Nach Schlauch-Einsatz der Feuerwehr in Unterfranken

Kein Wasser mehr gegen Gaffer

von Redaktion

von Josef Ametsbichler

Rohrbrunn – Irgendwann überwog der Ärger den Einsatzstress und die Feuerwehr griff zum Schlauch. Von einem schweren Lkw-Unfall Donnerstagfrüh in Unterfranken blieben vor allem diese Bilder: Feuerwehrleute versuchen, sich mit einem gezielten Wasserstrahl gegen Gaffer zu wehren. Vor allem Lkw-Fahrer filmten hemmungslos mit ihren Smartphones die Bergung der Toten aus den Fahrzeugwracks.

Das Echo, das die Gaffer-Abwehr mit dem C-Schlauch hervorrief, ist den Rettern ein wenig unheimlich. „Von den drei Toten an der Einsatzstelle hat am Ende kaum einer mehr geredet“, lautet das Fazit des örtlichen Aschaffenburger Kreisbrandinspektors, Otto Hofmann, zu dem Unglück auf der A 3. Die Aktion der Waldschaffer Feuerwehr sei „relativ positiv“ aufgenommen worden, sagt er. In den sozialen Netzwerken gibt es für die Retter vor allem Beifall.

Trotzdem, geht es nach dem Kreisbrandinspektor, war es eine einmalige Sache. Es sei eine „spontane Reaktion auf eine Ausnahmesituation“ gewesen, die die Feuerwehrler zum Schlauch greifen ließ. „Wir wollen nicht, dass das Geschehen an der Unfallstelle eskaliert, so eine ungute Spirale kann nicht die Lösung sein“, sagt Hofmann. „Wenn die Gaffer noch dreister werden, was sollen wir dann machen?“

Wobei, dreister als die Art, die besonders einige Lkw-Fahrer an den Tag legten, geht es kaum. „Es war sehr eng durch die Baustelle“, beschreibt Hofmann den Unfallort. Nur eine Leitplanke war zwischen der Fahrspur und den Lkw-Wracks, an denen ein Arzt gerade die Opfer untersuchte. Ein halbes Dutzend Feuerwehrleute versuchte das Geschehen mit Planen zu verdecken, doch die Lkw-Fahrer nutzten ihre erhöhte Position aus: Sie seien in Schrittgeschwindigkeit filmend an der Unfallstelle vorbeigerollt, einige hätten sogar gestoppt, berichtet ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Unterfranken in Würzburg.

Sie werden nicht ungestraft davonkommen: Die Polizei hat das Geschehen gefilmt. Überführte Gaffer erwartet ein Punkt in Flensburg sowie ein Bußgeld – seit Oktober sind es 100 statt zuvor 60 Euro. Zur Videokamera griffen die Beamten aus Personalnot. Während die Ermittlungen und Absicherungsarbeiten am Unfallort in vollem Gange sind, sei es unmöglich, auch noch allen Gaffern hinterherzujagen, heißt es aus dem Präsidium Würzburg. Die genaue Zahl der Bußgeldbescheide steht noch nicht fest, da die Aufnahmen erst fertig ausgewertet werden müssen. Laut Polizei sind es „in jedem Fall mehr als zehn“.

Vereinzelt wurden Bedenken laut, die Spritz-Aktion der Feuerwehr hätte Folgeunfälle provozieren können. Dem erteilte die Polizei eine Absage – die Lkw seien dafür zu langsam unterwegs gewesen. „Die Feuerwehr hat in Absprache mit uns mit einem Wasserschlauch Aufmerksamkeit erzeugt und gezeigt, dass es so nicht geht“, sagte ein Sprecher noch am Unfallort. Sollten Strafanzeigen gegen die Feuerwehr eingehen, würden diese gewissenhaft geprüft, hätten aber wohl geringe Erfolgsaussichten.

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