Wasser gegen Gaffer: Retter solidarisieren sich

von Redaktion

Neuburg/Weibersbrunn – Langsam legt sich zwar die Aufregung um den Wassereinsatz gegen Gaffer an der A 3, doch das Thema beschäftigt weiter die Menschen in ganz Deutschland. Einen ganz besonders: Notarzt Dr. Alexander Hatz aus Neuburg an der Donau. Vor drei Jahren sollte er den Führerschein für sechs Monate verlieren und ein hohes Bußgeld zahlen, weil er auf einer Einsatzfahrt zu einem Kind angeblich zwei Autofahrer gefährdet haben soll.

Hatz hat den Fall von der Autobahn in Unterfranken – bei dem Unfall waren am Donnerstag drei Menschen ums Leben gekommen – genau beobachtet. Er sagt über fotografierende Gaffer: „Es gibt nichts Widerlicheres, als wenn solche Bilder die Runde machen.“ Wenn ein Unbeteiligter einen toten Menschen fotografiere, dann könne er das nicht mehr nachvollziehen – „und dann muss man etwas dagegen unternehmen“.

Unternommen wurde ja etwas an jenem Unglückstag. Die Autobahn bei Weibersbrunn (Kreis Aschaffenburg) war in beide Richtungen voll gesperrt und ein einziges Trümmerfeld. Allerdings ließ die Polizei auf der Gegenfahrbahn blockweise Fahrzeuge passieren. Zum Teil auch, während die Leichen geborgen wurden. Dabei zückten Lkw-Fahrer ihr Handy, bis ein Feuerwehrmann aus Waldaschaff den Wasserschlauch gegen die Gaffer einsetzte. Zunächst sprachen sowohl die Feuerwehr vor Ort wie auch ein Polizeisprecher von einer abgesprochenen Aktion, dies wurde später aber revidiert. „Für die Unterbindung und Ahndung bei Verkehrsbehinderungen sind ausschließlich wir zuständig“, so die Polizei.

Doch Notarzt Hatz, dessen Strafbefehl in Begleitung eines öffentlichen Aufschreis von der Generalstaatsanwaltschaft einkassiert wurde, sagt über die Spritzaktion: „Das war Hilfe zur Selbsthilfe. Ich hätte mich genauso verhalten.“ Es helfe ja nichts, wenn die Polizei die Gaffer später bestrafe, ein Bild sei gemacht und „ging mit Knopfdruck auf die Reise“. Als sogar noch eine etwaige Bestrafung des couragierten Feuerwehrmanns im Raum stand, rief Hatz via Facebook sogar zum Widerstand auf und schrieb: „Zeigen wir der Justiz, wie stark wir sind, und organisieren uns. Allen freiwilligen Feuerwehrleuten rate ich, schriftlich bei ihren Landräten mit der Niederlegung der Tätigkeit zu drohen, falls nichts für den mutigen Kollegen unternommen wird.“ Mit der Mitteilung der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg, dass die Behörde kein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr einleite, verrauchte auch der Ärger des Mediziners. Dass keine Anzeige erstattet wurde, freut die Kameraden des Gaffer-Spritzers: „Es ist eine große Erleichterung spürbar“, so Otto Hofmann, der den Einsatz an der A 3 geleitet hat. mc

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