Vortrag bei den Landfrauen

Powerfrauen räumen mit Klischees auf

von Redaktion

von Magdalena Höcherl

Herrsching – Nach dem Abitur wollte sie in die aufregende Großstadt, wo das Leben pulsiert. Gelandet ist Sabine Schindler auf einem Bauernhof in einem 20-Seelen-Ort im oberpfälzischen Kreis Schwandorf. Mit 34 Jahren ist sie die jüngste Kreisbäuerin im Freistaat. Geträumt hat sie nie von diesem Leben, doch jetzt kann sie sich kein anderes mehr vorstellen.

Schindler ist eine der vier Frauen, die am Donnerstag im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching (Kreis Starnberg) im Landesausschuss der Landfrauen zum Thema „Lebensentwürfe zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ sprachen. Die Powerfrauen erzählten von einschneidenden Erlebnisse, Erfolgen und Niederlagen. Ihr Appell an die rund 80 Zuhörerinnen: auf das Bauchgefühl hören, gelassen bleiben und auf Gott vertrauen.

„Nie wollte ich in Gummistiefeln Kühe melken“, sagt Schindler. Doch ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Oberpfalz veränderte ihr Leben: Dort lernte Schindler ihren Ehemann kennen – einen Landwirt, der seine Arbeit liebt. „Auf den Hof zu ziehen und Bäuerin zu werden, war der mutigste und beste Entschluss in meinem Leben“, sagt sie heute.

Von einer Entscheidung, die ihr Leben verändert hat, kann die zweite Referentin, Alexandra Gaßmann, nicht sprechen – sondern von neun. Die 50-Jährige ist Mutter von neun Kindern. „Ich selbst hatte leider keine schöne Kindheit“, erzählt Gaßmann. „Einmal eine glückliche Familie zu haben, war daher mein größter Wunsch.“ Einfach ist das zwar nicht immer. Die Münchnerin erntet oft skeptische Blicke und manchmal dumme Sprüche. „Aber mit der Zeit bin ich selbstbewusster geworden.“ Heute macht sie sich als CSU-Stadträtin und Landesvorsitzende des Verbands kinderreicher Familien in der Politik für ihre Herzensangelegenheit stark. Den Landfrauen riet sie: „Niemals unterkriegen lassen.“

So lautet auch das Motto von Petra Waldherr-Merk aus Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Sie ist die Chefin der Hirschkuss-Genussmanufaktur. Den gleichnamigen Kräuterlikör verkauft die 50-Jährige mittlerweile international. Doch kurz nach der Gründung von Hirschkuss drohte ein Markenstreit mit der Firma Jägermeister, das Familienunternehmen zu vernichten. Aber Waldherr-Merk kämpfte „wie David gegen Goliath“. Ihr Einsatz zahlte sich aus, sie besiegte Goliath. „Mein Drang nach Freiheit treibt mich an“, sagt sie. Zufällige Begegnungen und ein „guter Draht nach oben“ hätten ihr Übriges getan. „Und ich habe immer auf mein Bauchgefühl gehört.“

Wie wichtig die innere Stimme ist, musste die vierte Powerfrau, Baronin Annabel von Bechtolsheim, auf die harte Tour lernen. Nach einem Burnout mit Ende 20 krempelte die ehemalige Börsenmaklerin ihr Leben um. Heute betreibt sie in Weilheim einen Gutshof mit Reitschule. Dort kann sie Kraft tanken und neue Pläne schmieden. „Ich bin endlich in meinem Leben angekommen“, sagt die 46-Jährige.

Die Geschichten der vier Frauen spiegeln die Vielfalt der Lebenswege wider. Sie ermutigen die Landwirtinnen, selbstbewusst ihren Weg zu gehen. Das Klischee von der Bäuerin mit Kopftuch im Stall und Schürze am Herd hat ausgedient.

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