Mein Dorf

„Vieles, was das Leben schön macht“

von Redaktion

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Werner Deuring, 58, leitet die Gärtnerei in Herzogsägmühle, einem sozialen Dorf. Der Ortsteil von Peiting im Kreis Weilheim-Schongau unterscheidet sich kaum von anderen Ortschaften, ist aber doch sehr besonders.

-Seit wann leben Sie in Herzogsägmühle?

Seit 1980. Ich komme ursprünglich aus Ravensburg, habe in Sankt Ottilien im Kreis Landsberg meine Ausbildung als Gärtner gemacht, drei Jahre in München gearbeitet und nach der Meisterprüfung die Möglichkeit bekommen, die Gärtnerei in Herzogsägmühle zu leiten.

-Und jetzt sind Sie hier fest verwurzelt?

Ja, meine Frau Anna und ich leben und arbeiten beide hier, haben hier unsere Kinder bekommen, eine Tochter, 36, und einen Sohn, 35. Heute leben auch meine Tochter und meine Enkelkinder Alexander, 5, und Marlene, 1, in Herzogsägmühle. Sie besuchen den Zwergerltreff und den Waldkindergarten.

-Herzogsägmühle ist ein besonderer Ort…

Ja, der Ort ist ein Teil der Inneren Mission München und Oberbayern, evangelische Diakonie. Wir betreuen hier Menschen, die es im Leben nicht leicht haben, benachteiligte Menschen, Menschen in besonderen Lebenslagen, Menschen mit einer Suchtproblematik oder einer seelischen Erkrankung, auch ganz junge Menschen. Hier arbeiten und leben rund 1000 Menschen, Herzogsägmühle begleitet insgesamt rund 3500 Menschen.

-Trotzdem ist es aber auch eine ganz normale Ortschaft, oder?

Herzogsägmühle ist ein ganz normaler Ort, mit einem Dorfplatz, einem Maibaum, einer Kirche und einem Lebensmittelmarkt, in dem unsere Produkte aus der Gärtnerei, Metzgerei und Bäckerei verkauft werden plus einem gut sortierten Edeka-Angebot. Es gibt das Café „Herzog“, einen Zwergerltreff, einen Waldkindergarten, einen Friseur, den Verein Dorfkultur und Landespflege, und vieles mehr, was das Leben schön macht.

-Wie hat sich Herzogsägmühle verändert?

Das kann ich gut am Beispiel unserer Gärtnerei erklären: Ich habe vor 37 Jahren einen kleinen Betrieb mit vier Mitarbeitern übernommen. Heute ist es ein Betrieb mit zwölf Kollegen und 30 Auszubildenden sowie 22 Menschen mit einer Behinderung. Wir produzieren als Naturland Vertragsbetrieb ökologisches Gemüse. Als Kompetenzleiter für Ökologie und Ernährung bin ich zuständig für die Betriebe Gärtnerei, Landwirtschaft, Metzgerei, Bäckerei und den Mühlenmarkt. In Herzogsägmühle können wir uns komplett eigenständig versorgen, das ist etwas Besonderes. Wir richten uns größtmöglich nach den Grundsätzen der Gemeinwohl-Ökonomie: hier produzieren, hier verarbeiten, hier verbrauchen. Der Mensch steht im Vordergrund, nicht der Profit.

-Ist es manchmal anstrengend, genau da zu leben, wo man arbeitet?

Das hat Vor- und Nachteile. Wenn am Samstag ein Lastwagen mit einer Lieferung kommt für die Gärtnerei, dann muss der abgeladen werden, ob ich Dienst habe oder nicht. Aber dafür habe ich keine Arbeitswege. Ein Gärtner gehört zu seiner Gärtnerei, bei Sturm müssen beispielsweise die Gewächshäuser abgelüftet werden.

-Ist Herzogsägmühle ein Ort für die Jüngeren?

Für Kinder ist es hier herrlich. Wir haben ländliche Strukturen, viel Natur. Es gibt einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferden, der Märchenpark ist nicht weit. Im Teenageralter haben sich meine Kinder aufs Moped geschwungen oder in den Bus gesetzt und sind nach Peiting oder Schongau und haben ihre Schulfreunde getroffen. Dass meine Tochter mit ihren Kindern zurückgekommen ist und als Floristinmeisterin hier arbeitet, beweist aber doch, dass man hier eine gute Jugend verbringen kann.

Interview: Aglaja Adam

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