KONGRESS AM TEGERNSEE

Wintersport will aus der Defensive

von Redaktion

Von Sonja Still

Rottach-Egern – Die Faszination Winter und die Leidenschaft für den Wintersport haben in den Münchner Hausbergen ihre Wurzeln. Nun soll die Freude am Winter und an der Bewegung in der verschneiten Natur wieder in den Vordergrund rücken. Zum Auftakt holten der Deutsche Skiverband, der Skilehrerverband und der Snowboardverband auch aktuelle und ehemalige Wintersportgrößen wie etwa Christa Kinshofer (Alpinski) oder Peter Schlickenrieder (Langlauf) an den Tegernsee.

So viel scheint klar – diese Unterstützung wird gebraucht. Während in den Nachbarländern investiert wird, werde hier viel debattiert und so die Begeisterung für den Wintersport reduziert, kritisiert die Tourismusbranche. „Freilich muss die Natur gehütet werden, es geht aber auch um Arbeitsplätze und Existenzen“, sagt Jens Huwald, Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH. Etwa 60 Prozent der Einnahmen erwirtschaftet die Branche im Sommer, etwa 40 Prozent im Winter.

Aber ohne Wintergeschäft gehe es nicht mehr. Vor großen Herausforderungen sehen sich die Touristiker durch beschränkte Verkehrswege und gestiegene Ansprüche der Verbraucher. Anreise und Transferkosten sind für Wintersportler ein hoher Faktor im Budget, für die Wintersportregionen sind sie eine große Belastung. „Hier müssen wir eine Antwort finden, mit E-Mobilität, mit kostenfreien oder günstigen Bahnangeboten und neuen Alternativen“, fügt Huwald an.

Früher blieb man auch mal auf Hütten oder in Berghotels über Nacht. Heute bedarf es dafür neuer Angebote, die Gast und Gastgeber entlasten. Die Konkurrenz zu Winterregionen in den Nachbarländern sehen die Veranstalter nur bedingt als große Herausforderung. Der Klimawandel sei nicht mit noch so viel Kunstschnee zu stoppen. Österreich oder Italiens Destinationen hätten zwar durch die besseren Höhenlagen und den intensiveren Ausbau mit Beschneiungsanlagen komfortablere Schneeverhältnisse, ihnen fehle aber das Rundum-Angebot. Diese Skiorte lebten nur im Winter, im Sommer aber verödeten sie. Das mache Bayern zum Teil schon anders. „Wir sind Teil der Wintersportfamilie in den Alpen“, sagt Harald Gmeiner, Vorstand der Alpenregion Tegernsee Schliersee. Er setzt auf den Austausch mit den Kollegen aus den anderen Alpenländern. Aber die Region könne mehr. „Wir können zum Beispiel auch Tagungstourismus“, ergänzt Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus, in dessen Region die Wintersportkonferenz tagt.

Die Alpenregion Tegernsee Schliersee sei gutes Beispiel für das Mehr, hieß es. Und auch dafür, wie trotz viel Altbestand eine Region fit für die Zukunft bleibe. Familien mit Ski-Anfängern und Kindern können am Spitzing oder am Sudelfeld auf den leichten Pisten perfekt beginnen. Nicht umsonst haben Generationen von Münchner Schulkindern früher hier Skifahren gelernt. Zudem ist viel Drumherum geboten: Rodeln, Schwimmen oder Shoppen, zudem Thermen und Saunen, Unterhaltung wie Volksmusik, aber auch ein Kurzzeitausflug in die Kulturmetropole München. Diese Stärken aus dem Ganzjahres-Tourismus gelte es zu kommunizieren, damit der Wintersport weiter Zukunft habe.

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