Von A wie Renate Ackermann bis Z wie Zita Zehner – Frauen in der bayerischen Landespolitik sind eine Selbstverständlichkeit. Das war nicht immer so. Der Frauenanteil in der ersten Legislaturperiode nach dem Krieg betrug bescheidene zwei Prozent. Gerade einmal fünf Frauen – vier von der CSU, eine von der SPD – waren unter den 180 Mandatsträgern. Die mühsamen Schritte zur Gleichberechtigung in der Politik zeichnet nun eine Ausstellung im Bayerischen Landtag nach („Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort!“; bis Mitte Januar).
Die meisten Abgeordneten sind, ein Parlamentarier-Schicksal, den Lesern heute wohl kaum mehr ein Begriff. Wer erinnert sich wohl noch an Maria Probst (1902-1967)? Die CSU-Frau der ersten Stunde war auf ihre Weise eine energische Vorkämpferin für die Gleichberechtigung. Wer die zeitweilige Landtagsabgeordnete und spätere erste Vizepräsidentin des Bundestags als „Frau Präsident“ anredete, also das -in wegließ, bekam es mit ihr zu tun. Auch den zeittypischen Begriff des Fräuleins hasste sie.
Die bisher jüngste Abgeordnete kam 1970 ins Parlament: Ursula Redepenning von der FDP war knapp 26 Jahre alt. Sie war zwölf Jahre im Parlament, ehe die Liberalen dann 1982 aus dem Landtag flogen. Die Älteste war bisher Ex-Schauspielerin Barbara Rütting – 2003 mit fast 76 Jahren für die Grünen gewählt.
In der Ausstellung werden die bisher 178 Frauen nach allen Regeln der Statistik durchleuchtet. Sonderlich erhellend sind die Erkenntnisse allerdings nicht. Im Wesentlichen sind die Politikerinnen soziologisch betrachtet ein Querschnitt der Bevölkerung: Durchschnittsalter 45 bis 50 Jahre, ein Drittel außerhalb Bayerns geboren, Schulbildung früher primär Hauptschule, heute Universitätsabschluss.
Interessant ist indes, dass die Politikerinnen früher mehr als heute unverheiratet und ohne Kinder waren. „Inzwischen sind drei Viertel aller weiblichen Abgeordneten verheiratet und haben Kinder“, hält der Ausstellungskatalog fest. Es ist daher nur logisch, dass es im Landtag nun eine Kinderkrippe für die Abgeordneten und Bediensteten gibt.
Unter den weiblichen Abgeordneten sind die Berufe Lehrerin, Juristin und (mit Abstrichen) Landwirtin am häufigsten zu finden. Die derzeitige CSU-Abgeordnete im Stimmkreis Starnberg, Ute Eiling-Hüting, wird daher konsequenterweise als Quereinsteigerin porträtiert. Sie ist eigentlich promovierte Althistorikerin und kam erst 2006 zur CSU. Schon sieben Jahre später gelangte sie in den Landtag – ein Beispiel dafür, dass man mit Geschick und Begabung auch die übliche „Ochsentour“ in der Partei vermeiden kann.
Ecken und Kanten hatte zum Beispiel die SPD-Abgeordnete Lieselotte Seibel-Emmerling (geboren 1932), eine Lehrerin aus Nürnberg, die 1966 in den Landtag kam. Der Landtag charakterisiert sie als „die Innovative“. Im Stil der Zeit nannte sie Rosa Luxemburg und Willy Brandt als Vorbilder, erreichte mit Hilfe einer Pressekampagne Mitte der 1970er-Jahre, dass schwangere Schülerinnen nicht mehr die Schule verlassen mussten, was damals noch üblich war. Mitte der 1970er-Jahre verkleidete sie sich als Putzfrau und deckte mit investigativen Recherchen Machenschaften bei Kreditvermittlern auf. Auf einer Frauenkonferenz der Sozialistischen Internationalen erfuhr sie von der Quotendiskussion in den USA – das Thema importierte Seibel-Emmerling dann nach Deutschland.
Eine Quote übrigens gibt es bei Landtagsabgeordneten nicht. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) stellt im Ausstellungskatalog mit Bedauern fest, dass der Frauenanteil im aktuellen Landtag bei nur knapp 30 Prozent liege. Der Grund sei, sagt Stamm, dass die Regierungspartei nur wenige Frauen mit einem Direktmandat auf den Weg schicke. Dieses Problem müsse die CSU „anpacken“. dirk walter