ist ein großes Trümmerfeld.“ Die Einsatzkräfte waren stundenlang mit den Räumungsarbeiten beschäftigt.
Unfassbar waren die Szenen, die sich während der Bergung der Leichen abspielten. „Wir haben vereinzelt Fahrzeuge vorbeigeleitet“, berichtet Zimmer. Mehrere Fahrer machten mit ihrem Handy Filme oder Fotos, während die Toten aus den Wracks geborgen wurden. „Ein Lkw-Fahrer lehnte sich mit seinem Handy sogar quer durchs Führerhaus, um durch das Beifahrerfenster filmen zu können“, berichtet Zimmer. Szenen wie diese habe er noch nie erlebt. Die Polizei hat von mehreren Lastwagenfahrern die Personalien aufgenommen. „Sie müssen mit Bußgeldern rechnen.“
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr griffen zu einer anderen Maßnahme. Sie richteten den Schlauch auf die Autoscheiben der Gaffer, um sie am Fotografieren und Filmen zu hindern. „Alle diese Fahrzeuge standen oder rollten gerade an“, betont Zimmer. Keines sei während der Fahrt bespritzt worden. Beeindruckt hat das nachfolgende Lkw-Fahrer aber anscheinend wenig. Die Polizei ermittelt gegen mehr als zehn Gaffer. kwo/lby