München – Mit Champagner, Sake vom Fass und 500 Gästen feierte Hotelier Korbinian Kohler im Juli die Eröffnung seines neuen Mizu Onsen Spa im Luxus-Hotel Bachmair Weissach am Tegernsee. Als „Mammutprojekt“ bezeichnete Kohler damals den sieben Millionen Euro teuren Bau eines neuen Wellness-Tempels mit japanischem Einfluss. Hilfreich, dass der Freistaat bei der Finanzierung des neuen Spa-Bereichs unter die Arme griff: Vergangene Woche überreichte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) Kohler einen Förderbescheid in Höhe von 497 300 Euro.
Über diese staatliche Finanzspritze für das Haus mit knapp 150 Betten ist nun eine Diskussion entbrannt. Die grundsätzliche Frage: Sollte der Freistaat großen Luxus-Hotels mit Steuer-Millionen unter die Arme greifen?
Möglich macht die Förderung die sogenannte Premium Offensive Tourismus, die der Landtag im vergangenen Jahr beschlossen hat. 50 Millionen Euro stellt die Staatsregierung dafür über fünf Jahre zur Verfügung. Damit sollen sogenannte „Ankervorhaben“ unterstützt werden – also Investitionen in Übernachtungsbetrieben „im gehobenen und hochwertigen Bereich“.
„Wir wollen damit Leuchttürme für Tourismusdestinationen schaffen, die zusätzliche Gäste anlocken“, sagt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. „Die Beispiele aus anderen Regionen zeigen, dass Leitinvestitionen für die gesamte Region positive Effekte erzielen: von der Gastronomie, über die touristische Infrastruktur bis zu Handwerk und Handel.“ Bewerben können sich Betriebe ab einer Größe von zehn Betten. Bislang werden zwölf Unternehmen mit insgesamt fünf Millionen Euro gefördert, darunter zum Beispiel das Kinderhotel Oberjoch in Bad Hindelang mit derselben Summe wie das Hotel Bachmair.
Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Landtags-Grünen, sieht die Förderung für Luxus-Hotels skeptisch. „Ich bin mir sicher, dass der neue Wellness-Bereich auch ohne staatliche Hilfe gebaut worden wäre. Das Geld wäre sinnvoller in eine bessere ÖPNV-Anbindung in das Tegernseer Tal investiert worden.“ Auch so würden mehr Besucher für die Region gewonnen. Hartmann will nachhaken – und per Landtagsanfrage in Erfahrung bringen, welche Betriebe bisher gefördert wurden.
Die tourismuspolitische Sprecherin der SPD, Martina Fehlner, verteidigt hingegen das Förderprogramm, dem ihre Fraktion im vergangenen Jahr auch zugestimmt hat. „Das Geld geht ja nicht nur an die Großen – es ist auch eine Chance gerade für kleinere Betriebe.“ Natürlich polarisiere so eine Zahlung, aber Fehlner stellt auch klar: „Das Geld wäre ja nicht stattdessen in Kitas oder den Straßenausbau geflossen.“ Es sei wie im Spitzensport. Wenn man die Nummer eins bleiben wolle, müsse man seine Besten weiter fördern. Um eine Entwicklung zum Zwei-Klassen-Tourismus aber unbedingt zu vermeiden, fordert die SPD, das Förderprogramm künftig schon ab einer Betriebsgröße von fünf Betten zu ermöglichen. So würden noch mehr Betriebe in Nord- und Ostbayern profitieren.
Der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) sieht in dem Förderprogramm eine Wirkung für die gesamte Region. „Im Tourismus muss man immer investieren, um vorne dabei zu bleiben. Jedes Haus, das das tut, ist mir lieb und recht.“ Die Gemeinde habe alle Gästehäuser über das Förderprogramm informiert – und so stehe es auch jedem offen, sich zu bewerben.
Und der Hoteldirektor? Korbinian Kohler betont: „Wir hier in der stark touristisch geprägten Gegend stehen in direkter Konkurrenz zu Österreich und geraten ins Hintertreffen, weil dort der Tourismus viel mehr gefördert wird. Ich bin froh, dass die Staatsregierung dieses Ungleichgewicht erkannt hat.“ Er sagt auch, dass der Spa-Bereich ohne die Förderung nicht zu den besten in Europa zählen würde. „Wir hätten uns ihn so nicht leisten können.“ So ein Projekt strahle auch auf Handwerker, Lieferanten und den Einzelhandel in der Region aus. „So etwas übersehen die Leute.“